Luftfahrt
Bruder des Flugzeug-Entführers von Genf: «Er leidet unter Paranoia»

Im Interview spricht der Bruder des äthiopischen Co-Piloten, welcher eine Maschine entführt und in Genf zur Landung gebracht hatte. Er sei weder politisch aktiv noch wirtschaftlich in Nöten. Viel mehr leide sein Bruder unter paranoider Schizophrenie.

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Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Entführer war der Co-Pilot
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Beim entführten Flug handelt es sich um den ET702 der Ethiopian von Addis Abeba. Das Flugzeug landete um 6.05 Uhr am Montagmorgen in Genf.
Kurz vor 8 Uhr: Die rund 200 Passagiere verlassen das Flugzeug. Polizisten einer Spezialeinheit nehmen sie in Empfang.
Das Fenster beim Co-Piloten ist offen, er wollte Asyl in der Schweiz und kletterte mit einem Seil runter
Das entführte Flugzeug kreiste länger über dem Flughafen Genf, bevor es landen durfte.

Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Entführer war der Co-Pilot

Keystone

Es ist die wohl spektakulärste Asyl-Anfrage in letzter Zeit - in der „Schweiz am Sonntag" spricht nun der Bruder des mutmasslichen Flugzeug-Entführers über mögliche Gründe für dessen Tat. Der Co-Pilot Hailemdhin Abera Tegegn ist gemäss den Aussagen seines 48-jährigen Bruders Endalamaw seit einigen Monaten psychisch labil und leidet unter Verfolgungswahn. Er habe sich Kameras besorgt und diese überall in seiner Wohnung angebracht. „Mein Bruder leidet unter Paranoia", sagt Endalamav.

In Behandlung befinde er sich aber nicht, obwohl die Familie ihm eine solche nahegelegt habe. Endalamaw ist das älteste, Tegegn das zweitjüngste von elf Kindern einer gebildeten Familie, die im Nordwesten Äthiopiens lebt. Politische und wirtschaftliche Gründe schliesst der Bruder aus, da Tegegn nicht politisch aktiv sei und sich mit dem Beruf des Piloten einen Kindheitstraum erfüllt habe. Tegegn hatte am Montag als Co-Pilot ein Flugzeug der Ethiopian Airlines in seine Gewalt gebracht, war damit auf dem Genfer Flughafen gelandet. Auf diesem Weg wollte Tegegn Asyl in der Schweiz beantragen. (SaS)