Noch immer ist DER Mediendeal des Jahres nicht bestätigt: Die Zeichen aber verdichten sich, dass sich Tamedia und die Führungsriege der «Basler Zeitung» einig werden. So wurde Baz-Verwaltungsrat Rolf Bollmann gestern am Tamedia-Hauptsitz in Zürich gesehen, wo er sich gemäss mehreren Quellen während einiger Stunden aufhielt. Um Verträge zu unterschreiben? Oder um seine dort arbeitende Tochter zu besuchen, wie Bollmann gestern auf Anfrage sagte? Auch Tamedia antwortete ausweichend: «Von unserer Seite gibt es keine Neuigkeiten», so Kommunikationschef Christoph Zimmer.

Am Samstag hatte die «Schweiz am Wochenende» die Verhandlungen der Verleger publik gemacht. Im Vordergrund steht ein Tauschgeschäft: Tamedia kriegt die BaZ, deren Spitze um alt SVP-Bundesrat Christoph Blocher und Bollmann erhält das «Tagblatt der Stadt Zürich». BaZ-Chefredaktor Markus Somm bestätigte den Sachverhalt am Montag gegenüber der eigenen Redaktion.

Noch vor der Verkündigung ruft der Deal die Politik auf den Plan. So diskutierte der Zürcher Gemeinderat gestern Abend darüber, welche Folgen es hätte, wenn der Herausgeber des städtischen Amtsblatts auf einmal Blocher hiesse. Schliesslich hat die Stadt den Vertrag erst kürzlich per 1. Januar 2018 verlängert. In einer dringlichen Anfrage wollen Jean-Daniel Strub (SP) und Andreas Kirstein (AL) vom Stadtrat wissen, unter welchen Voraussetzungen dieser gekündigt werden könnte. Den Vorstoss unterzeichneten 63 Politiker von SP, Grünen, AL und GLP. «Der Titel ‹Städtisches Amtsblatt› wird als Gütesiegel wahrgenommen», sagt Strub. «Deshalb wäre es verheerend, wenn ein politisches Lager dieses Gütesiegel für seine politischen Zwecke nutzen könnte.»

«Ich wäre froh»

Mauro Tuena, Präsident der Stadtzürcher SVP und Nationalrat, würde sich über ein Blocher-«Tagblatt» freuen. «Ich wäre froh, wenn im rot-grünen Zürich mal eine Zeitung kritisch hingucken würde», sagt er. Der Basler SP-Nationalrat Beat Jans hingegen beneidet die Zürcher nicht um ihre Perspektive. «Die BaZ hat in den letzten Jahren destruktiven Journalismus betrieben», sagt er. Dennoch rät Jans zur Gelassenheit. Falle niemand auf die ständigen Provokationen herein, verlören Blochers Medien ihre meinungsbildende Funktion.