Natur
Bund soll finanzielle Unterstützung für Naturpärke verdoppeln

Das Netzwerk Schweizer Pärke fordert neu 20 statt der bisherigen 10 Millionen Franken. Kritiker können sich allenfalls eine Starthilfe für neue Pärke vorstellen.

Rinaldo Tibolla
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Beispiel Regionalpark: Der Naturpark Thal

Beispiel Regionalpark: Der Naturpark Thal

lfh

Der Bund stellt den Schweizer Pärken heute zehn Millionen Franken zur Verfügung. Daraus sollen nun 20 Millionen werden. «Die finanzielle Basis ist sehr schmal für die Naturpärke», sagt der Präsident des Netzwerks Schweizer Pärke und Solothurner CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt. In der nächsten Budgetdebatte will Müller-Altermatt deshalb einen Antrag «einschleusen», wie er gegenüber der «Nordwestschweiz« sagt.

Pärkepolitik: Auf regionale Initiative

Die Pärkepolitik in der Schweiz ist einzigartig. Es kann nur ein Park entstehen, wenn die Bevölkerung zustimmt. 15 Kantone sind an den Pärken beteiligt – und insgesamt 249 Gemeinden. Die Pärke machen etwa 15 Prozent der gesamten Fläche der Schweiz aus. Seit 2007 kennt die Schweiz sogar eine eigene Pärkegesetzgebung. Der Schweizerische Nationalpark hat ein eigenes Gesetz, eine separate Finanzierung und besteht faktisch aus einer Kernzone. Die neuen Nationalpärke Adula und Locarnese haben Kernzonen von 50 bis 100 Quadratmetern mit restriktiver Nutzung und eine Umgebungszone, in der immerhin nachhaltig gewirtschaftet werden kann. Regionale Naturpärke dienen der Erhaltung und Aufwertung der Naturwerte und der Landschaft und sollen die nachhaltige Regionalwirtschaft stärken. Der Naturerlebnispark hat eine Kernzone von vier Quadratkilometer. (rit)

Vom heutigen Beitrag gehen zwei Millionen an das Netzwerk Schweizer Pärke für parkübergreifende Aufgaben, wie Information, Koordination und Forschung. Die restlichen acht Millionen Franken kommt den Pärken zu – also rund 400 000 Franken für jede einzelne Anlage. «Mit diesem Betrag alles finanzieren zu können – Naturschutz-Eingriffe, touristische Angebotsentwicklung, Vermarktung von Regionalprodukten, Bildung, Raumplanung und Partizipation der Bevölkerung – ist eine grosse Herausforderung», sagt Müller-Altermatt.

Vonseiten der Verwaltung würden kaum Chancen bestehen, den Kredit zu erhöhen, sagte Evelyne Marendaz Guignet, Abteilungschefin Arten, Ökosysteme, Landschaften beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) anlässlich eines Parlamentariertreffens in Bern. Es sei rechnerisch sehr einfach, mehr Pärke bedeute weniger Geld für den einzelnen Park.

Eine Chance für Regionen

Bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) verweist man auf die Chancen für die Regionen: «Durch die Pärke kann in den Regionen ein wirtschaftlicher Mehrwert generiert werden. Jeder investierte Franken löst mindestens sechs Franken an Wertschöpfung aus», sagt Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete.

Die Pärke würden damit einen erheblichen Beitrag zur Regionalentwicklung leisten. Auch Egger findet, dass ohne finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand ein Parkmanagement nicht sichergestellt werden kann.

Starthilfe auf Kosten der anderen

Skeptischer bezüglich der Verdoppelung der Beiträge ist der Thurgauer SVP-Nationalrat Markus Hausammann. Seiner Meinung nach sollten die Pärke mit einer Starthilfe und allfälligen Verzichtsabgeltungen auskommen. Statt die zehn Millionen schön säuberlich zu verteilen, könnten neue Pärke stärker unterstützt werden. Danach müssten sich die Pärke selber tragen können, so Hausammann.

«Ich wünschte mir, es wäre mit einer Starthilfe getan», sagt Müller Altermatt dazu. Fakt sei aber, dass es keine Mittel für die Managementaufgaben gebe. «Ohne eine Entschädigung für den Nutzungsverzicht durch den Bund wird es in der Schweiz kaum neue Nationalpärke geben», macht Müller-Altermatt auf die Problematik aufmerksam.