Bundesrätin Doris Leuthard wehrt sich gegen die Kritik der Strombranche, die Landesregierung habe den Atom-Ausstieg übers Knie gebrochen. «Den Fahrplan hat das Parlament bestimmt», sagt die Energieministerin im Interview, das morgen Samstag in der az publiziert wird. «Es hat uns mit einer Flut von Vorstössen beauftragt, zur Energiefrage Stellung zu nehmen.» Es sei aber ohnehin nötig, sich frühzeitig auf den Ausstieg vorzubereiten. «Nichts tun, und dann - bei einem negativen Entscheid des Volkes zu einem neuen AKW - festzustellen, dass man viel früher hätte in erneuerbare Energien investieren müssen, ist für mich keine Alternative.»

Leuthard übt ihrerseits Kritik an der Stromwirtschaft: «Die Stromindustrie ist stark reguliert, mehrheitlich ist sie staatlich organisiert. Das macht sie träge.» Zu dieser Trägheit trägt für Leuthard auch der Umstand bei, dass die Branche einfach möglichst viel Strom verkaufen will. Sie lässt darum nun prüfen, «mit welchen Anreizen das Erreichen von Effizienzzielen belohnt werden kann. Die blosse Umsatzsteigerung in Kilowattstunden darf sich nicht mehr rechnen.»

Einen Kritikpunkt am Ausstiegs-Entscheid, den der Bundesrat am Mittwoch gefällt hat, lässt Leuthard dann doch gelten: «Es ist es der Umstand, dass mit den Gaskombikraftwerken, die es als Überbrückungstechnologie braucht, der CO2-Ausstoss steigen wird.» Die CVP-Magistratin ruft das Parlament dazu auf, bei der Klimapolitik über die Bücher zu gehen. «Wir können den CO2-Ausstoss bestimmt nicht nur im Inland kompensieren, wie es der Ständerat vier Tage vor dem Unglück in Fukushima ins Gesetz geschrieben hat.»

* Lesen Sie in der az das ausführliche Interview mit der Bundespräsidentin Doris Leuthard.