Affäre Hildebrand
Blocher siegt im richtigen Moment: Hildebrand-Sturz gibt ihm neuen Schub

SVP-Hardliner Christoph Blocher hat Philipp Hildebrand gestürzt und damit im richtigen Moment gesiegt. Denn der Sturz des SNB-Chefs wird dem alternden Politiker neuen Schub geben.

Stefan Schmid
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Christoph Blocher siegt im richtigen Moment: Der Hildebrand-Sturz gibt dem alternden Politiker neuen Schub

Christoph Blocher siegt im richtigen Moment: Der Hildebrand-Sturz gibt dem alternden Politiker neuen Schub

Keystone

Es waren keine guten Wochen für Christoph Blocher: Seine Partei büsste bei den Wahlen Stimmen ein, der Sturm aufs Stöckli war ein laues Lüftchen, Natalie Rickli (SVP/ZH) machte bei den Nationalratswahlen mehr Stimmen auf der SVP-Liste als der grosse Zampano und die Bundesratswahlen gerieten zum Fiasko.

Wieder einmal schien es, als liefe die Zeit des 71-jährigen Zürchers ab. Wieder einmal schien es, als würden sich Kräfte innerhalb der SVP gegen die One-Man-Show aus Herrliberg zur Wehr setzen. Lukas Reimann (SG) und Rickli verlangten eine Aussprache, der als Querschläger bekannte Glarner Ständerat This Jenny stellte gar Blochers strategisches Geschick in Abrede. Seine Gegner frohlockten einmal mehr: Endlich fällt der Stern vom Himmel.

Blochers Killerinstinkt

Wieder einmal war der Wunsch Vater des Gedankens. Die Konkurrenz hat sich zu früh gefreut, wie die letzten Tage eindrücklich zeigen. Blocher hat mit seiner undurchsichti-gen Rolle, die er immer wieder mit widersprüchlichen Aussagen spickte, massgeblich zu Hildebrands Sturz beigetragen.

Nach den schwierigen Wochen bis zu den Bundesratswahlen kommt ihm dieser «Sieg» gelegen. «Blocher zeigt damit seinen Killerinstinkt», sagt Politologe Michael Hermann. Er werde wieder als mächtig, gefährlich und clever wahrgenommen, was vorher nicht mehr im selben Ausmass der Fall war.

Für Hermann hat Blocher zumindest im eigenen Lager wieder an Glaubwürdigkeit und Autorität gewonnen. Ein Indiz dafür ist die auffällige Stille der meisten SVP-Politiker. Und selbst Blocher-Kritiker Jenny gab sich letzten Freitag in der TV-«Arena» äusserst handzahm und verteidigte Blochers Vorgehen über weite Strecken.

Anders sieht es ausserhalb der SVP aus. Da stösst der Zürcher Nationalrat nach seinem Anti-Hildebrand-Feldzug auf noch mehr Ablehnung und Unverständnis als vorher. «Blocher ist ein notorischer Zerstörer», sagt die SP-Vizepräsidentin Jacqueline Fehr.

Blochers Stärke

Zusammen mit seinen Verbündeten von der Bahnhofstrasse sei es ihm gelungen, den Vorkämpfer für schärfere Bankenregulierungen zu Fall zu bringen. Harsch fällt die Kritik auch im bürgerlichen Lager aus: «Blocher ist auf einem Rachefeldzug.

Er hat die Niederlage gegen Eveline Widmer-Schlumpf immer noch nicht verdaut und unternimmt nun alles, um sie wieder zu stürzen», sagt der St.Galler FDP-Politiker Walter Müller. Sein absoluter Wille zur Macht sei erschreckend und zutiefst unschweizerisch.

Ähnliche Töne kommen auch vom Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof: «Blochers Aussagen sind voller Widersprüche. Ich frage mich, ob er tatsächlich darauf aus ist, unsere wichtigsten Institutionen zu destabilisieren.»

«Blocher hat dem Bundesrat eine Falle gestellt. Und dieser hat es nicht gemerkt»

Diese Aussagen zeigen: Mit Blocher wollen Freisinnige und Christdemokraten keine gemeinsame Sache machen. Im Gegenteil: Sein Vorgehen im Fall Hildebrand hinterlässt Narben. An seiner Integrität, an seinem Willen, gute Lösungen für das Land zu finden, wird mehr denn je gezweifelt.

SP-Politikerin Fehr glaubt daher nicht, dass Blocher und seine Forderungen an die Politik der Nationalbank im Parlament mehrheitsfähig sein werden. «Nachdem, was vorgefallen ist, wird sich niemand freiwillig in diesen Dunstkreis begeben.»

Eine andere Haltung nimmt Blochers langjähriger Antipode Peter Bodenmann ein. «Blocher hat dem Bundesrat mit dem Hinweis auf mögliche Insidergeschäfte von Hildebrand eine Falle gestellt. Und dieser hat es nicht gemerkt», sagt der ehemalige SP-Präsident.

«Hätten wir richtige Politiker im Bundesrat, so hätten diese eine umfassende, externe Untersuchung anordnen müssen.» Bodenmann hält Blocher aber nicht für besonders clever. «Seine Stärke ist die eklatante Schwäche der anderen.»

Blochers Plan

Nach seiner Abwahl aus dem Bundesrat 2007 wurde Blocher erstmals totgesagt. Er stand wieder auf. Und diesen Dezember hielt man ihn für geschwächt. Jetzt hat er den Nationalbankchef zur Strecke gebracht. Blocher wäre nicht Blocher, wenn er nicht weiter angreifen würde.