Uni Basel

Bologna-Reform in der Kritik

Maria Berger-Coenen, Grossrätin und Studienberaterin: «Die Uni Basel ist chronisch unterfinanziert.»

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Maria Berger-Coenen, Grossrätin und Studienberaterin: «Die Uni Basel ist chronisch unterfinanziert.»

Die Universität Basel muss noch vieles verbessern, dies wurde an einem Podium deutlich.

Andrea Mašek

Dass Bologna an der Universität Basel nicht ohne Fehler und Probleme ist und es noch viel zu tun gibt, darüber waren sich alle Teilnehmenden der Dikussionsrunde «Bologna - wie weiter?» einig. Während es aber den Studierenden nicht schnell genug gehen kann, machte Universitätsrektor Antonio Loprieno klar, dass es nur langsam vorangehen wird.

«In formaler Hinsicht haben wir gute Erfahrungen gemacht mit der Bologna-Reform und sind den Erwartungen gerecht geworden», sagte Loprieno in seinem Eingangsstatement. Maria Berger-Coenen, Grossrätin und Studienberaterin, erklärte, dass die meisten Befürchtungen wie etwa die Benachteiligung der Frauen nicht eingetroffen seien. Lukas Kissling von der Studentenorganisation Skuba lobte die Entstehung neuer Fächer. Theologieprofessor Martin Wallraff findet das Kreditpunktesystem gut, wie auch die Ausrichtung auf den Arbeitsmarkt. Hier merkte allerdings Berger an, dass es noch keine Erkenntnisse gebe, ob ein Bachelor auf dem Arbeitsmarkt überhaupt gefragt sei.

Unmut wegen Bürokratie

«Ich bin begeistert vom Grossen, doch im Nahkampf desillusioniert», bekannte Wallraff. Er kritisierte die gewachsene Bürokratie und dass die Potentiale, die Bologna berge, nicht ausgeschöpft würden. Dafür sind die Finanzen laut Berger ausgeschöpft: «Die Uni ist chronisch unterfinanziert.» Sie forderte zusammen mit Wallraff mehr Geld.

Die negativen Seiten von Bologna aber nur darauf zurückzuführen, wäre nicht richtig. Wie der Rektor erläuterte, ist die inhaltliche Reform nämlich noch nicht abgeschlossen. Das Angebot werde stetig verbessert: «Die Masterstufe zum Beispiel ist problematisch, weil wir sie als Fortsetzung des Bachelors konzipiert haben. Sie muss aber autonom werden.» Er peilt zudem eine grössere Harmonisierung der Schweizer Universitäten an.

Dies soll unter anderem die Mobilität der Studierenden erleichtern. Hierzu gab es manch kritische Stimme aus dem Publikum. Überhaupt besteht von Seiten der Studierenden ein grosser Verbesserungsbedarf: weniger Vorgaben, damit Geld verdienen und Praktika möglich werden, Studierende einbeziehen, das Kreditpunktesystem überdenken, demokratischere Beihilfen.

Ist Wissenschaft in einer verschulten Uni noch möglich, fragen sich die Studierenden zudem. Loprieno antwortete, Universitäten mit Bologna gehörten zu den Besten. Er gab aber zu, dass es in gewissen Fächern wie Geschichte, Deutsch oder Ägyptologie mehr Freiheiten brauche. Andererseits merkte er an: «Je demokratischer, desto verschulter.»

Überrascht war er von der heftigen Kritik an den Präsenzkontrollen. Sie seien nicht Bestandteil von Bologna und er habe nichts davon gewusst, sagte er, worüber dann die Studierenden staunten. Ebenso wie über die Tatsache, dass Bologna ein Teilzeit-Studium vorsieht, das aber offenbar nicht Realität sei, konstatierte Loprieno.

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