Beim Indizienprozess zum gescheiterten Anschlag auf die Reitschule in Bern im Jahr 2007 liegen Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Bundesstrafgericht fundamental auseinander. Während die eine Seite eine unbedingte Haftstrafe fordert, plädiert die Gegenseite auf einen vollumfänglichen Freispruch.

Der Angeklagte gestand vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona keine Schuld ein. Er wollte ausserdem nicht sagen, wo er am Abend des Bombenanschlags gewesen sei.

"Wir haben es überwiegend mit einem Indizienprozess zu tun", da es kein Geständnis des Angeklagten gebe, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft am Mittwoch in seinem Plädoyer. Es gebe keine "unmittelbar belastenden" Beweise oder eindeutigen Zeugenaussagen.

Die "Gesamtwürdigung aller Indizien" könne jedoch dazu ausreichen, die Schuld des Täters nachzuweisen, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft. Sein "zielgerichtetes und skrupelloses Verhalten" müsse eindeutig straferhöhend bewertet werden - es handle sich um eine "feige Tat", sagte der Staatsanwalt des Bundes.

Auf den Resten des explodierten Rucksacks, der zur Tat verwendet wurde, seien ausserdem die DNA und ein eindeutiger Fingerabdruck vom Beschuldigten gefunden worden.

Er forderte deshalb, dass der 26-jährige Angeklagte wegen Gefährdung durch Sprengstoffe, versuchter schwerer Sachbeschädigung sowie versuchter Brandstiftung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt wird.

Verteidigung: Indizien sind nicht ausreichend

Anders sah dies die Verteidigung des Beschuldigten: Sie plädierte auf einen vollumfänglichen Freispruch. Die vorgebrachten Indizien seien für einen Schuldspruch nicht ausreichend. Niemand könne eindeutig bezeugen, dass sein Mandant auch wirklich den Rucksack mit der Brandbombe im Konzertsaal deponiert habe, sagte der Verteidiger. Auch die DNA-Abstriche seien nicht ausreichend, um die Schuld eindeutig nachzuweisen.

Laut der Verteidigung seien "qualitativ" keine neuen Beweise hinzugekommen, seit die Bundesanwaltschaft das Verfahren zum Sprengstoffdelikt 2013 eingestellt hatte. Sie entschied sich damals "mangels klarer Beweise" für den Schritt.

Zum Prozess am Bundesstrafgericht, der am Mittwoch begann, war es erst deshalb gekommen, weil der Verein Musik und Kultur als Privatkläger erfolgreich eine Beschwerde beim Bundesstrafgericht einlegte.

Wortkarger Aussteiger aus rechter Szene

Der Verein hatte das "Antifa-Festival" im August 2007 organisiert, bei dem es zum gescheiterten Brandanschlag kam. Der Rechtsvertreter des Vereins unterstrich vor Gericht das enorme Gefahrenpotenzial, welches von der selbstgebastelten Bombe ausging. 1500 bis 2000 Menschen, die am besagten Wochenende beim Festival "friedlich feiern wollten", hätten potenziell verletzt oder getötet werden können, sagte der Anwalt.

Der Beschuldigte gestand vor Gericht keine Schuld ein. Er wollte ausserdem nicht sagen, wo er am Abend des Bombenanschlags gewesen sei. Ausser auf Fragen zu seiner Person gab er entweder keine oder nur sehr wortkarge Antworten.

Vor Gericht wurde deutlich, dass der Angeklagte wegen Rassendiskriminierung und Widerhandlung gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz bereits verurteilt wurde. Er habe unter dem Pseudonym "Eidgenosse 88" rechtsextreme Einträge geschrieben und den Anschlag am Tag nach der Tat auf einem rechtsextremen Portal verherrlicht.

Wie die Indizien letztendlich zu bewerten sind, wird in den kommenden Wochen das Bundesstrafgericht beurteilen. Es wird seinen Entscheid am 7. April verkünden.