Pro und Contra

Bürgerliche Uneinigkeit: Schutz vor Wölfen oder Schutz von Wölfen?

Wölfe im Augstbordgebiet.

Wölfe im Augstbordgebiet.

SVP-Nationalrätin Stefanie Heimgartner unterstützt das revidierte Jagdgesetz, FDP-Nationalrat Matthias Jauslin kämpft dagegen.

Pro: «Es geht auch um die Pflege von Traditionen»

Die Überarbeitung des 34-jährigen Gesetzes war nötig, weil Tier- und Naturschutz im alten Gesetz nicht konkret vorkommen und weil sich die Bestände geschützter Arten, insbesondere von Wolf, Biber und Höckerschwan, in den letzten Jahren stark vergrössert haben. Das revidierte Gesetz setzt klare Regeln für das Erlegen von geschützten Arten.

Das Jagdgesetz bringt Sicherheit für Tiere, Landschaften und Menschen: Vor allem in den Bergkantonen kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Wild-, Nutztieren und Menschen. Doch es kommt trotzdem zu Schadensfällen. Im Jahr 2018 beispielsweise wurden 591 Nutztiere von Grossraubtieren gerissen. Das revidierte Gesetz erlaubt es den Kantonen mit ihren Wildhütern, dass sie auch geschützte Arten wie den Wolf und den Steinbock nach Absprache mit dem Bundesamt für Umwelt regulieren können. Die Schäden von Land- und Waldbesitzern können dadurch minimiert werden. Das ausgewogene Gesetz ermöglicht ein konfliktfreieres Nebeneinander aller Naturnutzer.

Das Jagdgesetz fördert die Artenvielfalt. Die Lebensräume von freilebenden Wildtieren werden verbessert: Zugvogelreservate, Schutzgebiete und Wildtierkorridore werden dank des fortschrittlichen Gesetzes durch den Bund unterstützt. Das stärkt die Artenvielfalt. Das Jagdgesetz schützt die Kulturlandschaft: Ein hoher Wildverbiss verhindert die Verjüngung bestehender und das Nachwachsen junger Wälder. Eine kontrollierte Wildregulierung schützt unsere Wälder vor übermässigen Schäden. Die Alp- und Berglandwirtschaft kann ihre Aktivitäten dank des revidierten Jagdgesetzes fortführen.

Das Jagdgesetz ermöglicht die Pflege der Traditionen: Jägerinnen und Jäger sowie Bäuerinnen und Bauern pflegen Traditionen, die so alt sind wie die Menschheit. Das revidierte Jagdgesetz verpflichtet die Jägerinnen und Jäger, anspruchsvolle Prüfungen abzulegen und ihre Treffsicherheit regelmässig zu beweisen. Neu wird auch die Nachsuche verletzter Tiere obligatorisch.

Contra: «Kein Abschuss geschützter Tiere»

Statt den Umgang mit dem Wolf pragmatisch zu regeln, gefährdet das Jagdgesetz den Artenschutz in der Schweiz. Nur ein Nein sichert den Schutz von Biber, Höckerschwan, Luchs und weiteren Tierarten. Wildlebende Säugetiere und Vögel gehören zu unserer Heimat, zu unserer Natur. Das bestehende Jagdgesetz, 1986 von einem bürgerlichen Parlament beschlossen, ist ein ausgewogener Kompromiss zwischen dem Respekt vor der Natur und der Jagd. Damit haben schon heute die Kantone die Möglichkeit, problematische Einzeltiere abzuschiessen. Dieser zurückhaltenden Regelung verdanken wir, dass sich die Population von einst bedrohten Tierarten wie Steinböcken, Bartgeiern und Steinadlern erholt hat.

Bundesbern will nun diesen Kompromiss zu Ungunsten der Natur kippen. Ein paar Wölfe genügten, um das neue Jagdgesetz zu einem missratenen, unausgewogenen und komplizierten Gesetz zu machen. Während der Beratungen im Bundesparlament wurden den Wildtieren alle erdenklichen Probleme der Bergregionen und der Landwirtschaft angelastet. Anstatt sich mit dieser Situation zu arrangieren, so wie es im Parlament eine Minderheit beantragt hatte, sollen neu präventive Abschüsse möglich werden. Auch Biber, Luchs, Höckerschwan und Fischotter können jederzeit auf der Abschussliste landen. Ohne dass sich Volk und Parlament dazu äussern könnten.

Besonders stossend am neuen Gesetz ist, dass nun geschützte Tiere abgeschossen werden können, ohne dass sie je einen Schaden angerichtet haben. Selbst in Wildtierschutzgebieten soll geschützten Tieren nachgestellt werden. Solche Bestimmungen schaden der Jagd und bringen keine Verbesserungen. Auch verantwortungsvolle Jägerinnen und Jäger haben sich daher in einem nationalen Nein-Komitee zusammengefunden. Dass neue Jagdgesetz verfolgt unübersehbar Einzelinteressen und die Haltung der Gegner von Grosswildtieren. Für Natur und Mensch fehlt der Mehrwert. Daher stimme ich Nein.

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