Afghanistan
Die Schweiz hat hundert Personen aus Kabul evakuiert – so betrifft die Krise die Schweiz

Das Zeitfenster für Evakuierungen könnte sich schon in einer Woche schliessen. Das Aussendepartement arbeitet mit Hochdruck daran, die verbliebenen 200 Personen aus dem Krisenland zu bringen.

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Schlange stehen an einem US-Flugzeug vor dem Abflug in Kabul. Die Zeit für die Evakuierungen drängt.

Schlange stehen an einem US-Flugzeug vor dem Abflug in Kabul. Die Zeit für die Evakuierungen drängt.

Bild: Senior Airman Taylor Crul/AP

Wie viele Schweizer sind noch in Afghanistan?

Bislang konnten 30 Personen mit Schweiz-Bezug evakuiert werden – das sind entweder Staatsangehörige oder Afghanen mit einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Zudem schafften es am Sonntag 70 lokale Mitarbeitende der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) bis an den Flughafen Kabul. Die deutsche Bundeswehr flog sie nach Taschkent aus. Von dort werden sie in die Schweiz gebracht. Am Montag ist eine Maschine mit 300 Plätzen der Fluggesellschaft Swiss im Auftrag des Aussendepartements in die usbekische Hauptstadt geflogen.

Ursprünglich war der Flug bereits am Samstag geplant. Doch wegen der prekären Situation rund um den Flughafen Kabul musste er verschoben werden. Am Samstag verliessen denn auch nur wenige Flugzeuge Kabul. Mittlerweile hat die Zahl der Evakuierungsflüge wieder stark zugenommen. Die Schweiz muss noch rund 200 Leute aus Kabul evakuieren. Gemäss CNN lassen die Amerikaner derzeit nur noch Bürger aus den Nato-Staaten an den Flughafen. Ob von dieser Regel auch die Schweiz respektive die lokalen DEZA-Mitarbeitenden betroffen sind, wollte das Aussendepartement aus nicht sagen.

Erwartet die Schweiz eine Flüchtlingswelle?

Derzeit gibt es keine Massenflucht aus Afghanistan. Die zuständige Bundesrätin, Justizministerin Karin Keller-Sutter, hielt in der «Schweiz am Wochenende» fest: «Die Schweiz hat faktisch gar keine Möglichkeit, diese Menschen ausser Landes zu bringen.» Die Schweiz setzte sich aktuell für humanitäre Hilfe vor Ort und in den Nachbarstaaten Afghanistans ein. Denn: Die meisten afghanischen Flüchtlinge leben derzeit im Iran (rund 3 Millionen), in Pakistan (2,5 Millionen) und in der Türkei (200'000 bis 600'000).

Sind die guten Dienste der Schweiz in dieser Krise gefragt?

Die «NZZ am Sonntag» berichtete, Bundesrat Ignazio Cassis strebe eine Afghanistan-Konferenz in der Schweiz an. Offiziell bestätigen will dies das Aussendepartement zwar nicht. Auf Anfrage heisst es: «Es bleibt abzuwarten und genau abzuklären, ob und wo im friedenspolitischen Bereich Bedürfnisse bestehen.»

Die Schweiz sieht sich jedoch in einer guten Ausgangsleite: Seit vielen Jahren stehe man mit allen Akteuren im Kontakt und verfüge über entsprechende Zugänge. «Die Schweiz ist immer bereit, gute Dienste zu leisten, sei dies als Gaststaat zur Organisation internationaler Treffen oder zur Fazilitation von Gesprächen.» (chm)

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