Bern
Bundesanwalt Lauber: Unbequeme Staatsanwälte per sofort freigestellt

Bundesanwalt Michael Lauber kennt kein Pardon: Er soll bis zu fünf Staatsanwälte per Ende Monat entlassen haben. Dabei soll es sich um Staatsanwälte handeln, die hin und wieder unbequeme Fragen stellten und die Arbeit kritisch hinterfragten.

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Bundesanwalt Michael Lauber im Fokus

Bundesanwalt Michael Lauber im Fokus

Keystone

Bundesanwalt Michael Lauber stellt gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» bis zu fünf Staatsanwälte per Ende Juni frei. Betroffen sind jene Strafverfolger, die von Lauber nicht für eine neue Amtszeit wiedergewählt worden sind.

Mindestens drei Staatsanwälte wurden aufgefordert, ihre Büros bis zum Dienstag zu räumen und «die Schlüssel abzugeben», wie informierte Leute sagen.

Für die Betroffenen sei das eine herbe Überraschung und ein Schlag ins Gesicht, arbeiten sie doch zum Teil 15 bis 20 Jahren für die Bundesanwaltschaft.

Lauber hatte im Mai 5 von insgesamt 31 Staatsanwältinnen und -anwälten mitgeteilt, dass er sie nicht wiederwähle. Es traf dabei gemäss diversen Quellen nicht vorab Problem-Staatsanwälte, sondern Leute, die hin und wieder unbequeme Fragen stellten oder Vorgehensweise und Entscheide der Führungscrew um den Bundesanwalt kritisch hinterfragten. Am einen oder anderen sei bewusst ein Exempel statuiert worden, sagen Beobachter.

Offensichtlich versucht die Spitze der Bundesanwaltschaft, rechtliche Auseinandersetzungen mit den Entlassenen zu vermeiden. Dem Vernehmen nach hat Lauber ihnen mittlerweile Abgangsentschädigungen in der Höhe von drei Monatsgehältern angeboten.

Die Bundesanwaltschaft hat in den letzten Jahren schon mehrfach Abfindungen an Personal bezahlt, das entlassen wurde. Ob sich die jetzigen Betroffenen damit zufriedengeben, ist fraglich.

Gemäss Beobachtern haben sie vor Bundesverwaltungsgericht gute Chancen, Abgangsentschädigungen in der Höhe eines Jahresgehalts zu erstreiten.

André Marty, Informationschef des Bundesanwalts, will sich auf Anfrage «unter Respektierung der Persönlichkeitsrechte» nicht zu den Freistellungen von Staatsanwälten äussern.

Er geht nicht auf die Frage ein, ob das Seco-Verfahren oder andere Dossiers jetzt Verzögerungen erleiden. Auch die Frage, wo das Seco-Strafverfahren derzeit steht, beantwortet Marty nicht.

Er hält nur fest: «Die Ermittlungen dauern an. Mehr Angaben zu den Untersuchungen können wir mit Blick auf das Amts- und Untersuchungsgeheimnis leider nicht machen.» (sha)