Val Bregaglia
Bondo – eine Tragödie ohne Ende

Im Val Bregaglia ist die schlimmste Befürchtung eingetroffen: Ein dritter grosser Murgang.

Fadrina Hofmann
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HO

Die erste Meldung der Gemeinde Bregaglia kam Freitagnacht um 1.30 Uhr: «Grosse Mure erreicht Bondo.» Das Geräusch war gemäss Bewohnern von Promontogno zuerst da: ein unheimliches Rumpeln und Donnern. Das war gegen 21.30 Uhr. Dann wälzte sich eine Schlammlawine entlang dem Val Bondasca bis zur Talsohle nach Bondo. Sie füllte das in den letzten Tagen teilweise entleerte Auffangbecken, passierte die neue Kantonsstrasse und füllte das Bachbett der Maira. Auch die alte Kantonsstrasse auf der rechten Talseite wurde mit Schlamm überdeckt.

Der Murgang hatte sich am Donnerstagabend während eines heftigen Gewitters in der Region lautstark angekündigt.
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Was die Behörden befürchtet haben, ist nun eingetreten: Wegen des anhaltenden Regens hat sich in Bondo erneut ein Murgang ereignet.
Erneuter Murgang nach Dauerregen in Bondo (1.9.2017)
Die Kantonsstrasse über den Malojapass zwischen Vicosoprano und Casaccia ist auf einer Länge von mehreren hundert Metern mit Schlamm und Gestein überschüttet.

Der Murgang hatte sich am Donnerstagabend während eines heftigen Gewitters in der Region lautstark angekündigt.

Screenshot/Twitter

Die Bewohner und Hotelgäste im Ortsteil Spino wurden in Sicherheit gebracht und verliessen das gefährdete Gebiet mit Sack und Pack fluchtartig. Zwei ältere Personen wurden in einem Gebäude eingeschlossen. Sie wurden später von der Rega in einer Windenaktion gerettet, beide blieben unverletzt.

Nach Bondo ist nun also auch die kleine Fraktion Spino von einem Murgang betroffen. In Spino wurden mehrere Häuser beschädigt. In Sottoponte und Bondo wurden Gebäude sogar total zerstört. Augenzeugen berichten, dass in Sottoponte ein Stall und ein Haus nicht mehr stehen. Einige bisher verschonte Strassen von Bondo wurden mit Schlamm überflutet. Meldungen über Verletzte gab es offenbar keine. Vermisst werde niemand. Das Bundesamt für Umwelt schrieb am Freitagmorgen auf Twitter: «Frühwarnsystem und Alarmierung verhinderten Opfer im Dorf.»

Wie prognostiziert, ging am Donnerstagabend während rund einer halben Stunde ein starkes Gewitter über Bondo nieder. Danach regnete es weiter. Es gab mehrere Felsstürze am Piz Cengalo, die weitere Murgänge auslösten.

Bereits am frühen Freitagmorgen sprach Gartmann vom «wahrscheinlich grössten Murgang der letzten Tage». Dieser dritte Murgang traf nicht nur Bondo und Spino, ein Erdrutsch beschädigte auch Stromleitungen in Promontogno, sodass der Strom ausfiel.

Malojastrasse gesperrt

Die zweite Meldung der Gemeinde Bregaglia kam am Freitagmorgen um 5.30 Uhr: Eine weitere Mure habe in den frühen Morgenstunden die Kantonsstrasse Malojapass zwischen Vicosoprano und Casaccia erreicht. Sie blockiere die Fahrbahn auf einer Länge von mehreren hundert Metern, sodass die Malojastrasse dort ebenfalls gesperrt werden musste.

Viele Grenzgänger aus dem nahen Italien konnten dadurch nicht zur Arbeit fahren. Das Tal war bis zum Abend, als die Zufahrten wieder geöffnet wurden, von der Aussenwelt abgeschnitten. Das wichtigste Verkehrsmittel am Freitag war der Helikopter. Unter anderem versorgte er das isolierte Centro Sanitario Bregaglia mit Lebensmitteln.

Die Anteilnahme am Schicksal der Bevölkerung im Val Bregaglia ist gross. Graubündens Regierungspräsidentin Barbara Janom Steiner twitterte am Freitagmorgen auf Italienisch: «Was für eine Tragödie. Unsere Gedanken sind bei euch in Bregaglia.»

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