Bergsturz-Gefahr
Bondo ist nur der Anfang: 100 Felswände im Alpenraum sind rutschgefährdet

Die Katastrophe von Bondo GR wird nicht die letzte ihrer Art sein: Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen, dass allein im Alpenraum 100 Felswände und rutschgefährdete Hänge rund um die Uhr mit Sensoren überwacht werden.

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Hier am Piz Cengalo in der Gegend um Bondo stürzten rund vier Millionen Kubikmeter Gestein ins Tal. Laut Experten wird sich das an anderen Felswänden wiederholen.

Hier am Piz Cengalo in der Gegend um Bondo stürzten rund vier Millionen Kubikmeter Gestein ins Tal. Laut Experten wird sich das an anderen Felswänden wiederholen.

Keystone

Das bestätigt Hugo Raetzo von der Abteilung Gefahrenprävention des Bundesamts für Umwelt gegenüber der «SonntagsZeitung». Zudem gibt es in den Gewässern der Alpen und Voralpen mehrere Dutzend weitere Systeme, die bei Schlammlawinen Alarm schlagen.

Eine solche Lawine begrub auch das Dorf Bondo unter sich. Wo die gefährdeten Felswände sind, ist nur zum Teil bekannt. Aus den Alarmsystemen ist aber zu schliessen, dass die Gebirgskantone Wallis, Graubünden und Bern am stärksten betroffen sind.

Bilder vom schweren Bergsturz in Bondo:

Bergsturz von Bondo
23 Bilder
Weil sie weitere Felsstürze befürchten, wollen die Dorfbewohner von Bondo nicht in ihre Häuser zurückkehren.
Drei Tage nach dem schweren Felssturz bei Bondo hat die Polizei wenig Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Die Suche nach den acht Vermissten wird bis auf Weiteres eingestellt.
Zwei Tage nach dem Bergsturz geht in Bondo erneut eine Schlammlawine ins Tal...
...und überflutet ein Firmengelände.
Bondo zwei Tage nach dem Bergsturz, vor der erneuten Schlammlawine. 8 Personen werden nach wie vor vermisst. 100 wurden evakuiert, teilweise mit Helikoptern.
Am Piz Cengalo im Grenzgebiet zu Italien löste sich in der Nacht auf Freitag kein weiteres Gestein
Eine Schneise der Verwüstung zieht sich durchs Tal: Doch wie man sieht, ist das Dorf Bondo noch glimpflich davongekommen.
Der gewaltige Murgang streifte Bondo und überspülte die Hauptstrasse des Bergells.
Vier Millionen Kubikmeter Material waren am Mittwoch abgebrochen und in das Seitental Val Bondasca gestürzt, von wo aus ein Teil des Abbruchs bis ins Haupttal Bergell vor das Dorf Bondo geschoben wurde.
Eine weitere Million Kubikmeter soll am Berg in Bewegung sein, weshalb mit weiteren Bergstürzen gerechnet wird.
Wie die Polizei mitteilte, stammen die Vermissten aus dem Bundesland Baden-Württemberg in Deutschland, aus der österreichischen Steiermark und aus dem Kanton Solothurn.
Die Einwohner des Bergeller 200-Seelen-Dorf Bondo mussten nach dem Bergsturz und einem folgenden Murgang evakuiert werden.
Im Murgebiet, wo ein Alarmsystem installiert ist, arbeiten insgesamt 120 Einsatzkräfte.
Am Freitag, zwei Tage nach dem Felssturz, durfen einige der 100 evakuierten Bewohner zurück ins Dorf. Welche, das ging von der Gefahrenzone ab.
Andere durften am Freitag in Begleitung des Zivilschutzes oder der Feuerwehr vorübergehend in ihre Wohnungen gehen.
Am Donnerstag machte sich Bundespräsident Doris Leuthard persönlich ein Bild von der Lage in Bondo.
Der Bergsturz von Bondo ist einer der gewaltigsten in der Schweiz seit deutlich über 100 Jahren.
Mit einer Ausnahme handelt es sich sogar um den grössten Materialabgang seit dem Grossereignis in Elm im Kanton Glarus im Jahr 1881.
Der Bergsturz im Bergell hat viele Gebäude zerstört, wie Luftaufnahmen zeigen. Felssturz und Murgang zerstörten auch Felder und Weidegebiet, Strassen und Wege.
Wie hoch die Schäden wirklich sind, wird erst klar, wenn Schadenexperten das Gebiet betreten dürfen.

Bergsturz von Bondo

Keystone

Die Schweizer Bevölkerung, die im Alpen- und Voralpenraum lebt, zahlt einen hohen Preis. Ein aktueller Bafu-Bericht von 2016 beziffert allein die jährlichen Schäden wegen Naturkatastrophen auf über 300 Millionen Franken.