Kunststücke bei einer Geschwindigkeit von 600 bis 1000 Stundenkilometern, dabei ein Abstand von gerade mal drei bis fünf Metern zwischen den Flugzeugen – für den Laien ist es kaum vorstellbar, was die sechs Piloten der Patrouille Suisse während ihrer Shows so meistern.

Das braucht vor allem Vertrauen. Für fünf von sechs sogar blindes Vertrauen. Der sogenannte Leader, also jener Pilot, der vorausfliegt, ist der einzige, der dabei rausschauen kann. «Alle anderen sehen während 20 Minuten nur die anderen Flieger», sagt Simon Billeter, oder einfach «Billy», so lautet sein Piloten-Übername.

Simon Billeter ist seit elf Jahren dabei, im April gibt er seinen Posten als Leader an Gunnar «Gandalf» Jansen ab. 

Beide sind sie fasziniert von der Aviatik. Schon als Buben haben sie zum Himmel geschaut und träumten davon, einst in den schnittigen Fliegern zu sitzen, wie sie in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri erzählen.

Flug mit Swiss-Jet in Wengen: «Nicht einfach»

Beide sind sie heute F/A-18-Berufsmilitärpiloten, die Patrouille Suisse ist für sie ein «Teilzeitjob», wie «Billy» sagt. Saison haben die Kunstflüge von April bis Oktober.

Doch anlässlich des Lauberhornrennens in Wengen steht dieses Wochenende nun mitten im Winter eine der wichtigsten Shows an. Wenn das Wetter stimmt, werden die Flieger am Samstagmittag in Emmen starten. Als Ehrengast dabei: ein Swiss-Jet der C-Serie.

Eindrücke von den Trainingsflügen für die Show in Wengen und weitere Bilder aus den Patrouille-Suisse-Cockpits.

Eindrücke von den Trainingsflügen für die Show in Wengen und weitere Bilder aus den Patrouille-Suisse-Cockpits.

Das verlangt den Piloten noch mehr ab als sonst. Die Patrouille Suisse hat ihr Standard-Programm umstellen müssen – damit die Piloten die Berge umfliegen können und die Zuschauer trotzdem möglichst viel sehen. 

Und der Flug zusammen mit dem verhältnismässig trägen Swiss-Jet zwingt sie zu gemässigterem Tempo. «Das ist nicht einfach, denn bei diesem Tempo reagiert die Steuerung anders», sagt «Gandalf».

Damit die Schweizer hinter der Armee stehen

Diese Flugshows spalten die Schweiz. Die einen sind fasziniert, die anderen finden die Schweizer Kunstflugstaffel unnötig bis gefährlich. 

«Es gibt immer solche, die nicht zufrieden sind», sagt «Billy» darauf angesprochen. Für ihn steht aber ausser Frage, dass es die Patrouille Suisse braucht: «Wir sind das PR-Mittel der Luftwaffe. Wir machen Werbung für die Schweiz und zeigen die Einsatzbereitschaft und Leistungsbereitschaft der Armee.» Genau so steht es auch auf der Webseite des Bundes

Teamkollege Gunnar «Gandalf» Jansen bläst ins gleiche Horn: «Gerade in der heutigen Zeit sind wir darauf angewiesen, dass die Bevölkerung hinter der Armee steht. Die Aviatik kann Jung und Alt begeistern.» Zudem sei die Patrouille Suisse eines der wichtigsten Mittel, um Nachwuchstalente auf die Luftwaffe aufmerksam zu machen.

Ein schwarzes Jahr

2016 verlor nicht nur ein F/A-18-Pilot auf dem Sustenpass sein Leben, es eignete sich auch der schlimmste Unfall in der Geschichte der Patrouille Suisse: Beim Training zu einer Show in Holland stürzte ein Flieger ab, der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten. 

«Man funktioniert, wir sind dazu ausgebildet, auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren», sagt Simon Billeter. Aber er gibt zu: «Das sind Erlebnisse, die man nie vergisst.»

«Das braucht extrem viel Training», bestätigt «Gandalf». «Mich hat beeindruckt, wie wir dort professionell als Team zusammengearbeitet haben – in einer Situation, die einem extrem nahe geht.» Reagieren haben sie müssen – «da hat es nicht viel Platz für Emotionen».

Patrouille Suisse – sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit den beiden Piloten in voller Länge.

Patrouille Suisse – sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit den beiden Piloten in voller Länge.

«Angehörige müssen damit leben können»

Doch da ist auch noch das private Umfeld, Familie, Partnerin, Freunde. «Es ist ein Job mit einem grösseren Risiko als andere», sagt Billy. «Ich denke, die Angehörigen müssen auf irgendeine Art damit leben können.» Er spricht deshalb im privaten Umfeld viel über die Arbeit und über die Ausbildung. «Damit sie wissen, dass wir eine seriöse Arbeit machen.»

Das Wichtigste Gut für einen Patrouille-Suisse-Piloten ist aber wie gesagt das Vertrauen. Und deshalb gibt es auch ein aussergewöhnliches Aufnahmeverfahren. «Man kann sich nicht bewerben bei uns und es kann auch kein Chef sagen, wen wir aufnehmen sollen», sagt «Billy». «Wir wählen selbst aus, wen wir im Team haben wollen.» (smo)