Medizinstudium
Bund verweigert Geld für medizinische Studienplätze

Bis 2017 müssen die Kantone einen Ausbau der Studienplätze selber finanzieren. Doch diese sind teuer. Pro Studium entstehen Kosten von rund 450'000 Franken. Diese bittere Pille wollen die Kantone nicht einfach so schlucken.

Stefan Schmid
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3270 junge Menschen haben sich dieses Jahr für das Medizinstudium angemeldet. Eine deutliche Mehrheit von ihnen wird jedoch nie als Arzt oder Ärztin arbeiten können. An den Universitäten Bern, Basel, Zürich und Freiburg gibt es nur 713 Studienplätze. Am 5. Juli wird erneut mit einem Eignungstest die Spreu vom Weizen getrennt.

Ähnlich ist die Situation in der Romandie. Dort gibt es zwar keinen Numerus clausus, der den Zugang zum Medizinstudium limitiert. Dafür wird in Genf, Lausanne und Neuenburg nach dem ersten und zweiten Studienjahr knallhart selektioniert.

Nur Zürich erhöht die Zahl

Angesichts der hohen Zahl ausländischer Ärzte in der Schweiz steigt der politische Druck auf die Universitätskantone, mehr Studienplätze für einheimische Interessierte anzubieten. Das eidgenössische Parlament hat mehrere Vorstösse überwiesen.

Passiert ist bis heute allerdings wenig. «Die Zahl der Studienplätze ist in der Humanmedizin gesamtschweizerisch zwischen 2006 und 2012 von 947 auf 1137 erhöht worden», heisst es bei der Rektorenkonferenz (CRUS) auf Anfrage.

Für das neue Studienjahr 2013/14 hat nur Zürich die Zahl der Ausbildungsplätze von 220 auf 280 erhöht. «In Lausanne wird eine Erhöhung um 60 Plätze geprüft», sagt Valérie Clerc, stellvertretende Generalsekretärin der Schweizerischen Universitätskonferenz (SUK). Alle anderen Universitäten prüften ebenfalls einen Ausbau. Doch die Diskussionen seien erst am Anfang.

Studienplatz kostet 450 000 Franken

Der Grund für den schleppenden Ausbau: Ein Studienplatz für Medizin ist teuer. Das Bundesamt für Gesundheit schätzt die Kosten für ein Medizinstudium inklusive Praktikumsplatz in einem Spital auf 450 000 Franken pro Person.

Mehr Medizinplätze bedeuten bei gleichbleibendem Budget einen Abbau in anderen universitären Disziplinen. Davor schrecken die Kantone zurück. Sie setzten ihre Hoffnungen bisher auf den Bund.

Doch mit zusätzlichen Finanzmitteln aus der Bundeskasse wird bis 2017 definitiv nichts. Von der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbemerkt, teilte das Staatssekretariat für Bildung und Forschung letzten Freitag mit: «Eine zusätzliche Finanzierung zur Erhöhung der Studienplätze in Humanmedizin ist für die laufende Periode 2013--2016 nicht vorgesehen.»

Bildungsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) und Gesundheitsminister Alain Berset (SP) haben diese Haltung den Kantonen und Universitäten in einem Brief, welcher der «Nordwestschweiz» vorliegt, bereits Anfang März mitgeteilt.

Darin schreiben die beiden Bundesräte, dass bei der Ausbildung von Ärzten Handlungsbedarf bestehe. Die Verantwortung dafür trügen aber die Kantone. Der Bund habe seine Zahlungen an die Universitäten bereits jährlich um 3,7 Prozent erhöht.

«Wir sind daher der Ansicht, dass die Trägerkantone eine substanzielle Unterstützung erhalten», schreiben Schneider-Ammann und Berset. Eine grundsätzliche Neubeurteilung will der Bundesrat erst für die Periode 2017 bis 2020 vornehmen.

Kantone wollen sofort Geld

Mit dieser Haltung sind die Kantone überhaupt nicht einverstanden. «Immerhin wird uns ab 2017 eine Erhöhung der Bundesbeiträge in Aussicht gestellt», sagt Carlo Conti, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz.

Aber es brauche vorher eine Zwischenlösung, «sonst sind wir beim Aufbau weiterer Kapazitäten in Verzug». Ähnlich argumentiert sein Regierungskollege aus der Basler Erziehungsdirektion: «Der Bund will zwar mehr Studienplätze, ist aber nicht bereit, dafür einen Beitrag zu leisten», sagt Christoph Eymann.

Die Argumentation des Bundesrats sei «bauernschlau».

Erstens habe das Parlament die Beitragserhöhung von 3,7 Prozent dem Bundesrat aufgezwungen und zweitens würden damit nicht neue Medizinplätze, sondern nur laufende Kosten gedeckt. Für die Kantone ist daher klar: Unter diesen Bedingungen wird es bis 2017 kaum einen substanziellen Ausbau geben.

Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen. Die Berner Nationalrätin Regula Rytz will dem Bundesrat Beine machen, um spätestens ab 2018 bis zu 300 zusätzliche Ärzte ausbilden zu können. «Eigentlich sehen alle das Bedürfnis, in den meisten Kantonen fehlt jedoch das Geld für eine Aufstockung», sagt Rytz. Ihre Motion wird auch von bürgerlichen Politikern unterstützt.

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