«Das ist eine nachvollziehbare Forderung», findet Peter Hartmeier, Leiter Unternehmenskommunikation bei der UBS. «Als globales Unternehmen sind wir auf ausländische Mitarbeiter angewiesen. Es ist im Interesse der UBS, wenn sich diese Menschen integrieren und auch gesellschaftliche und politische Verantwortung übernehmen», sagt Hartmeier.

Deshalb: «Die UBS unterstützt es, wenn ihre Mitarbeiter politische Ämter übernehmen und sich engagieren», so Hartmeier. Er kann sich vorstellen, dass diese Forderung bei allen grossen internationalen Unternehmen, zu deren Belegschaft viele Ausländer gehören, auf Zustimmung stösst.

«Schneller mitreden lassen»

Rückendeckung erhält Kielholz von den Verbänden – wenn auch vorsichtig. «Natürlich wäre es wünschenswert, wenn die Arbeitskräfte schneller ein politisches Mitspracherecht hätten, aber das ist in der heutigen politischen Lage kaum realistisch», sagt Gerold Bührer, Präsident von Economiesuisse, dem Verband der Schweizer Unternehmen. Gesamtwirtschaftlich sei es aber nicht relevant, ob ausländische Arbeitskräfte ein paar Jahre früher eingebürgert werden oder nicht, so Bührer.

Der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Thomas Daum, hält sich zurück: «Aktiveres Einbürgern könnte ein Thema werden, hat aber im Moment keine Priorität.» Viel wichtiger sei, dass der Arbeitsmarkt gut versorgt sei mit qualifizierten Arbeitskräften, was eine Fortsetzung der Personenfreizügigkeit und genügend Kontingente für Arbeitskräfte aus Drittstaaten bedinge, so Daum.

«Hochgefährlich für Politik»

Auf Widerstand stösst die Forderung nach aktiverem Einbürgern bei den bürgerlichen Politikern. «Nicht die angeblich zu restriktiven Einbürgerungen sind schuld am hohen Ausländeranteil, sondern die hohe Einwanderung – wir haben daher so ein grosses Bevölkerungswachstum», ärgert sich FDP-Nationalrat Philipp Müller. Diese Forderung von Kielholz sei «ziemlich unbedarft», so Müller.

Auch Parteikollegin Christa Markwalder winkt ab: «Gerade die Topqualifizierten sind nicht Leute, die sich stark mit der Schweiz identifizieren, deshalb gibt es keinen Grund, sie aktiver einzubürgern.» Markwalder findet, solange in der Schweiz genügend Arbeitskräfte verfügbar sind, bestehe kein Handlungsbedarf bei der Einbürgerungspraxis.

Ebenfalls gar nichts abgewinnen kann der Forderung CVP-Nationalrat Pirmin Bischof. Es sei natürlich ein Problem, dass wir in der Schweiz zu wenige qualifizierte Fachkräfte haben. Einbürgerungen seien aber dagegen nutzlos, so der CVP-Nationalrat. Stattdessen müsste man gezielt ausländischen Fachkräften unbürokratischer ein Aufenthaltsrecht gewähren. Bischof: «Die Masse der Einbürgerungsgesuche müsste eher restriktiver behandelt werden, wenn Sprache und Integration nicht genügen.»

Nur Linke ist positiv überrascht

Ablehnung auch bei der SVP: «Ich sehe keine Notwendigkeit, um Erleichterungen zu schaffen», sagt der SVP-Nationalrat Hans Fehr. Er warnt gar davon, das Schweizer Bürgerrecht zu leichtfertig zu verschleudern. «Statistisch will man mit Masseneinbürgerungen die ungebremste Zuwanderung beschönigen», so Fehr.

Positiv überrascht von den Forderungen des Wirtschaftsführers ist einzig die Linke. «Gerade die gut ausgebildeten Leute sind für unser Land sehr wichtig. Deshalb sollte man sie auch politisch mit einbinden», sagt SP-Nationalrat Andy Tschümperlin. «Ich finde es unsäglich, wenn Leute jahrelang in unserem Land leben und sich nicht beteiligen können», so Tschümperlin. Denn eingebürgerte Leute seien häufig Leute, die sich in ihrem Umfeld engagieren.