Zuppiger begründete seinen Rücktritt gemäss Communiqué damit, dass für ihn die Interessen des Gewerbeverbandes im Vordergrund stünden. Der Zürcher Nationalrat war seit Mai 2010 Präsident. Zuvor hatte die SVP den Gewerbeverband wiederholt kritisiert und auf die Wahl eines Präsidenten aus den eigenen Reihen gedrängt.

Am kommenden Mittwoch wird der Vorstand des Gewerbeverbandes über das weitere Vorgehen beschliessen. Ursprünglich war Zuppiger für Mittwoch zu einer «Aussprache» vorgeladen gewesen.

«Keinen Druck ausgeübt»

Dino Venezia, Vizepräsident des Gewerbeverbandes, sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, der Verband habe keinen Druck auf Zuppiger ausgeübt. «Wir waren der Meinung, dass der Entscheid bei ihm selbst liege.» Die Frage, ob Zuppiger einer Rücktrittsforderung zuvorgekommen sei, stelle sich also nicht.

Am Mittwoch werde der Vorstand beschliessen, ob ein Vorstandsmitglied die Nachfolge Zuppigers antreten solle oder ob die Suche ausgeweitet werde, sagte Venezia weiter. Auf jeden Fall müsse der neue Präsident wiederum Mitglied des Parlaments sein - allerdings nicht zwingend ein SVP-Politiker.

In der Medienmitteilung schrieb der Gewerbeverband, dass der Rücktritt Zuppigers mit Bedauern zur Kenntnis genommen werde. Für die engagierte und erfolgreiche Arbeit wurde Zuppiger gedankt. Als Präsident habe er sich «uneigennützig für die KMU-Wirtschaft in der ganzen Schweiz eingesetzt».

Zuppiger war am Montag nicht erreichbar. Der sgv ist die grösste Dachorganisation für kleine und mittlere Unternehmen. Dem Verband gehören 280 Verbände und knapp 300'000 Firmen an.

«Weltwoche» deckte Affäre auf

Knapp eine Woche vor den Bundesratswahlen hatte die «Weltwoche» Unregelmässigen bei einer Erbschaft aufgedeckt, die Zuppiger anvertraut worden war. Eine verstorbene Angestellte hatte ihn beauftragt, ihren Nachlass im Umfang von 265'000 Franken an zwei gemeinnützige Organisationen zu vermachen.

Zuppiger soll aber gemäss «Weltwoche» die Auszahlung verzögert, ein überrissenes Honorar verrechnet und 100'000 Franken auf ein eigenes Konto ausbezahlt haben. Nachdem die beiden Organisationen interveniert und mit Klagen gedroht hatten, bezahlte Zuppiger den vollen Betrag mit Zinsen an die Organisationen aus.

Zuppiger bestritt die Vorwürfe nicht und räumte «Fehler» ein. Weil er wegen der Politik in seinem Betrieb viel abwesend sei, hätten sich seine Mitarbeiter mit der Erbschaft beschäftigt. Bereichern habe er sich nicht wollen, versicherte der Zürcher SVP- Nationalrat Zuppiger.

Gemäss «SonntagsBlick» vom (gestrigen) Sonntag soll Zuppiger die abgezweigten 100'000 Franken für eine Wahl-Kampagne eingesetzt haben. (sda)