Kanton Solothurn
Bund muss nun einsteigen

Eine moderne Gondelbahn statt ein alter Sessellift: Die Seilbahn Weissenstein AG hat nun die für die Konzession und Betrieb nötigen Pläne dem Bundesamt für Verkehr übergeben.

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Sesselbahn Weissenstein

Sesselbahn Weissenstein

Solothurner Zeitung

Von Marco Zwahlen

«Ein Meilenstein», freut sich Rolf Studer, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Seilbahn Weissenstein AG. Seit vergangenem Donnerstag ist das Bundesamt für Verkehr (BAV) offiziell in die Debatte um die Seilbahn-Zukunft am Weissenstein involviert. Der Schweizer Heimatschutz und der Verein Pro Sesseli fordern bekanntlich den Erhalt des «technischen Kulturgutes von nationaler Bedeutung».

Mit der Übergabe des Gesuchsdossiers für den Abbruch des 60-jährigen Sessellifts und den Neubau einer 6er-Gondelbahn rücken nun andere Fragen ins Zentrum: Genügt die geplante Gondelbahn den heutigen Sicherheitsanforderungen? Ist die Finanzierung gesichert? Und: Ist das Projekt umweltverträglich, längerfristig zweckmässig und wirtschaftlich?

Speziell bei diesem Bewilligungsverfahren ist, dass das BAV mit dem neuen Seilbahngesetzes für alle Belange zuständig ist. Spezialbewilligungen sowie kantonale und kommunale Baubewilligungen werden nicht mehr separat beantragt und erteilt, sondern vom Bundesamt nach Anhörung betroffener Amtsstellen gesprochen.

BAV - alte Bahn am Limit

Die neue Bahn mit behindertengerechten 50 Gondeln der CWA Constructions SA (Olten) befördert im Anfangsausbau 900 Personen pro Stunde und ist ausbaubar auf 1200 Personen pro Stunde. Die Finanzierung der 12.5 Mio. Franken teuren neuen Bahn und neuer Freizeitanlagen ist gesichert.

Zudem hat das BAV als Konzessions- und Betriebbewilligungsbehörde der Seilbahn AG inoffiziell schon mehrmals einen Neubau empfohlen. Erstmals 2004. Grund für diese Empfehlung: die Sicherheitsauflagen. Schon 1994 habe die Totalsanierung trotz Kosten in Millionenhöhe die Grenzen der Anlagen deutlich aufgezeigt.

Die Zeit drängt und wird knapp

In Zusammenarbeit mit dem Kanton sieht das Gesamtkonzept flankierende Massnahmen vor. So die Sperrung der Passstrasse an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 16 Uhr, Parkverbote und Parkgebühren. Zur Plangenehmigung erforderlich sind die Richtplananpassung und die Nutzungsplanung. Bei der Auflage vor einem Jahr durch den Kanton gingen über 70 Eingaben ein.

Und: In seiner Vorprüfung des Richtplanes verlangte das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) letzten Juni ein Gutachten zur Option Erhalt des Sessellift. Fazit: Die Bahn könnte wohl saniert werden, unabsehbar sind aber unter anderem die Kosten. Sollte das BAV zudem die Konzession für die sanierte Bahn überhaupt erteilen, kann es die Betriebsbewilligung aufgrund höherer Sicherheitsanforderungen jederzeit entziehen.

Knackpunkt im Gesamtkonzept sind die Freizeitanlagen, Das ARE stellt die «Zonenverträglichkeit» der im Richtplanentwurf definierten Rodel- und Tubingbahn in Frage. Freizeitanlagen sind jedoch untrennbarer Bestandteil des Businessplans der Gondelbahn.

Und die längerfristige Wirtschaftlichkeit eines Transportunternehmens wiederum sind für das BAV eine zentrales Kriterium. Sprich: «Der Bund wird nun Farbe bekennen müssen», so Studer. Gleicher Meinung ist Bernard Staub. Laut dem Chef des kantonalen Amtes für Raumplanung ist der Schlussbericht zum Richtplanverfahren bis Ende diesen Monat verfasst.

Einsprachen dagegen können nur Regionalplanungsgruppen und Einwohnergemeinden machen. Um den Spielraum zu öffnen, würde nicht mehr die umstrittene Rodel- und Tubingbahn festgeschrieben. Staub: «Wir setzen landschaftsverträgliche Freizeitanlagen im Grundsatz fest, lassen aber offen, welche.»

Bewilligungen im Frühherbst?

Die Seilbahn Weissenstein AG rechnet damit, dass die Bewilligungen diesen Frühherbst eintreffen. Spätestens im Juni 2010 soll die Gondelbahn in Betrieb gehen. Der Baubeginn ist für Oktober vorgesehen. Bis dahin läuft noch die Betriebs-Gnadenfrist für den Sessellift.

Letzten November verfügte das BAV der Seilbahn, die seit Karfreitag nach Revisionsarbeiten wieder läuft, verschärfte Auflagen: «Es war die letzte Revision der alten Bahn. Ihre letzte Saison hat begonnen. Wer also das Freiluft-Fahrvergnügen geniessen wolle, kann dies nur noch ein paar Monate tun.» Im Herbst sei ein Abschlussfest vorgesehen. Ausserdem würden die «Sässeli» versteigert. «Die Warteliste ist lang», so Studer. «Von 100 Stück sind 60 bereits reserviert.»