Büren
Blumenkleid für Bürener Wahrzeichen?

Die Gemeindeversammlung in Büren hats gezeigt: Millionen-beträge sind im Stedtli kein Thema. Diskutiert wird über wichtigere Dinge – zum Beispiel über Blumenschmuck für die Holzbrücke.

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Grenchner Tagblatt

Jürg Amsler

73 stimmberechtigte Bürerinnen und Bürer zogen es vor, statt die Abendsonne auf dem Sitzplatz zu geniessen, ihre Bürgerrecht wahrzunehmen. An der Gemeindeversammlung im Rathaussaal hatten die zuständigen Gemeinderäte und Versammlungsleiterin Elisabeth Voegeli keine Mühe, die traktandierten Geschäfte durchzubringen. Mit einer einzigen Ausnahme wurden sie ohne Diskussion stillschweigend gutgeheissen. Es war jedoch nicht so, dass die Bürgerinnen und Bürger nichts zu sagen hätten und der Schuh nirgends drückt. Die wahren Probleme kamen unter «Mitteilungen» und «Verschiedenes» aufs Tapet.

«Diese Angebot konnten wir nicht ausschlagen»

Nik Hartmann und seine TV-Sendung «SF bi de Lüt» vorzustellen, wäre Wasser in die Aare getragen. Das muss sich der Gemeinderat von Büren gesagt haben, als die Anfrage des Schweizer Fernsehens auf dem Tisch lag. «Für die Sommer-staffel vom 21. Juni bis 23. August ist Büren als einer von zehn Orten ausgewählt worden. Jeweils am Sonntag wird zur besten Sendezeit (ab 20.05 Uhr) eine anderthalbstündige Livesendung aus verschiedenen Regionen der Schweiz ausgestrahlt. Am 9. August wird sich Büren dem Fernsehpublikum präsentieren können.» Kathrin Berger, Ressortvorsteherin Volkswirtschaft, erklärte der Gemeindeversammlung: «Ein solches Angebot konnten wir nicht ausschlagen. Hätten wir nicht für dieses Datum zugesagt, wäre ein anderer Ort zum Zug gekommen.» Jetzt stehen die Sendeorte. Neben Büren sind es Scoul, Maienfeld, Rapperswil-Jona, Andelfingen, Brugg, Laufen, Willisau, Guggisberg und Ascona. «SF bi de Lüt - Live» sei zusammengesetzt aus vorproduzierten Beiträgen und Liveaufnahmen verschiedenster Darbietungen und mit Gesprächs-partnern. «Bereits ab 6. August wird in der Kreuzgasse aufgebaut und geprobt. Der Gemeinderat hofft auf Verständnis der Anstösser, die mit gewissen Unannehmlichkeiten zu leben haben. Genaue Informationen werden den Betroffenen schriftlich mitgeteilt.» Kathrin Berger entkräftete Bedenken einer allfälligen Kollision mit dem am Freitag und Samstag zuvor stattfindenden Ländtifest: «Wir sind mit den Organisatoren im Gespräch und finden bestimmt eine Lösung. Die beiden Anlässe werden sich bestimmt nicht in die Quere kommen.» (sl)

Lob für den «Kuschelworker»

Rolf Marti erhielt die Gelegenheit, sich und seine Arbeit als Streetworker vorzustellen. «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mit Geben und Nehmen besser geht, die Jugendlichen vor unüberlegten Handlungen zu bewahren. So kann ich meist eingreifen, bevor die Situation eskaliert und Polizei und Ambulanz auffahren müssen.» Er versuche, mit seiner Klientel so umzugehen, wie es unter Menschen in geordneten Verhältnissen üblich sei. Der Jugendarbeiter aus Lyss versicherte seiner Zuhörerschaft: «Die Jugendlichen in Büren sind weder schlimmer noch besser als anderswo.» Wenn die Jungen beschäftigt sind, zum Beispiel bei nächtlichen Spaziergängen auf den Schlosshubel oder Winterwanderungen im Jura, so sei das immer besser, als sie der Langeweile zu überlassen.

Er habe am Wirtshaustisch gehört, sagte ein Versammlungsteilnehmer, dass die Gemeinde eher einen «Kuschelworker» angestellt habe, der viel zu large mit den Jugendlichen umgehe. Mit diesem Votum blieb der Vertreter einer harten Linie allein. Rolf Martis Arbeit fand prompt lobende Worte. Ja er erntete sogar als Einziger an diesem Abend Applaus der Versammlung.

Blumenkistchen für die Holzbrücke

«Jetzt, da in diesem Sommer wie eben gehört im Stedtli so viel los ist, wäre es doch nichts als angebracht, dass die Holzbrücke mit Blumenschmuck verziert würde.» Bruno Aschwanden vom Altstadtleist stellte den Versammelten und dem Gemeinderat in Aussicht, dass private Sponsoren für die Montage der Blumenkistchen und deren Bepflanzung aufkämen. «Einzig das Giessen der Pflanzen müsste Aufgabe der Gemeinde sein.» Leider sei ein entsprechendes Begehren vom Gemeinderat abschlägig beantwortet worden, monierte Aschwanden. Madeleine Saurer, Präsidentin von Büren Tourismus, gab ergänzende Erläuterungen ab und appellierte an die Behörde, sie möge auf ihren Entscheid zurückkommen. Gemeinderat und Bauvorsteher Herbert Kocher hielt entgegen: «Solange wir keine schriftliche Zustimmung des Kantons, der Besitzerin der Holzbrücke, in der Hand haben und die Haftungsfrage nicht geklärt ist, können wir diesem Vorhaben nicht zustimmen.» Fazit der längsten Diskussion an der Versammlung: Von den Initianten wird versprochen, die geforderten Unterlagen nachzuliefern und die Gemeindebehörde signalisiert Bereitschaft für Blumenschmuck an einem der Wahrzeichen des Stedtlis.

Sechsmal grosses Schweigen

Nach der Klärung des Sachverhaltes und der Daten bei der Neuorganisation des Anzeigers Amt Büren wurde dieses letzte Geschäft vor den «Gesprächslieferanten» stillschweigend verabschiedet. Die Gemeinde Büren wird der noch zu gründenden Anzeiger Region Büren AG beitreten. Zuvor wurden die Integration und schulischen Fördermassnahmen im Schulkreis Büren und die erforderliche Abänderung der Gemeindeordnung im Bereich Schulkommission gutgeheissen. Der Investitionskredit - immerhin fast 2,8 Mio. Franken - für den Ersatz der Werkleitungen in der Bahnhofstrasse war keine Wortmeldung wert. Ebenso der Ersatz respektive die Auslagerung der EDV-Anlage der Gemeinde. Stillschweigend genehmigt wurde die Jahresrechnung 2008 mit einem Gewinn von 6700 Franken.

www.bueren.ch

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