Eine umstrittene Institution muss ihre Arbeit einstellen: Das nationale Kompetenzzentrum für Sexualpädagogik und Schule gibt auf seiner Website bekannt, dass es per Mitte 2013 aufgelöst wird.

Das Kompetenzzentrum unter der Leitung von Titus Bürgisser ist an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz in Luzern angesiedelt und hat seit dem Jahr 2006 im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) Voraussetzungen geschaffen, damit Sexualerziehung an Schulen umgesetzt werden kann. Für diese Arbeit erhielt das Zentrum vom Bund 300 000 Franken im Jahr.

Wurde diese Arbeit zunächst kaum beachtet, stand das Kompetenzzentrum für Sexualpädagogik und Schule vor rund zwei Jahren plötzlich im Rampenlicht und sah sich mit heftiger Kritik konfrontiert. Alt SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer beispielsweise entdeckte im vom Kompetenzzentrum empfohlenen Unterrichtsmaterial pornografische Darstellungen.

Schlüer lancierte in der Folge eine Petition «Gegen die Sexualisierung der Volksschule» und sandte Zehntausende von Unterschriften an die Erziehungsdirektorenkonferenz. Auch dem Komitee hinter der Eidgenössischen Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» (siehe Kasten) ist das Kompetenzzentrum ein Dorn im Auge.

Auflösung hat «politische Gründe»

Nun stellt der Bund seine Zahlungen ein: «Da für die Weiterführung der Arbeit ab Mitte 2013 weder ein Auftrag noch finanzielle Mittel auf nationaler Ebene zur Verfügung stehen und keine Anschlusslösung gefunden wurde, kann das Kompetenzzentrum nicht mehr weitergeführt werden», heisst es auf der Website des Kompetenzzentrums.

Auf Nachfrage sagt Titus Bürgisser, das BAG sei mit der Arbeit des Zentrums stets zufrieden gewesen. Nun habe das BAG aber das Mandat auslaufen lassen und dieses nicht erneuert. Die Auflösung des Zentrums habe «politische Gründe», sagt der Leiter des Zentrums. Für präzisere Auskünfte dazu verweist er ans BAG.

Dort heisst es: Angesichts der kantonalen Zuständigkeit im Schulwesen hätte es der Bundesrat für angebracht gehalten, den dauerhaften Betrieb des Kompetenzzentrums durch eine grössere finanzielle Unterstützung der Kantone sicherzustellen. «Unter der Voraussetzung der Beteiligung der Kantone hätte der Bund allenfalls auch ein Gesuch um eine finanzielle Beteiligung prüfen können», schreibt das BAG in seiner schriftlichen Antwort auf die Anfrage der «Nordwestschweiz». Offenbar beantworteten aber die Kantone Anfragen um eine grössere finanzielle Beteiligung negativ.

Gegenstimme zum Zentrum

Die Initianten der sogenannten Schutzinitiative störten sich daran, dass mit dem Kompetenzzentrum «nur einer Position Bundesgelder zur Verfügung stehen», wie Komiteemitglied Ulrike Walker sagt. «In einer pluralistischen und demokratischen Welt ist die monopolistische Beanspruchung und Besetzung eines Themas immer fragwürdig.» Das Initiativkomitee versteht sich denn auch als Stimme einer «grossen Bevölkerungsschicht», «die den gesunden Menschenverstand ebenfalls immer wieder zu Wort kommen lässt.»