SVP-Politiker und Unternehmre Christoph Blocher hält den Entscheid der Nationalbank, den Mindestkurs aufzugeben, für richtig. In der Zeitung „Schweiz am Sonntag“ sagt er, die einseitige Orientierung am Euro sei falsch. Das Signal der SNB sei nun: Weltoffenheit, nicht nur Offenheit gegenüber Europa.

„Das ist die Stärke der Schweiz: Wir orientieren uns nicht nur an Europa, sondern an der ganzen Welt.“ Blocher unterstützt den Entscheid, den Euro-Mindestkurs aufzugeben, obwohl er 2011 dessen Einführung für richtig hielt: „Es war immer klar, dass er nicht ewig gelten kann.“ Blocher hätte es jedoch vorgezogen, wenn die Untergrenze schon früher aufgegeben worden wäre, „etwa dann, als der Kurs auf 1.22 oder 1.23 Franken geklettert war“.

Das habe er Jordan damals auch mitgeteilt. Die Entspannung zeigte sich Ende 2012 und im ersten Halbjahr 2013, als der Kurs zwischenzeitlich gar auf über 1.25 Franken stieg. Die Folgen der Frankenaufwertung seien für die Schweizer Wirtschaft verkraftbar, so Blocher in der „Schweiz am Sonntag“: „Mit einer Rezession rechne ich nicht, wohl aber mit deutlichen Gewinnrückgängen und Verlusten bei exportorientierten Unternehmen.“ Blocher lobt auch SNB-Präsident Jordan persönlich. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Hildebrand sei er kein Blender: „Jordan ist eine graue Maus, aber alle guten Notenbanker sind graue Mäuse.“

CS: Glaubwürdigkeit in Zentralpolitik untergraben

Ganz anders sieht es die Credit Suisse. In einer nicht öffentlichen Studie, die nur an ausgewählte Kunden der Investmentbank geht, geht der globale Chefstratege für Devisen Shahab Jalinoos und seine Kollegen hart ins Gericht mit dem epochalen Entscheid der Nationalbank. Das schreibt die Zeitung „Schweiz am Sonntag.“ Das «Erdbeben», das die globalen Finanzmärkte erschüttert hat, untergrabe die Glaubwürdigkeit in die Politik der Zentralbanken weltweit. Das werde dazu führen, dass die Märkte wieder deutlich volatiler werden und die Unsicherheit zunehme – mit all ihren negativen Folgen.

Mindestkurs-Aufhebung: Das sind die Gründe

Mindestkurs-Aufhebung: Das sind die Gründe

Die SNB sei offenbar bereit, makroökonomische Kosten in Kauf zu nehmen, um eine Geldpolitik betreiben zu können, die nicht mehr so stark dem fallenden Euro und anderen weltweiten geldpolitischen Strömungen ausgesetzt sei. Brisant ist laut „Schweiz am Sonntag“, dass die CS nicht an die Wirksamkeit der beschlossenen Massnahme glaubt.

In allen wesentlichen Punkten kommt sie zu anderen Schlüssen. So gehen die Devisenstrategen davon aus, dass der Euro-Frankenkurs in den nächsten drei Monaten bei 1.00 verharren wird. Auch in einem Jahr werde der Kurs auf diesem Niveau bleiben, heisst es in der Studie. Damit nimmt die zweitgrösste Bank der Schweiz eine fundamental andere Sicht ein als die Nationalbank-Präsident Thomas Jordan, der die Reaktion der Märkte auf die Aufhebung des Mindestkurses als eine «Überreaktion» bezeichnete.

Geografisch wurde der Finanzplatz von den Banken und Versicherungen im Kanton Zürich dominiert.

Die Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich (Themenbild).

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