Fusion
Blühende Gemeinde nicht trennen

Kleindietwil und Leimiswil gehören zur Kirchgemeinde Rohrbach. Die beiden Einwohnergemeinden führen jedoch Fusionsverhandlungen mit Madiswil. Die beiden Kirchgemeinderäte entschieden, dass das vorderhand keine Folgen haben soll.

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Kirchturm

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az Langenthaler Tagblatt

Jürg Rettenmund

Im Gottesdienst zu leeren Kirchenbänken predigen? Diese Situation kennen die drei Rohrbacher Pfarrer Samuel Reichenbach, Alex Kurz und Jürg Gugger nicht. Auf 100 bis 200 Besucher schätzt Kirchgemeinde-Präsident Markus Scheidegger den durchschnittlichen Gottesdienstbesuch und reicht die Blumen dafür seinen Pfarrern weiter: «Sie ziehen alle am gleichen Strick und verkünden ein Christentum, das in der Gemeinde ankommt und das auf der biblischen Wahrheit gründet.»

Das Resultat ist ein vielfältiges Gemeindeleben, von dem die Homepage www.kirche-rohrbach.ch einen ersten Eindruck vermittelt. «Dieses Gemeindeleben würde angegriffen, wenn man einzelne Teile davon herausbrechen würde», ist Scheidegger überzeugt. Deshalb habe der Kirchgemeinderat kein Interesse daran, im Gefolge der Fusionsgespräche von Leimiswil und Kleindietwil mit Madiswil auch die kirchlichen Grenzen zu verändern.

Gespräche fanden statt

Gespräche zwischen den Kirchgemeinden hätten trotzdem stattgefunden, bestätigt Scheidegger eine Meldung im «Zukunftsblatt Fusion» der drei an den Gesprächen auf politischer Ebene beteiligten Gemeinden. Anders als im Fall von Gutenburg, das mit dem Zusammenschluss mit Madiswil im Jahr 2008 kirchlich von Lotzwil nach Madiswil wechselte, soll deshalb bei einer allfälligen nächsten Fusion an den kirchlichen Verhältnissen nichts ändern.

Dies bestätigt auch Hansueli Gfeller, Präsident der Kirchgemeinde Madiswil: «Wir sind der Meinung, dass zuerst der politische Weg beschritten werden soll - dieser ist schwierig genug.» Letztlich müsste dann auch auf kirchlicher Ebene ein Impuls von Leimiswil oder Kleindietwil ausgehen.

Dass Einwohnergemeinde und Kirchgemeinde nicht übereinstimmen, ist für Markus Scheidegger kein Problem. Er weist darauf hin, dass bereits heute Reformierte aus anderen Gemeinden kirchlich in Rohrbach mitmachen, weil sie dort ein Angebot finden, das ihnen entspricht.

Fusions-Unterlagen liegen ab 5. Mai auf

Die Fusionsabklärungen zwischen den Einwohnergemeinden Kleindietwil, Leimiswil und Madiswil stehen vor einem ersten Meilenstein: Ab 5. Mai bis Ende August liegen die Unterlagen zur Mitwirkung öffentlich auf. Die wichtigsten sind Fusionsvertrag, Organisationsreglement und Grundlagenbericht. Die Gemeindeversammlungen im Juni werden zugleich Mitwirkungsversammlungen zu dieser Auflage sein: Dort werden die Unterlagen zur Diskussion gestellt und es können Vorschläge zu Protokoll gegeben werden (Termine am Schluss).
Ab September werden die rechtlichen Grundlagen (Fusionsvertrag und Organisationsreglement) dann unter Einbezug der Mitwirkungseingaben definitiv zu handen der Gemeindeversammlungen überarbeitet. Diese finden in allen drei Gemeinden am Samstag, 12. Dezember, statt. Stimmen alle drei Gemeinden zu, fusionieren sie per 1. Januar 2011. (jr)
Gemeindeversammlungen im Juni:
Kleindietwil Freitag, 5. Juni; Madiswil Mittwoch, 10. Juni; Leimiswil Freitag, 12. Juni.

Den Weg aufgezeigt

Trotzdem hat der Kirchgemeinderat auf der Homepage aufgezeigt, wie ein Wechsel der Kirchgemeinde vonstatten gehen müsste: Die reformierte Bevölkerung der betroffenen Dörfer müsste einen Antrag an die Kirchgemeindeversammlung stellen. Diese hätte ihrerseits grünes Licht für eine Ortsversammlung im betroffenen Dorf zu geben, damit dort abgestimmt werden kann.

Anders als beim kleinen Gutenburg hätte dies bei Kleindietwil oder Leimiswil jedoch weitreichende Folgen. Zum Beispiel müssten Stellenprozente für die Pfarrer in grösserem Ausmass verschoben werden. In Rohrbach würde vermutlich ein Pfarrhaus überflüssig, während gleichzeitig in Madiswil eines fehlen würde.

Keine Abspaltungsgelüste

Der Rohrbacher Kirchgemeinderat stünde einem Begehren für einen Wechsel aus Kleindietwil oder Leimiswil nicht im Weg, betont Präsident Markus Scheidegger. Er rechnet allerdings aus den erwähnten Gründen nicht damit. Diese Einschätzung bestätigen zwei Vertreter der beiden Ortschaften im Kirchgemeinderat, Vizepräsident Martin Graber aus Kleindietwil und Urs Bracher, der Ortsvertreter von Leimiswil.

«Es ist einem wohl in der Kirchgemeinde Rohrbach», bringt es Graber auf den Punkt und führt dies wie Scheidegger auf die Pfarrer zurück, «die sich ideal ergänzen.» Die Kirche habe dadurch neue Leute gewonnen. «Andere Kirchgemeinden beneiden uns darum.»

Noch entschiedener äussert sich sich Bracher, der allerdings sein Amt an der nächsten Kirchgemeindeversammlung zur Verfügung stellt, weil er umgezogen ist: «Wer in Leimiswil in die Kirche geht, steht voll und ganz hinter der Haltung des Kirchgemeinderates. Ein Wechsel ist kein Thema.»