Killer-Bakterium

Bund soll Gemüsebauern unterstützen

Die Angst vor dem EHEC-Bakterium geht um. Die Folge: Mitten in der Gurkenerntezeit bleiben die Produzenten auf ihrer Ware sitzen. Nun soll der Bund den Bauern unter die Arme greifen.

Das EHEC-Bakterium fordert nicht nur gesundheitliche, sondern auch wirtschaftliche Opfer. Obwohl seit dieser Woche bekannt ist, dass die spanische Gurke nicht Träger des aggressiven Durchfallerregers war, der bereits zahlreiche Todesopfer in verschiedenen europäischen Ländern gefordert hat, meiden die Schweizer Konsumenten die Gurke weiterhin - trotz Entwarnungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Das trifft die Schweizer Gemüseproduzenten hart, denn momentan ist Gurkenerntezeit in den Schweizer Gewächshäusern. Pro Woche werden derzeit rund 600 Tonnen Gurken gepflückt. Das sind ungefähr 1,2 Millionen Stück, was der durchschnittlichen Nachfrage in dieser Jahreszeit entspricht.

Jacques Blondin, Verwaltungsratspräsident von Bio-Romandie, bestätigt die angespannte Lage. Er vertritt 31 Gurkenproduzenten im Raum Genf, einem grossen Schweizer Anbaugebiet, die sowohl für den regionalen wie für den landesweiten Markt produzieren. Diese Woche hätten bloss 40000 von den rund 240000 geernteten Gurken verkauft werden können. «Im Moment sind 200000 Gurken eingelagert. Davon muss die Hälfte bereits kompostiert werden.» Die Deutschschweizer Bauern teilen dasselbe Schicksal. Der Aargauer Gurkenproduzent Paul Meier etwa wartet sehnlichst auf eine Trendwende. «Diese Woche war besonders schwierig, weil wegen Auffahrt ein Verkaufstag fehlte.»

Grossverteiler spüren Rückgang

Dass den Konsumenten hierzulande die Lust auf Gurken vergangen ist, bestätigen auch die Schweizer Grossverteiler. Migros-Sprecherin Monika Weibel spricht von einem «spürbaren Rückgang» bei den Gurken, welchen man bei anderen Gemüsesorten nicht feststellen könne. Dies, obwohl die Migros derzeit ausschliesslich Schweizer Gurken im Sortiment hat. Man habe deshalb entsprechend weniger eingekauft. Bei Coop sagt Mediensprecher Urs Meier, dass sich die Nachfrage in den letzten zwei Tagen leicht erholt habe, nachdem der Verkauf von Gurken zwischenzeitlich um die Hälfte eingebrochen sei. Sowohl Migros als auch Coop untersuchen Früchte und Gemüse neu stichprobenmässig auf EHEC-Erreger - ohne etwas gefunden zu haben.

Die Einbussen sind laut Interessenverbänden gross: «Der Verkauf läuft nach wie vor schlecht», sagt etwa Simone Kamber vom Verband der Schweizer Gemüseproduzenten Swissveg. Die Einbussen belaufen sich immer noch auf etwa 50 Prozent. Das Problem sei in den Köpfen der Leute, meint Marc Wermelinger vom Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels. Das Gemüse sei unter Generalverdacht gekommen, obwohl es keinerlei Zusammenhang zwischen Schweizer Gemüse und dem EHEC-Erreger gebe. Über 100 Laboruntersuchungen hätten dies inzwischen bestätigt. Doch: «Der Konsument differenziert nicht», sagt Wermelinger.

Produzenten wollen Unterstützung

Die beiden Organisationen wollen nun zusammen mit anderen Produzenten prüfen, ob beim Bund Unterstützung zur Bewältigung der Krise beantragt werden soll. Wie solche Unterstützungsleistungen aussehen würden, ist allerdings noch unklar. Simone Kamber bestätigt lediglich, dass am Montag über das weitere Vorgehen beraten werde.

In der EU haben holländische, belgische und deutsche Produzenten bereits entsprechende Forderungen gestellt. Wermelinger sagt: «Im Milchsektor haben Staat und Politik ja auch schon hilfreich eingegriffen.» Ob der Bund allfällige Hilfe leiste und wann diese bei den Produzenten ankommen werde, könne momentan aber noch nicht niemand sagen. Die grösste Hoffnung ist deshalb, «dass die Ursache für die Erkrankungen möglichst schnell gefunden wird».

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