Am Dienstag kommt es in Bern zum Gipfeltreffen. Wirtschaftsminister Johann Schneider- Ammann (FDP) hat SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner zu einer Aussprache eingeladen. Hintergrund dürfte sein, dass Giezendanner im Verbund mit Parlamentariern wie Corrado Pardini (SP) und mit Support von SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz die Affäre um die Hochseeflotte durch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) geklärt haben will. Das passt Schneider-Ammann nicht.

An Geschäftemacher verkauft

Doch Giezendanner und Co. wollen den Verdacht auf gravierende Verfehlungen bis hin zu Betrug geklärt haben. Unter anderem geht es um Bürgschaften, die höher waren als der Schiffswert und die auch an ausländische Reeder gingen. Zudem gab es seit Jahren Hinweise, dass die Pleite-Reederei am Ende ist, aber der Bund handelte nicht. So gingen nochmals Millionen verloren. Gewisse Spitzenbeamte liessen sich zudem von Reedern zu teuren Reisen einladen – mit Wissen ihrer Vorgesetzten. Weil die Bücher von Reedereien und auch von Banken (vorab UBS) geöffnet werden müssten, ist es fraglich, ob die Geschäftsprüfungskommission (GPK) mit ihrer nun laufenden Untersuchung Erfolg hat.

Das Gespräch zwischen Giezendanner und Schneider-Ammann erhält zusätzliche Brisanz. Denn die Anzeichen verdichten sich, dass der Bundesrat um Schneider-Ammann die Pleite-Flotte im dümmsten Augenblick verkauft hat: Als die Preise auf dem Tiefpunkt waren. Alfred Hartmann, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), sagte dieser Tage gegenüber deutschen Medien: «Die Frachtraten und die Preise für gebrauchte Schiffe haben sich stabilisiert.» Nach neun Krisenjahren sei die Talsohle offenbar durchschritten, so Hartmann.

«Die Marktpreise sind in den letzten Monaten gestiegen», weiss auch Ulrich Giezendanner, der in stetem Kontakt mit der Schiffsbrache steht. Und die «Nordwestschweiz» hat mit Verweis auf die Schweizer Reedereiszene ebenfalls bereits darüber berichtet. Namentlich sogenannte Bulk Carrier, die Massengutfrachter also, erzielen wieder bessere Preise als noch vor Monaten. Doch der Bund hat neun solcher Schiffe Hals über Kopf eben abgestossen. «Heute sind die Frachter acht bis zehn Millionen mehr wert», sagt ein Schweizer Branchenvertreter. Die Nachfrage sei massiv gestiegen. Laut Giezendanner sind solche flexible Mehrzweckfrachter gerade bei türkischen Reedern gefragt. «Ich habe erfahren, dass türkische Reeder kürzlich beim Bund ihr Interesse an Frachtern angemeldet haben. Eine Antwort haben sie nicht erhalten.»

Käsetycoon am Ruder?

215 Millionen Franken als Nachkredit sprach das Parlament im Mai. Um die Verluste zu decken, die aus dem Notverkauf der Pleite-Flotte von Reeder Hansjürg Grunder resultieren, für die der Bund für gut 250 Millionen bürgte. Insgesamt ging der Bund von einem Verkaufserlös für 13 Hochseeschiffe – vier Tanker und neun Frachter – von nur gerade 73,5 Millionen Dollar aus.

Zehn der Schiffe, darunter die Tanker, gingen an ein Käufer-Tandem mit Sitz in Kanada. Die billig erstandenen Tanker bieten sie wieder am Markt an, für 60 Millionen Dollar. Auch die Frachter werden laut Insidern wieder zum Verkauf angeboten, unter anderem durch Makler in Hamburg. Das stützt die These, dass die Kanadier die Schiffe nur kauften, um schnelles Geld zu machen.

Die Käufer, das ist die im Immobiliensektor tätige Groupe Mach Inc. in Montreal, Kanada, im Verbund mit dem kanadisch-libanesischen Makler Talal Hallak. Sie liessen die Schiffe mittlerweile aus dem Schweizer Schifffahrtsregister streichen und im Inselstaat Barbados einflaggen. Die Schiffe wurden auch umbenannt, auf dem Papier zumindest, auf dem Bug tragen sie noch die alten Namen. Die Frachter heissen nun «Stella» statt «Basilea», «Maria Carla» statt «Léman», «Angelo Maria» statt «Bern», «Talia H» statt «Anita», «Jennifer H.» statt «Andisa». Die Tanker heissen neu «Carolus Magnus» statt «Breithorn», «Mirella S.» statt «Matterhorn», «Emanuele S.» statt «Monte Rosa», «Rosy» statt «Stockhorn».

Das «H» steht wohl für Hallak. Das «S» dürfte laut Insidern für Saputo stehen. Emanuele «Lino» Saputo ist ein steinreicher kanadischer Molkerei- und Käsetycoon, seine Frau heisst Mirella. Die Saputos wanderten in den Fünfzigerjahren aus Sizilien ein, ebenso die Vorfahren von Vincent Chiara, dem Besitzer der Groupe Mach. Saputo und Chiara sind langjährige Geschäftspartner.