Anschläge
Bombenleger schlagen in der Schweiz jährlich rund ein Dutzend Mal zu

Anschläge wie in Olten sind hierzulande keine Seltenheit. Allein im Jahr 2009 hat das Bundesamt für Polizei 16 solcher Ereignisse registriert. Der letzte grössere, offiziell bekannte Sprengstoffanschlag war die Bombe auf dem Rütli im Jahr 2007.

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Der letzte grosse Sprengstoffanschlag: Die Rütlibombe 2007. (Archiv)

Der letzte grosse Sprengstoffanschlag: Die Rütlibombe 2007. (Archiv)

Keystone

Sprengstoffanschläge sind in der Schweiz kein neues Phänomen. Dies zeigt ein Blick auf den den Bericht «Innere Sicherheit der Schweiz» des Bundesamtes für Polizei fedpol. 16 Anschläge verzeichnete die Zentralstelle Sprengstoff und Pyrotechnik im Jahr 2009 - 2007 waren es gar deren 20. Zwei Drittel davon werden laut Bundesbericht «mutmasslich einem linksextremen Umfeld» zugeschrieben.

Der letzte grössere Sprengstoffanschlag ereignete sich am Nationalfeiertag 2007 auf dem Rütli. Nach der Rede von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey riss eine Petarde, ausgelöst per Zeitzünder, ein Loch in die nationale Wiese. Verletzt wurde niemand, weil durch Zufall kein Besucher am Ort der Detonation stand. Einen Monat später sind in den Briefkästen von drei Mitgliedern der Rütli-Kommission ebenfalls Sprengsätze detoniert. Die drei Politiker Judith Stamm (CVP), Edi Engelberger (FDP) und Josef Dittli (FDP) überstanden die Anschläge ebenfalls unverletzt.

Bis heute ist nicht klar, wer hinter dem Anschlag stand. Ein Mann asiatischer Herkunft, der unbedingt Schweizer werden wollte, wurde nach einem Jahr in Untersuchungshaft wieder freigelassen.

Bombenanschlag wegen Rothenturm-Initiative

Hoch gingen nicht nur die Emotionen sondern auch eine Bombe im Jahr 1987, vor der Abstimmung zum Hochmoor von Rothenthurm im Kanton Schwyz. Als der Bund hier einen Waffenplatz für die Leichten Truppen realisieren wollte, kochte die Volksseele.

Im Dorf Rothenthurm haben sich ganze Familien entzweit, die Politik wurde zum Pulverfass. Es kam zu einem Brand- und einem Bombenanschlag. Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz wurde bei seinem Besuch in Rothenthurrn Gülle über die Schuhe geleert. Polizeischutz war notwendig, und wer sein Land ans damalige Eidgenössische Militärdepartement verkauft hatte, wurde zum Verräter gestempelt.

«Steigende Bereitschaft zur Gewalt»

Noch weiter in den Geschichtsbüchern zurückblättern muss man, um die Anschläge rund um die heisse Phase des Jurakonflikts zu finden. Im Jahr 1964 hat die jurassische Jugendgruppe «Rassemblement jurassien» in Bern zwei Brandanschläge auf die alte Holzbrücke in Büren an der Aare und einen Sprengstoff-Anschlag auf das Haus, des Bern treuen FDP-Grossrates Guillaume-Albert Houriet verübt.

Auch im Umfeld von AKW-Demonstrationen wie zum Beispiel 1977 bei der Demo gegen Gösgen kam es zu massiven Drohungen - wirklich passiert ist jedoch nie etwas Gravierendes.

Für das fedpol ist aber laut Sicherheitsbericht klar: «In der Schweiz ist eine steigende Bereitschaft zur Ausübung von Druck und Gewalt gegenüber Institutionen feststellbar.» Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht absehbar. (jep)