Bundesbern
Affäre um Geheimtreffen hin oder her: Fifa-Boss Gianni Infantino weibelt bei Parlamentariern

Die Wahl eines neuen Sonderermittlers in der Fifa-Affäre steht an. Pikant: Präsident Gianni Infantino hält derweil Hof in Bundesbern.

Sven Altermatt
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In betont lockerer Atmosphäre: Fifa-Präsident Gianni Infantino war Gast in Bern.

In betont lockerer Atmosphäre: Fifa-Präsident Gianni Infantino war Gast in Bern.

Bild: Walter Bieri / Keystone

Es läuft gerade nicht schlecht bei Fifa-Präsident Gianni Infantino: Der ausserordentliche Bundesanwalt Stefan Keller, eigens eingesetzt vom Parlament, darf nicht mehr gegen ihn ermitteln. Das befand das Bundesstrafgericht im Mai. Eigentlich hätte Keller nach den dubiosen Geheimtreffen von Infantino und dem früheren Bundesanwalt Michael Lauber endlich Licht ins Dunkel bringen sollen. Nach mehreren Patzern wurde der Druck auf ihn zu gross. Jüngst gab er sein Mandat entnervt ab.

Kellers Nachfolger als Sonderermittler in der Affäre Lauber/Infantino muss nun vom Parlament gewählt werden. Derzeit laufen die Vorarbeiten dafür. Was bisher nicht bekannt ist: Ausgerechnet jetzt, vor der heiklen Wahl, weilte der Fifa-Boss in Bern. Am Rande der Session tauschte er sich in betont entspannter Atmosphäre mit Parlamentariern aus. Eingefädelt hatte die Visite die parlamentarische Freundschaftsgruppe «Schweiz–Russland».

Die geschlossene Gesellschaft in einer Berner Rooftop-Bar war prominent besetzt: In der Abendsonne trafen sich Vertreter aller Parteicouleur. Gesichtet wurden nebst dem russischen Botschafter Sergei Garmonin unter anderem auch Ex-Staatssekretär Yves Rossier und der frühere Nati-Goalie Pascal Zuberbühler.

Unter dem Titel «Ist die Fifa auf dem richtigen Weg?» diskutierte Infantino mit der bekannten deutschen Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk. Als Moderator sprang der Zürcher FDP-Stadtrat und Ex-Fernsehmann Filippo Leutenegger ein. Im Fokus standen die umstrittenen Vergaben der Fussball-Weltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 nach Katar. Zuhörer berichten von einer durchaus hitzigen Diskussion.

Angeschlagenes Image bei der Politik

Für Infantino war das Treffen freilich auch eine willkommene Gelegenheit, um bei Parlamentariern in eigener Sache zu weibeln, wie Teilnehmer bestätigen. Der Ruf der Fifa im Bundeshaus ist angeschlagen. Zuletzt sorgte der Weltverband nicht nur wegen einer Reihe von Ermittlungen für Gesprächsstoff. Immer wieder griffen Politiker dessen steuerliche Privilegierung auf. Und Fifa-Offizielle wiederum liebäugelten mehrfach mit einem Wegzug aus Zürich; auch um Druck auf die Politik aufzusetzen.

Kenner und Kritiker der Fifa: SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel.

Kenner und Kritiker der Fifa: SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel.

Bild: Keystone

Bemerkenswert ist: Mitorganisiert wurde das Treffen von SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel. Er ist einer der Co-Präsidenten der Gruppe «Schweiz-Russland» – und eigentlich als Fifa-Kritiker bekannt. «Ich bin der Letzte, der Infantino einen Lobbyauftritt ermöglichen würde», betont er. Lange habe das Land unter dem schlechten Image der Fifa gelitten. Nach den Geschehnissen rund um die Geheimtreffen von Lauber und Infantino jedoch sei unterdessen auch die Reputation der Schweizer Justiz ramponiert. Für Büchel ist klar: «Da ist es besser, aufeinander zuzugehen und sich bei einer kontroversen Diskussion auszutauschen.»