Wegen eines zweifelhaften Ergebnis eines Drogenschnelltests musste ein Aargauer diesen Sommer seinen Führerausweis abgeben. Obwohl nach einem klärenden Urin- und Bluttest das eindeutig negative Ergebnis rasch feststand, musste der Lenker geschlagene sechs Wochen aufs Autofahren verzichten, ehe er sein Billet zurückerhielt. Auch auf seinen Umtriebs- und Anwaltskosten von rund 6'000 Franken blieb der Aargauer sitzen. 

Solch unschöne Geschichten sind glücklicherweise die Ausnahme. Fakt ist aber: In der Schweiz werden jedes Jahr eine ganze Menge Führerausweise entzogen. Mehr als 87'000 Autolenker mussten 2015 ihr Billet nach verschiedenen Verkehrsdelikten abgeben.

Der Entzug des Führerausweises kann in der Schweiz recht vielfältige Gründe. Darum bietet Ihnen die az hier eine Übersicht der verschiedenen Verkehrsdelikte, bei denen Sie Ihr Billet garantiert verlieren, sollten Sie dabei erwischt werden.

Der Klassiker: Fahren mit Bleifuss

Wird die Geschwindigkeit in krassem Masse überschritten, wird der Führerausweis in der Regel bis zur Abklärung von allfälligen Ausschlussgründen vorsorglich auf unbestimmte Zeit entzogen – vielleicht sogar für immer. (Symbolbild)

Wird die Geschwindigkeit in krassem Masse überschritten, wird der Führerausweis in der Regel bis zur Abklärung von allfälligen Ausschlussgründen vorsorglich auf unbestimmte Zeit entzogen – vielleicht sogar für immer. (Symbolbild)

Mehr als 30'000 Autofahrer gaben 2015 ihren Führerausweis ab, nachdem sie zu schnell im Schweizer Strassenverkehr unterwegs waren – eine Zunahme zum Vorjahr von 2,2 Prozent.

Doch wie hält es die Schweizer Verkehrsregelnverordnung mit dem Ausweisentzug bei Bleifuss-Fahrten? Wer noch mit einem saftigen Bussgeld und einer Verwarnung davonkommt und wer sich von seinem Führerausweis für einige Zeit verabschieden darf, zeigt folgende Tabelle:

Autofahrer, die unter die dritte Kategorie (mindestens 3 Monate Entzug) fallen, werden zusätzlich im Strafregister eingetragen und bleiben dort für eine gewisse Zeit ersichtlich. Im Wiederholungsfall müssen sie ausserdem mit einer deutlich längeren Entzugsdauer des Führerausweises rechnen.

Wird die Geschwindigkeit in krassem Masse überschritten, wird der Führerausweis in der Regel bis zur Abklärung von allfälligen Ausschlussgründen vorsorglich auf unbestimmte Zeit entzogen – vielleicht sogar für immer. Ausserdem wird die Fahreignung der betroffenen Autolenker verkehrspsychologisch überprüft.

Bei Blaufahrten ist das Billet schneller weg

Zwischen einer Busse und einem Führerausweisentzug liegen nur wenige Schlucke: Eine Autolenkerin bei einer Atemtestkontrolle. (Symbolbild)

Zwischen einer Busse und einem Führerausweisentzug liegen nur wenige Schlucke: Eine Autolenkerin bei einer Atemtestkontrolle. (Symbolbild)

Dass es Ärger mit der Polizei gibt, wenn man mit einem Alkoholspiegel über 0,5 Promille hinter dem Steuer erwischt wird, dürfte jedem Autolenker klar sein. Trotzdem mussten 2015 mehr als 15'000 Autolenker ihr Billet nach dem Nachweis zu hoher Alkoholwerte abgeben. Ab dem 1. Oktober haben es Blaufahrer noch schwerer: Denn die Alkoholtests der Polizei werden noch beweissicherer.

Doch welcher Pegel ahndet das Schweizer Gesetz noch mit einer Busse und wann setzt es einen Ausweisentzug? Ein Blick in die Strassenverkehrskontrollverordnung des Bundesamts für Strassen (Astra) zeigt, das zwischen den beiden Sanktionen nur wenige Schlucke Alkohol liegen: 

  • 0,5 bis 0,79 Promille: Wer mit 0,5 bis 0,79 Promille ein Motorfahrzeug lenkt, erhält eine Verwarnung und eine Busse.
  • 0,5 bis 0,79 Promille und Verstoss gegen die Strassenverkehrsvorschriften: Wer mit 0,5 bis 0,79 Promille fährt und gleichzeitig gegen das Strassenverkehrsgesetz verstösst, wird der Fahrausweis für mindestens einem Monat entzogen. Zusätzlich wird eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren ausgesprochen. Die Höhe der Busse / Geldstrafe richtet sich nach den finanziellen Verhältnissen der verurteilten Person.
  • 0,8 Promille: Wer in angetrunkenem Zustand mit 0,8 Promille und mehr ein Motorfahrzeug lenkt, wird der Führerausweis für mindestens drei Monate entzogen. Zusätzlich wird eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren ausgesprochen. Die Höhe der Busse / Geldstrafe richtet sich nach den finanziellen Verhältnissen der verurteilten Person. Des weiteren wird der Verstoss im Strafregister eingetragen und ist im Strafregisterauszug für eine gewisse Zeitspanne ersichtlich.

Auch für das Fahren unter Drogeneinfluss nennt die Verkehrsregelnverordnung klare Grenzwerte, die Autolenker beie einer Kontrolle maximal im Blut haben dürfen. Für Kiffer liegt dieser Wert bei maximal 1,5 Mikrogramm THC pro Liter Blut. Bei anderen Substanzen wie Morphin, Kokain oder Amphetamin liegt er bei maximal 15 Mikrogramm pro Liter.

Autofahrer, die diese Grenzwerte übertreffen, werden als fahruntüchtig angesehen. Ihnen droht der Entzug des Führerscheins, denn das Fahren unter Drogeneinfluss ist eine grobe Verletzung des Strassenverkehrsgesetzes. 4554 Personen mussten 2015 wegen Fahrens unter Drogeneinfluss ihren Ausweis abgeben – 13,3 Prozent mehr als noch 2014.

Auch im Ausland nicht vor Ausweisentzug gefeit

Auch gefährliche Fahrmanöver, die andere Verkehrsteilnehmer gefährden, können einen Entzug des Führerscheins nach sich ziehen.

Auch gefährliche Fahrmanöver, die andere Verkehrsteilnehmer gefährden, können einen Entzug des Führerscheins nach sich ziehen.

Bleifuss- und Blaufahrten sind bei Weitem nicht die einzigen schweren Widerhandlungen im Strassenverkehr, die einen Führerausweisentzug zur Folge haben können.

Grundsätzlich kann nämlich jede Verkehrsregelverletzung, die eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellt, mit einem Entzug des Führerscheins geahndet werden. Die Verkehrsdelikte sind dabei sehr vielfältig und reichen von der Benützung des Pannenstreifens als verfrühte Autobahnausfahrt, dem «Blindfahren» mit vereisten Frontscheiben im Winter, der Fahrt mit zu stark abgefahrenen Pneus bis zum Bedienen der Fahrzeugpedale mit Flip Flops. 

Auch gefährliche Überhol- und Auffahrmanöver, die andere gefähren können sowie Fahrerflucht gelten als Anwärter für einen Führerscheinentzug.

Übrigens sind auch Entzüge, die nach Delikten im Ausland erlassen wurden in der Schweiz gültig, sofern im betreffenden Land ein Fahrverbot verfügt und an die Schweiz mitgeteilt wurde – und die Verkehrsregelverletzung nach schweizerischem Recht als mittelschwer oder schwer zu qualifizieren ist.

So schnell ist das Billett weg

So schnell ist das Billett weg (April 2016)

Dass Alkohol am Steuer und Rasen den Führerschein kosten kann, ist allgemein bekannt. Doch schon geringere Delikte können einen schon zum ÖV-Fahrer werden lassen.