Vor allem an ältere Arbeitnehmende hatte der Bundesrat gedacht, als er das Angebot lancierte: Der Bund zahlt den Firmen seit 2018 Geld für gewisse Mitarbeiter-Schulungen. So will er verhindern, dass Angestellte den Job verlieren, weil sie mit neuen Anforderungen nicht Schritt halten können.

Unterstützt werden Kurse, bei denen die Mitarbeitenden Grundkompetenzen lernen, die sie in ihrer Arbeit brauchen: zum Beispiel Rapporte schreiben, Anleitungen lesen oder den Computer zu bedienen. Eine Firma schulte etwa mit Unterstützung des Bundes Mitarbeitende, die bisher keinen Computer nutzten und neu Daten in Excel erfassen müssen.

Insbesondere wegen die Digitalisierung sieht der Bund die Gefahr, dass Angestellte abgehängt werden. Gerade ältere Arbeitnehmende hätten im Bereich der IT-Kompetenzen Weiterbildungsbedarf, erklärte der Bund bei der Lancierung des Programms.

Millionen bleiben liegen

Das Angebot mit dem sperrigen Namen «Grundkompetenzen am Arbeitsplatz» wird jedoch kaum genutzt. 13 Millionen Franken hat der Bund für das Programm reserviert, das von 2018 bis 2020 läuft. Bisher wurden lediglich Beiträge im Umfang von knapp einer Million Franken gesprochen, wie es beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation heisst.

Geht es so weiter, wird während der gesamten Laufzeit weniger als ein Sechstel des geplanten Budgets gebraucht. Offenbar ist das Interesse der Firmen an den Bundesgeldern gering. Nur 55 Gesuche sind bisher bei den Behörden eingegangen. Warum wird das Angebot nicht häufiger genutzt?

Beim Bund heisst es, als besondere Herausforderung erweise sich die Information zum Programm «und die Schaffung des Bewusstseins bei Unternehmungen, dass hinter Qualitätsproblemen oftmals fehlende Grundkompetenzen von Arbeitnehmenden stecken können». Mit anderen Worten: Dem Bund fällt es erstens schwer, dass Programm bekannt zu machen. Zweitens sind sich die Firmen zu wenig bewusst, dass sie ihre Angestellten schulen müssten.

Gewerbeverband bemängelt Kursangebot

Der Gewerbeverband sieht das Problem indes nicht bei den Firmen, sondern beim Bildungsangebot. Dieses entspreche häufig nicht den wirklichen Bedürfnissen des Arbeitsmarktes und der Unternehmen, bemängelt Verbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler.

Der Gewerbeverband hat sich deshalb mit dem Verband für Erwachsenenbildung zusammengesetzt. «Wir sind nun daran, die beiden ‹Welten›, die der Bildung und die des Arbeitsmarktes, zusammenzuführen», so Bigler: Die Bildungsanbieter müssten zuerst die Sprache lernen, die in der Branche und in den Betrieben herrschten.

Ein Grund für die geringe Nachfrage dürften auch die engen Vorgaben des Bundes sein: Die Schulung muss zwischen 20 und 40 Lektionen dauern, erlaubt sind maximal zwölf Teilnehmern. Beim Gewerbeverband heisst es dazu, eine gewisse Flexibilität müsse möglich sein.

Auch der Arbeitgeberverband sieht noch Verbesserungsbedarf. Er fordert den Bund auf, die Zielgruppe genauer zu definieren: Wenn man die bisherigen Teilnehmer analysieren würde, könnte man nachvollziehen, bei welchen Gruppen welches Potenzial liege, schreibt der Arbeitgeberverband auf Anfrage. «Dadurch wüssten die Unternehmer besser, ob sie von diesem Angebot profitieren können.»

Programm wird dennoch verlängert

Trotz der geringen Nachfrage ist bereits klar: Das ursprünglich auf drei Jahre beschränkte Programm soll nach 2020 weitergeführt werden. Offen ist noch, wie hoch das Budget dafür ausfällt. Der Bund zeigt sich aber optimistisch, dass die Firmen das Angebot stärker nutzen werden: Nach einem etwas verhaltenen Start nehme das Programm nun in allen Landesteilen Fahrt auf, erklärt Tiziana Fantini vom zuständigen Staatssekretariat. Und: «Jede zusätzliche Teilnehmerin und jeden zusätzlichen Teilnehmer werten wir als Erfolg.»