WEF 2018

Bundespräsident Berset las an der Eröffnungsrede vom Teleprompter ab

Bundespräsident Alain Berset.

Bundespräsident Alain Berset.

Alain Berset wirkte sehr ernst und auch etwas schulmeisterlich, als er bei seiner Eröffnungsrede einen amerikanischen Professor zitierte. Er tat dies, indem er vom Teleprompter ablas, einem unauffälligen Bildschirm, auf dem der Redetext erscheint.

Bundespräsident Berset versuchte es mit einer rhetorischen Pirouette. Als Bundesrat und vor allem als Sozialdemokrat schlägt sein Herz für die Politik. Den versammelten Managern und Investoren säuselte er trotzdem vor, es bräuchte kein Primat der Politik, sondern eine Balance mit der Wirtschaft, nur um gleich darauf den Vorrang «des Politischen» zu reklamieren. Schliesslich seien politische Werte wie Demokratie, Menschenrechte Fundamente unserer Gesellschaften.

Berset begrüsste die WEF-Teilnehmer zunächst auf Französisch, erst in der Hälfte wechselte er auf Englisch. Seine Rede war eine Lobeshymne auf internationale Zusammenarbeit und multilaterale Institutionen. Ohne sie explizit zu erwähnen, sprach er vom Brexit und vielleicht auch von der Trump-Wahl, als er Volks-Vetos erwähnte, welche der internationalen Öffnung im Wege stünden.

Dieses Querstellen einer Mehrheit der Bevölkerung führte er auf ein Gefühl des unfair Behandelt-Werdens zurück. Die Menschen müssten das Gefühl haben, dass sie Migration und Globalisierung kontrollieren könnten, um wieder Vertrauen zu fassen. Damit internationale Institutionen, welche Berset nie beim Namen nannte, gestärkt werden könnten, müssten die einzelnen Staaten soziale Inklusion propagieren.

Berset wirkte sehr ernst und auch etwas schulmeisterlich, als er einen amerikanischen Professor zitierte, der über die Vorzüge der Atlantik-Charta und des Breton-Woods-Währungssystems aus der Nachkriegszeit sprach. Er tat dies, indem er vom Teleprompter, einem unauffälligen Bildschirm, auf dem der Redetext erscheint, ablas.

Für seinen Schlussappell für soziale Integration gab es höflichen Applaus und ein Dankeschön von WEF-Gründer Klaus Schwaab. Während Berset die Schweiz kaum erwähnte, setzte Indiens Premierminister Narendra Modi zu einer nicht enden wollenden Lobeshymne auf sein Land an. Und er kritisierte die internationalen Organisationen, dafür, dass sie zu wenig auf die Entwicklungsländer hörten. (rit)

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