Schweiz

Breitmeiers blitzartiger Abgang – Rüstungsschmiede des Bundes sucht neuen Chef

Ruag-Chef Urs Breitmeier an einer Pressekonferenz.

Ruag-Chef Urs Breitmeier an einer Pressekonferenz.

Ruag-Chef Urs Breitmeier trat von einem Tag auf den anderen ab – der schlagzeilenträchtige Rüstungskonzern versucht unter der neuen Präsidentin Monica Duca Widmer den Neustart.

Das Ruag-Personal machte heute Vormittag grosse Augen. Konzernchef Urs Breitmeier, hiess es, verlasse das Rüstungsunternehmen des Bundes per sofort. Breitmeiter verabschiedete sich am Vormittag von ­Mitarbeitenden und Kunden. Als die Ruag den Abgang am Mittag per Medienmitteilung verkündete, war der Chef Vergangenheit, der Name Breitmeier bereits von der Webseite verschwunden. Seinen Platz nahm Urs Kiener ein. Der derzeitige Ruag-Finanzchef ist als interimistischer Breitmeier-­Nachfolger gelistet.

Was ist passiert bei der Rüstungsschmiede des Bundes, die erst vor einer Woche in eine neue Arä startete?

Seit 1. Januar 2020 ist die Ruag in zwei Unternehmen aufgeteilt. In die Ruag International mit etwa 6500 Angestellten, die auf Weltraum- und Flugzeugstrukturbau setzt und später privatisiert werden soll. Diesen Bereich sollte der bisherige Ruag-­Chef Breitmeier leiten.

Die zweite Subholding heisst MRO Schweiz. Der «Technologiepartner» der Schweizer Armee, zuständig für Betrieb und Unterhalt von Militärsystemen. Etwa 2500 Personen arbeiten beim Betrieb, der vollständig im Besitz des Bundes bleibt.

Ruag spricht von einem «Staffelwechsel»

Ruag International unter Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf teilte mit, man trenne sich «im gegenseitigen Einvernehmen nach erfolgreicher Entflechtung der Ruag». Lütolf sprach Breitmeier seinen «aufrichtigen Dank für sein starkes Engagement» aus. Mit dem Aufbruch in eine neue Ära sei der Entscheid getroffen worden, «einen Staffelwechsel bei der CEO-Position vorzunehmen», so die Ruag. Die Suche nach einem Nachfolger laufe bereits.

ETH-Physiker Breitmeier arbeitete seit 18 Jahren bei der Ruag, seit April 2013 war er Konzernchef.

Wer oder was gab den Ausschlag für die blitzartige Trennung? Es gebe keinen einzelnen Vorfall als Auslöser, keine Leichen im Keller, sagt ein Kenner der Umstände, der nicht namentlich genannt werden will: «Es war eine Entwicklung.»

Alle Beobachter betonen, dass Breitmeier konstruktiv bei der Entflechtung der Ruag mitarbeitete. Er wirkte voll motiviert. Daran könne es nicht gelegen haben.

Pleiten, Pech und Pannen

Aber an anderem sehr wohl. Ein bürgerlicher Sicherheitspolitiker, der nicht zitiert werden möchte, sagt zu Breitmeiers Abgang: «Man sah etwas kommen. Er war oft unter Beschuss von aussen.» Die Ruag sorgte in den letzten Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen. Immer wieder gab es auch Zerwürfnisse mit dem Bundesrat.

So wurde 2015 bekannt, dass ausländische Hacker bei der Ruag während mehr als einem Jahr Daten abgesaugt hatten. Über Schnittstellen kamen russische Hacker auch an geheime Daten des Bundes. In einem anderen Fall machte ein Ruag-Kader mit Putins Präsidentengarde Waffengeschäfte. Umgekehrt landeten Ruag-Handgranaten, beim IS in Syrien. Böses Blut gab auch, dass die Ruag dem Bund für die Wartung von Kampfjets und Helikoptern offensichtlich zu viel verrechnete.

Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf (SP) ist überrascht vom Abgang: «Ich finde den jetzigen Zeitpunkt nicht günstig – angesichts der gerade erfolgten Abspaltung der Ruag.»

Ruag-Präsidentin Duca Widmer war involviert

Beobachter glauben nicht, dass Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) oder der ebenfalls mit der Ruag befasste Finanzminister Ueli Maurer (SVP) beim Breitmeier-Abgang Einfluss nahmen. Aber Amherd und Maurer wurden, wie das üblich ist, vorgängig informiert.

Mit Sicherheit direkt in den Entscheid involviert war dagegen laut Quellen Monica Duca Widmer. Die Tessinerin ist die neue starke Frau bei der Ruag, sie wurde auf Vorschlag von Amherd zur Präsidentin der Ruag-Beteiligungsgesellschaft gewählt. Das ist die Holding, die über der Ruag International und der MRO Schweiz steht. Duca Widmer soll die Ruag in eine sichere Zukunft führen.

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