Strafvollzug

Bündner bauen Gefängnis für 107 Millionen auch für Unterländer

Das neue Gefängnis soll gleich neben der bestehenden offenen Strafanstalt Realta entstehen.

Das neue Gefängnis soll gleich neben der bestehenden offenen Strafanstalt Realta entstehen.

Für 107 Millionen Franken will der Kanton Graubünden in Cazis eine neue Strafanstalt erstellen. Da soll es auch Haftplätze für ausserkantonale Insassen geben. Bis im Herbst 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Dass Graubünden ein grundsätzlich gastfreundlicher Kanton ist, darüber sind sich wohl alle einig. Als Tourismusdestination lebt man ja schliesslich auch ein grosses stückweit von den Gästen. All die verlockenden Skipisten im Winter und all die einladenden Bike- und Wanderrouten im Sommer sollen, ja müssen, möglichst gut frequentiert sein. Da sind Besucher natürlich jederzeit willkommen. Ganz besonders die aus dem sogenannten Unterland.

Auch eine finanzielle Frage

Nun legt der Kanton jedoch eine gänzlich neue Art der Gastfreundschaft an den Tag. Für 107 Millionen Franken soll in Cazis eine neue Strafanstalt entstehen. 150 Haftplätze würde der Neubau fassen. Und deren 80 will der Kanton grosszügigerweise für «Gastinsassen» aus der gesamten Ostschweiz zur Verfügung stellen. Vor allem die Kantone Zürich und St. Gallen hätten einen grossen Bedarf an zusätzlichen Plätzen, heisst es.

Graubünden baut also – zumindest teilweise – ein Gefängnis für Zürich und St. Gallen. Was für den Aussenstehenden vielleicht etwas seltsam erscheinen mag, ergibt in den Augen des Bündner Regierungsrats und Justizdirektors Christian Rathgeb durchaus Sinn. «Graubünden ist gemeinsam mit den Kantonen Zürich, Glarus, Schaffhausen, Appenzell Ausser- und Innerrhoden, St. Gallen und Thurgau Mitglied des Ostschweizer Strafvollzugskonkordats, zu dessen Aufgaben es gehört, Angebote so weit möglich und zweckmässig aufeinander abzustimmen», erklärt Rathgeb auf Anfrage. Komme hinzu, dass die heute vom Kanton betriebene Justizvollzugsanstalt Sennhof in Chur diverse betriebliche Unzulänglichkeiten aufweise und deshalb «erheblicher und dringender» Handlungsbedarf bestehe.

Fakt ist ebenfalls, dass eine Haftanstalt mit überkantonalem Einzugsgebiet für den Betreiber auch finanziell interessant ist. Zum einen bezahlen die Kantone für ihre «Gastinsassen» eine Tagespauschale und zum anderen steuert der Bund seinen Beitrag an ausgelastete Anstalten bei. Ein überkantonaler Gefängnisbau als innerkantonale Finanzspritze? So schwarz-weiss möchte es der Regierungsrat nicht sehen. Es gebe schliesslich auch eine volkswirtschaftliche Seite zu beachten. «Nebst der Schaffung von mindestens 80 neuen Arbeitsplätzen können auch verschiedene lokale Zulieferer sowie das einheimische Gewerbe profitieren», sagt Rathgeb.

Keine Opposition bei Behörden

Die Aussicht auf neue Arbeitsplätze dürfte mit ein Grund sein, weshalb die Gemeindebehörde von Cazis hinter dem Projekt steht. «Wir hoffen durch die neuen Arbeitsstellen auch auf eine Belebung unserer Gemeinde und des ganzen Tals», sagt Gemeindekanzlist Markus Hunger. Deshalb sei der Antrag zur Umzonung des betroffenen Gebietes – noch handelt es sich hierbei um Landwirtschaftszone – im Gemeinderat ohne grosse Diskussionen gutgeheissen worden. Auch seitens der Bevölkerung erwartet Hunger keinen grossen Ansturm von negativen Reaktionen. «Wahrscheinlich haben die Leute auch deshalb nichts dagegen, weil man mit der offenen Vollzugsanstalt, die schon seit vielen Jahren in Cazis ist, noch nie Probleme gehabt hat», resümiert der Gemeindekanzlist.

Läuft alles nach Plan, wird 2015 mit den Arbeitsausschreibungen begonnen. Die Eröffnung der Anstalt würde dann im Jahr 2018 anstehen. Zuerst muss die Regierung jedoch noch die Zustimmung des Grossen Rates einholen. Doch dies sollte grundsätzlich bloss Formsache sein.

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