Konkurrenz für Google Maps

Bund lässt Google alt aussehen

Das neue Geoportal des Bundes stellt sämtliches Kartenmaterial der Schweiz gratis zur Verfügung. Da kann selbst Google einpacken.

Der Bund gewährt freien Zugriff auf fast alles Kartenmaterial, das die Schweiz zur Verfügung hat. Das neue Geoportal wurde geschaffen, um dem im Mai 2009 in Kraft getretenen Geoinformationsgesetz gerecht zu werden. Dieses verlangt, dass erhobene Geodaten der ganzen Bevölkerung zur Verfügung stehen müssen.

So kommt es, dass Herr und Frau Schweizer nun ihren ganz eigenen Konkurrenten zu Google Maps, maps24 & Co. haben. Und er kann sich sehen lassen: Die Bildqualität ist durchgehend gut und reicht bis zum Massstab 1:25 000.
Den Vorteil bemerkt vor allem, wer sich schwach besiedelte Gegenden anschauen will. Für Mittelländler besonders interessant dürfte das sein, wenn sie beispielsweise ihr Ferienziel in den Alpen auskundschaften wollen.

Das virtuelle Erkunden von Wanderrouten, Biketrails oder abgelegenen Hotels ist bei privaten Anbietern nämlich kaum möglich. Aber wo die bisher einzigen Anbieter nur unscharfen Pixelmatsch lieferten, zeigt das Geoportal vom Bund genauso scharfe Bilder wie von der Zürcher Innenstadt.

Mehr als ein Abklatsch gewöhnlicher Kartenanbieter

Dank über 60 Geodatensätzen kann das Portal aber weit mehr als nur Feld und Wiese anzeigen: Verschiedenste Karten informieren über erdbebengefährdete Gebiete, Steinbockpopulationen oder historische Wanderwege. Zum Zielpublikum des Portals gehören neben Otto Normal denn auch verschiedenste Forscher und Spezialisten, aber auch Städte, Kantone und Versicherungen.

Bund und Kantone arbeiteten doppelt

Für die Erstellung des Portals waren während sechs Monaten zwei zu 80% Angestellte Mitarbeiter beschäftigt - bei Bedarf konnten sie zudem auf fünf externe Spezialisten zurückgreifen. «Gekostet hat das alles einen mittleren, fünfstelligen Betrag», sagt Projektleiter David Oesch.

Langfristig könnte das Portal sogar Kosten einsparen, weil es Doppelspurigkeiten verhindert: So fiel erst während der für das Projekt durchgeführten Datenerhebung auf, dass Bund und Kantone teilweise zwei Mal dieselben Karten erstellt hatten. Solche unnötigen Ausgaben sollte es nun nicht mehr geben.

Die geringen Kosten kommen gemäss Oesch unter anderem auch dadurch zu Stande, dass bei dem Projekt von Anfang an explizit auf Programme gesetzt wurde, die gratis sind; so genannte Open Source Software.

Wie gross ist Herr Müllers Wohnung?

Für den Nutzer von Vorteil ist auch, dass der Bund - im Gegensatz zu Privaten - keine Daten sammelt. Mit dem Datenschutzgesetz auseinandersetzen musste sich Projektleiter David Oesch dennoch. So ganz vollständig ist die öffentliche Datenbank nämlich nicht: «Wir könnten sogar für jede einzelne Wohnung ihren Besitzer anzeigen, inklusive Wohnfläche - aber das geht natürlich zu weit.» (mik)

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