Anker, Hodler & Co.

Blocher zeigt seine Privatsammlung – ist das jetzt Wahlkampf im Museum?

Christoph Blocher zeigt seine Kunstschätze – ist das Wahlkampf im Museum?

Aus dem Wohnzimmer ins Museum: Blocher wandert durch die Ausstellung, die am 11. Oktober eröffnet.

SVP-Übervater Christoph Blocher stellt erstmals die Bilder aus seinem Wohnzimmer aus. Die Ausstellung eröffnet genau eine Woche vor den National- und Ständeratswahlen. Zufall oder Kalkül?

Christoph Blocher ist leidenschaftlicher Kunstsammler. Schweizer Maler wie Albert Anker, Ferdinand Hodler, Giovanni Giacometti haben es ihm besonders angetan. Nun zeigt der alt Bundesrat und SVP-Vizepräsident erstmals grössere Werkgruppen aus seiner Sammlung öffentlich.

«Ich mache diese Ausstellung nicht»

Die Ausstellung ist vom 11.Oktober 2015  bis zum 31. Januar 2016 im Museum Oskar Reinhart in Winterthur zu sehen. Die Vernissage ist kurz vor Blochers 75. Geburtstag und geanu eine Woche vor den National- und Ständeratswahlen am 18. Oktober.

«Ich mache diese Ausstellung nicht», sagt Blocher auf die Frage, ob dahinter politisches Kalkül stecke. «Das Museum ist vor einem Jahr auf mich zugekommen mit der Idee, die Ausstellung in diesem Zeitraum zu zeigen.»

Zu sehen sind über 80 Meisterwerke von Schweizer Künstlern aus der Zeit um 1900. Eine Kohlezeichnung von Albert Anker bildete 1979 den Auftakt zur Sammeltätigkeit und zum Aufbau der umfangreichsten Werkgruppe dieses Künstlers in Privatbesitz. Erst 1985 begann Blocher rar gewordene Gemälde von Anker und Hodler zu erwerben.

Zwei Rivalen und hohe Preise

Für seine Sammlung hat Christoph Blocher viel Geld ausgegeben. Wieviel insgesamt, darüber schweigt er. Aber: 7,5 Millionen Franken kostete ihn allein das Gemälde «Turnstunde in Ins» von Albert Anker.

Für den enormen Preisanstieg solcher Gemälde waren er und der Winterthurer Sammler Bruno Stefanini,Gründer der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, verantwortlich, der auf Auktionen mit Blocher rivalisierte.

Sympathie zum Heimatlich-Mitmenschlichen

Der Kurator Marc Fehlmann meint zu Blochers Sammeln von Schweizer Kunst: «Eine innige Sympathie zum Heimatlich-Mitmenschlichen, wie er es in den zeitlosen Gemälden Albert Ankers findet, und der Wunsch, die Schweiz so schadlos wie möglich durch die internationalen Krisen der Gegenwart hindurch zu retten, scheinen weitere Leitmotive seiner Sammelleidenschaft zu sein.»

Risse in der Idylle

Idyllischen Landschaften wie «Der Thunersee mit Stockhornkette» oder «Der Genfersee mit Jura» von Hodler stehen bei Anker vereinzelte Bilder gegenüber, die gesellschaftliche Risse andeuten. Nicht alle Kinder, die am populären «Schulspaziergang» von 1872 teilnahmen, trugen Schuhe und gepflegte Kleider.

Soziale Gegensätze fallen auch bei den malerisch bedeutendsten Werken von Anker auf, bei den seltenen Stillleben. Als 1897 in Paris «Gediegener Tee» serviert wurde, gab es bei Ankers im Berner Seeland nur «Kaffee und Kartoffeln». Bei Giovanni Giacometti findet Erholung von der Arbeit nicht auf einem Bett, sondern bloss als «Riposo all‘ombra» im Gras statt. (smo/sda)

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