Die Buchser Einwohnerratssitzung am Dienstagabend hatte nur ein Thema: Vor- und Nachteile einer Gemeindefusion. Resultat der fast zweieinhalbstündigen Session ist eine noch zu wählende vorberatende Kommission, bestehend aus neun Einwohnerräten aller Fraktionen, die unter Beibezug von Fachleuten einen Bericht schreiben wird, der drei Szenarien gegenüberstellt: Fusion mit Aarau, verstärkte regionale Zusammenarbeit und Status quo.

Christian Moricchi (SP) stellte den Antrag, das Plenum genehmigte ihn mit 17 zu 15 Stimmen. Zuvor hatte Beat Schertenleib (FDP) dafür plädiert, das Kommissionsbudget von 5000 Franken zu halbieren; der Antrag wurde abgelehnt (18:6). «Die finanziellen Vor- oder Nachteile einer Fusion wären viel grösser», votierte Matti Kuronen (SP). Christian Seitz (FDP) wollte den Antrag für nichtig erklären lassen, weil er nicht rechtzeitig eingereicht worden sei. 18 Einwohnerräte sagten dazu Nein, 14 Ja.

Kritik an Aarau

Angefangen hatte die Sitzung mit einem Referat von Gemeindeammann Heinz Baur (FDP), der Pro- und Kontra-Argumente für Gemeindefusionen vortrug, die der Gemeinderat gesammelt hatte. Der Rat stehe «einstimmig» auf der Kontra-Seite, Buchs sei «stark genug», sagte Baur und hinterfragte die Pro-Argumente. Mehr Gewicht durch Grösse? «Glaube macht selig.» Die Region als Heimat? «Wir Buchser gehen zwar gern in die Stadt, aber auch gern wieder nach Hause.» Neigung zum Zentrum? «Ja, aber muss man deswegen gleich Aarauer werden?»

Der Ammann sparte nicht mit Kritik an Aarau: «Das Zentrum will nur mehr Macht.» Oder: «Rohr wird geschluckt, aus welchen Gründen auch immer.» Zudem sei die Buchser Verwaltung mit 0,57 Mitarbeitern pro 100 Einwohner schlanker als die Aarauer mit 1,54 Mitarbeitern.
«visionär ist, wenn man zahlt»

Sauer aufgestossen ist Baur die Reaktion des Aarauer Stadtammanns Marcel Guignard («wenig visionär») auf die gemeinderätliche Absicht in Suhr, Buchs und Gränichen, die vertragliche Zusammenarbeit zu intensivieren (AZ vom 27. März). «Als visionär wird offenbar empfunden, wenn man zahlt», konterte Baur. Guignard hatte gesagt, Zentrumslasten wie die Mitfinanzierung des neuen Aarauer Bahnhofs überlasse man gern der Stadt.

Dass der Buchser Einwohnerrat von dieser behördlichen Absichtserklärung aus der Zeitung erfahren musste, bezeichnete Markus Dubs (SVP) als «besonders ärgerlich». Gar «widerrechtlich» sei die Tatsache, dass die Einwohnerräte vor der Sitzung nicht mit Unterlagen bedient worden seien. «So konnte die Willensbildung in unserer Fraktion gar nicht stattfinden.» - «Juristische Haarspalterei», befand Vizepräsidentin Monika Fehlmann-Leutwyler (FDP): «Der Gemeinderat stellt keinen Antrag, deshalb braucht es auch keinen Bericht.» Und Präsident Norbert Berglas (SP) sekundierte, der kantonale Rechtsdienst habe dieses Vorgehen abgesegnet.

André Rotzetter (CVP) übte sich in Selbstkritik: Die Einwohnerräte seien in Buchs verwurzelt und für die Durchschnittsbevölkerung nicht repräsentativ. Michael Mathys (SVP) nahm den Gedanken auf und regte an, die Bevölkerung zu befragen. Der amtsjüngste Einwohnerrat schilderte die Mobilität seiner Kollegen, von denen die meisten in Aarau wohnten. Die Grenze zur Stadt sei «nicht mehr wahrnehmbar» und der Aarauer Maienzug-Vorabend das wichtigste Fest für die Buchser Jugend. Im Moment seien Fusionsabklärungen zwar «noch ein bisschen zu früh», würden aber in Zukunft «immer aktueller».

Angst statt Vertrauen

Rotzetter bedauert, dass Buchs «mit Aarau nicht auf gutem Weg» ist. Für seinen Fraktionskollegen Urs Knecht fehlt das «gegenseitige Vertrauen», der parteilose Bernhard Pfeuti ortet «Ängste». Beat Spiess (FDP) spielt den Ball Aarau zu und wartet auf «faire Angebote», wobei Buchs «mittelfristig verhandlungsfähig» bleiben müsse. Was für die Freisinnigen gegeben ist. Fraktionssprecher Ueli Kohler: «Der Milizgedanke spielt, die Finanzen sind gesund.» Einzelne Votanten äusserten ihre Befürchtung, was die Kommission zusammenträgt, könnte ihnen die Vorfreude auf 2010 vergällen. Dann feiert Buchs 200 Jahre Unabhängigkeit - von Suhr.