«Worldskills»

Bund preist Berufsbildung als Königsweg – Gelder für Berufs-WM werden trotzdem gestrichen

Die 21-jährige Ramona Bolliger hat an den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi eine Goldmedaille gewonnen

Die 21-jährige Ramona Bolliger hat an den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi eine Goldmedaille gewonnen

30 Millionen Franken würde es den Bund kosten, die Berufsweltmeisterschaft 2021 in Basel steigen zu lassen. Zu teuer, findet der Bundesrat. Die Entscheidung der Landesregierung sorgt für Kritik.

Ein kleiner Vergleich zu zwei internationalen Anlässen in der Schweiz: 30 Millionen Franken würde es den Bund kosten, die Berufsweltmeisterschaft 2021 in Basel steigen zu lassen. Das Argument des Bundesrats: Geht nicht, zu teuer. Bis zu einer Milliarde Franken würden die Olympischen Spiele 2026 in Sion kosten. Das Argument: Passt, kein Problem. Auch wenn die Veranstaltungen schwierig zu vergleichen sind, sorgt die Entscheidung der Landesregierung für Kritik. Politiker von links bis rechts bedauern das Nein zur Berufsweltmeisterschaft.

Wütend äussert sich Nationalrat Mathias Reynard (SP/VS) in der Westschweizer Tageszeitung «24 heures»: Es sei völlig unverständlich, dass der Bundesrat eine solche Gelegenheit verstreichen lasse. Auch CVP-Präsident Gerhard Pfister fragt sich auf der Partei-Homepage, wie die Landesregierung einmal 30 Millionen für «beste Werbung» ablehnt, nur um kurz darauf eine Milliarde für «beste Werbung» gutzuheissen. «Wie soll das die Bevölkerung verstehen?»

Neue Kandidatur 2023?

Die Kritik ist nicht verwunderlich. Bundesrat Johann Schneider-Ammann lässt keine Gelegenheit aus, das duale Bildungssystem als Königsweg zu preisen. Zu Recht – seit Jahren blickt das Ausland neidisch auf die tiefe Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz. Delegationen aus aller Welt reisen an, um mehr über unsere Lehrlinge zu erfahren. Auch deswegen schien der Fall klar: Die Schweiz, weltweit gefeiertes Vorzeigeland der Berufsbildung, wird Gastgeber der Berufsweltmeisterschaft. Kaum etwas hätte besser zusammengepasst. Da sind sich Pech und Schwefel im Vergleich geradezu fremd.

Doch daraus wird nun nichts. Der Entscheid gegen Basel als Austragungsort der Berufs-WM «Worldskills» 2021 fiel zwar bereits im Sommer, doch die Mehrheit im Parlament war sich der Entwicklung nicht bewusst, sprach zunächst nur von Verzögerungen. «Bundesrat Schneider-Ammann hätte auf uns zukommen sollen, als er spürte, dass der Gesamtbundesrat dagegen stimmt», sagt Matthias Aebischer, Nationalrat (SP/BE) und Mitglied der Bildungskommission. Das Parlament hätte einschreiten und die Gelder sprechen können. Der Bundesrat wiederum verweist auf die angespannte Finanzlage im Bildungsbereich.

Eine Kandidatur für 2021 ist zwar nicht mehr möglich, doch die Bildungskommission hat eine Motion eingereicht, um für die nächste Vergabe vorbereitet zu sein. Der Bundesrat soll für eine Kandidatur 2023 einen Beitrag von 30 Millionen Franken bereitstellen, heisst es darin. «Die Durchführung der ‹Worldskills› würde die Anerkennung der Berufsbildung national und international fördern.» Gleichzeitig kritisiert die Kommission, dass der Bund auch die Beiträge für das europäische Äquivalent, die «Euroskills», infrage stellt. «Das ist falsch», sagt Aebischer, «wir sollten Berufsbildung und den internationalen Erfolg unserer Jugendlichen feiern und stärken.»

Junge Schweizer an der Berufsweltmeisterschaft in Abu Dhabi:

Regelmässig erzielen Schweizer Lehrlinge an den Weltmeisterschaften Topresultate. Erst vor wenigen Wochen gelang ihnen bei der WM in Abu Dhabi das bisher beste Resultat: Sie holten 20 Medaillen, darunter 11 goldene. Nur China war mit 30 Auszeichnungen besser. Allerdings stellt das Land seine Schützlinge mehrere Monate frei, um sich auf die WM vorzubereiten. An den «World Skills» treten in 50 Berufen die besten Jugendlichen aus aller Welt an. Sie müssen über mehrere Tage verschiedene Tätigkeiten ausführen. Die Schweiz ist in den Berufen Schreiner, Zimmermann, Koch oder Landwirtschaftsgärtner top. Auch die Automechaniker gewannen eine Goldmedaille. Begrüsst wurden die Sieger Ende Oktober von Hunderten Fans und Bundesrat Schneider-Ammann in Zürich.

Riesenerfolg für Schweizer Berufsnationalteam

Riesenerfolg für Schweizer Berufsnationalteam (29. Oktober 2017)

Die Schweizer Delegation hat an den diesjährigen Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi so gut abgeschlossen wie nie zuvor.

Enttäuschte Basler

Dass nun die WM 2021 in Schanghai stattfindet, ärgert die Schweizer Delegation: «Wir waren enttäuscht über die Entscheidung des Bundesrats», sagt Ulrich Maier, Leiter Mittelschulen und Berufsbildung in Basel-Stadt und einer der Initianten der Basler Kandidatur 2021. «Es wäre toll gewesen, die WM wieder zurück nach Europa zu holen», sagt Maier, der bereits viele Stunden in die Bewerbung investiert hatte. Für eine Kandidatur 2023 bleibt Basel offen. «Wenn der Bund auf uns zukommt, sind wir bereit für Gespräche.»

Ob es dazu kommt, ist fraglich. CVP-Präsident Pfister ist skeptisch: «Gäbe es eine Veranstaltung ‹Worldskills für Regierungen›, würde der Bundesrat kaum mit ähnlich vielen Medaillen heimkommen wie unser Team in Abu Dhabi.»

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