Kopfschmerzen, Müdigkeit und fehlende Konzentration in der Schule kennen nun endlich eine Ursache: die schlechte Luft. Das Bundesamt für Gesundheit hat die Luft in 100 Schulzimmern gemessen und festgestellt, dass die Qualität in zwei von drei Zimmern ungenügend ist.

Die Luftwerte überschritten während mehr als 10 Prozent der Schulzeit den hygienisch akzeptablen Bereich. Die Schüler und Lehrer atmen also viel schlechte Luft.

Wir geben 3000 Substanzen in die Luft ab

Das liegt hauptsächlich an den Schulzimmern, die dicht belegt sind. Durch atmen, schwitzen, Pflegeprodukte und Bakterien wird die Luft belastet. Sauerstoff hat es zwar ausreichend vorhanden, aber der Mensch gibt durch Atmung und Transpiration über 3000 Substanzen an die Umwelt ab.

Um die Luftqualität zu bestimmen, misst die Forschung den CO2-Anteil. Als inakzeptabel gilt die Qualität, wenn der CO2-Pegel den Grenzwert von 2000 ppm (Teile pro Million, entspricht 0,2 Prozent) überschreitet. Zum Vergleich: In der Aussenluft liegt der CO2-Gehalt momentan bei etwa 400 ppm (0,04 Prozent). In den 100 untersuchten Schulzimmern konnte das BAG nur bei 33 Prozent akzeptable Luftqualität (CO2-Pegel unter 2000 ppm).

Selbst lüften reicht nicht immer aus

Wobei sich in den meisten Zimmern dasselbe Muster zeigt: Am Morgen ist die Luftqualität meist noch gut bis sehr gut. Sie verschlechtert sich aber bei geschlossenen Fenstern im Laufe einer Lektion rasch. Wird in der Pause aufs Lüften verzichtet, verschlechtert sich die Situation zunehmend. Doch auch durch Lüften wird die Luftqualität vom Beginn am Morgen selten wieder erreicht.

Miserable Noten erhält nur eine Klasse, bei welcher die Schüler fast den ganzen Tag (92 Prozent der Schulzeit) inakzeptable Luft atmen musste. Nur zwei Klassen erhielten bei der Studie eine tadellose Note. Das heisst, die Qualität sank nie unter 1400 ppm.

Rechenleistung sinkt, Grammatik lässt nach 

Nur in einem guten Raumklima sind auch die Lernbedingungen für die Schüler gut. Das zeigten verschiedene Studien: Je besser die Raumluftqualität ist, desto besser ist die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern:

  • Gute Luft verkürzte die Reaktionszeit für richtige Antworten.
  • Bei guter Innenraumluft erbrachten Schülerinnen und Schüler bessere Leistungen in Addition, Zahlenvergleichen und Grammatik sowie im Lesen und Verstehen.
  • Bereits bei leicht erhöhten CO2-Pegeln liessen sich geringfügige Auswirkungen auf die intellektuelle Leistung feststellen.
  • Messgrössen zu Atemnot, Husten, Hautsymptomen, Atemwegsinfekten und Schnupfen verbesserten sich bei einem guten Lüftungsverhalten um mehr als 20 % – in manchen Fällen sogar um das Siebenfache.

Allerdings: Die Fehlerquote blieb meist unverändert.

Das Rezept heisst: Lüften!

Der Bund will die Schulen aufmuntern, die Luft in den Klassen zu verbessern. Der Auftrag könnte banaler nicht sein:

Die Anweisungen liefert die Behörde gleich mit. Denn so banal, wie es klingt, ist das Lüften dann eben doch nicht – sonst wäre ja auch die Luftqualität nicht so schlecht. Die Luft in den Schulzimmern ist stark belastet, weil sich viele Personen auf relativ engem Raum befinden.

Um diese zu verbessern, wäre eine starke Durchlüftung nötig. Laut BAG ist dies nicht überall gleichermassen möglich. Gerade im Winter steht langes Lüften im Konflikt mit einer angenehmen Raumtemperatur. Manche Schulen kennen flexible Pausen, was es schwierig macht, einen Lüftungsplan durchzusetzen. Und schliesslich gibt es vor allem auf der unteren Stufe fixe Schulzimmer, wo die Verantwortung fürs Lüften klar geregelt werden kann.

BAG fordert Lüftungskonzepte

Immerhin: Erste Pilotprojekte an 23 Schulen haben ergeben, dass Lüftungspläne die Luftqualität nachhaltig verbessern. Doch dem BAG reicht das nicht. Das Ziel guter Luftqualität in allen Schulräumen könne längerfristig aber nur durch bauliche Massnahmen und Lösungen erreicht werden, welche die Lehrer und Schüler beim Lüften unterstützen. Insofern ist die Studie auch ein Appell an die Schulen, bei bevorstehenden Sanierungen auch an Lüftungskonzepte zu denken.