SVP

Blochers Schwiegersohn Martullo wird als Pleitier geoutet

Probleme mit der Vergangenheit und der eigenen Partei: Roberto Martullo.

Probleme mit der Vergangenheit und der eigenen Partei: Roberto Martullo.

Roberto Martullo erhielt viel Lob, weil er sich in der Abzocker-Initiative gegen seinen Schwiegervater Christoph Blocher stellt. Jetzt wird der 50-Jährige als Pleitier geoutet und als rüder Einzelkämpfer bezeichnet.

Auf breiter Front erhielt der Roberto Martullo Anerkennung und Goodwill, weil er in Sachen Abzocker-Initiative offen Partei gegen seinen Schwiegervater Christoph Blocher ergriff. «SonntagsZeitung»-Kolumnist Peter Rothenbühler schrieb von einem neuen «Star» und Roger Schawinski nannte Martullo bereits als möglichen «Thronfolger» von Christoph Blocher.

Jetzt scheint die Beweihräucherung Martullos bereits vorbei zu sein. Im Exklusivinterview mit «TeleZüri» nahm ihn Moderator Markus Gili in die Zange und konfrontierte den 50-Jährigen mit unangenehmen Geschichten aus der Vergangenheit: Martullo ging 1991 mit seinem Elektronikunternehmen in Wohlen pleite und erlitt 1992 gar einen Privatkonkurs. Wie aus dem Interview hervorgeht, hatte der Ehemann von Blochers Tochter Magdalena noch 2001 Schulden.

Probleme bei Einbürgerung

Die Einbürgerung des italienisch-stämmigen Martullos verzögerte sich im Jahr 2004. «Ich habe mein Einbürgerungsgesuch von mir aus zurückgezogen», so Martullo. Ein Zusammenhang mit seinem Leumund habe nicht bestanden. 2007 erhielt er den Schweizer Pass schliesslich im zweiten Anlauf. «Die Schulden habe ich selbst zurückbezahlt, ohne Hilfe der Familie», betont Martullo.

Neben der Vergangenheit hat Blochers Schwiegersohn auch mit «Heckenschützen» (Zitat Martullo) aus der eigenen Partei zu kämpfen. Gemäss einem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» hält eine Gruppe um den SVP-Banker Thomas Matter den Meilemer SVP-Präsidenten für untragbar. Bereits vor einem halben Jahr habe eine Gruppe von 20 bis 30 Mitgliedern dem Meilemer SVP-Vorstand nahegelegt, im Hinblick auf die Gemeindewahlen 2014 und die Kantonsratswahlen 2015 den Präsidenten zu ersetzen. Der Grund: Martullo sei der falsche Mann an der Spitze in diesen wichtigen Jahren.

Der Gegenspieler namens Thomas Matter

Zu dieser Gruppe gehört auch Thomas Matter, Nachwuchshoffnung der Zürcher SVP. Matter bestätigt dies gegenüber der NZZ, will die gegenwärtigen Vorkommnisse aber nicht kommentieren. Aus seinem Umfeld ist aber zu vernehmen, dass die Pläne, Martullo an der Generalversammlung der Meilemer Ortspartei vom 28. Februar zu entmachten, nach wie vor aktuell seien. Bereits die «NZZ am Sonntag» hatte berichtet, dass ungenannte Kreise Martullos Absetzung als Präsident der SVP-Meilen vorbereiteten.

Kritisiert wird Martullo nicht wegen seiner befürwortenden Haltung zur Abzocker-Initiative, sondern weil er ein «Einzelkämpfer» sei, der «nur auf seinen Erfolg schaue». Zudem könne er «bedrohlich wirken» und «auf wüste Art und Weise ausfällig» werden. Woher diese Informationen stammen, gibt die NZZ nicht bekannt.

Claudio Zanetti äussert sich offen über Martullo: «Er ist temperamentvoll und hartnäckig, das spricht nicht gegen ihn», so der Kantonsrat, der als Fürsprecher von Martullo auftritt. Der Meilemer SVP-Vizepräsident Adrian Bergmann sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Martullo sei bis 2014 gewählt und mache seine Arbeit mit Engagement, auch wenn seine direkte Art «nicht unumstritten» und er sicher einigen Leuten «zu nahe getreten» sei.

Martullo selbst sagte bei «TeleZüri», dass er der Generalversammlung in Meilen gelassen entgegen sehe. Kritik höre er sich gerne an, um ihr Rechnung zu tragen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1