Blaue Ökologie

Blau ist das neue Grün: Warum FDP-Politiker die Öko-Farbe wechseln

Kein Verzicht dank technologischem Fortschritt: In diesem Geist steht die «Blaue Ökologie». (Im Bild eine Ladestation für E-Autos.)

Kein Verzicht dank technologischem Fortschritt: In diesem Geist steht die «Blaue Ökologie». (Im Bild eine Ladestation für E-Autos.)

Es ist ein politisches Schlagwort der Stunde: «Blaue Ökologie». Das wollen sich Freisinnige zu Nutze machen.

So tönen wirtschaftsliberale Träume: Eine Ökologie, die technischen Fortschritt und Umweltschutz verbindet. Die nicht Verzicht propagiert, sondern die Ressourcen der Natur, so ein geflügeltes Adjektiv, «intelligenter» nutzen will. Der deutsche Trendforscher Matthias Horx prägt dafür den Begriff «Blaue Ökologie».

Die Farbe stehe für Technologie, für den Horizont und die ganze Erde. «Blaue Ökologie ist im Unterschied zur grünen keine Verzichts- und Angstökologie, sondern eine neue Idee von Fortschritt, bei der es um mehr Lebensqualität geht», so erklärte es Horx im Interview mit dieser Zeitung.

Kritiker sehen die Blaue Ökologie derweil irgendwo zwischen übersteigerter Technologiegläubigkeit und Greenwashing, also schönfärberischer Pseudo-Umweltfreundlichkeit.

Dessen ungeachtet erfreut sich das Schlagwort zunehmender Beliebtheit, besonders unter wirtschaftsliberalen Politikern. In Deutschland referiert Horx mit seinen Ansätzen vor FDP-Sektionen. Die Blaue Ökologie diene als «Gegenbild zu dem ideologisch verschwurbelten grünen Umweltschutz und Klimaschutz»: So sagte es René Rock, der FDP-Fraktionschef im Parlament Hessens. Heruntergebrochen bedeute dies dann etwa «Wasserstoff für die Industrie statt Verdrängen nach China». Oder «Tesla statt Hass auf Autos und individuelle Mobilität».

Hierzulande feiert das Schlagwort gerade seinen politischen Einstand – in der Zentralschweiz: Die FDP der Stadt Zug will mit dem Label «Blaue Ökologie» 2022 in die kantonalen und städtischen Wahlen ziehen, wie Vorstandsmitglied Alexander Kyburz bestätigt. Geplant sei, damit im Wahlkampf ein Schwerpunktthema zu setzen. Der Anwalt Kyburz hat vorgesorgt und «Blaue Ökologie» ins Markenregister beim Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum eintragen lassen.

Es geht darum, bei der Themensetzung vorne dabei zu sein. Denn gerade von Freisinnigen aus dem Kanton Zug gab es deutliche Kritik an der Mutterpartei, nachdem die Partei zuletzt sowohl bei den kantonalen als auch den eidgenössischen Wahlen Sitzverluste beklagen musste. Die nationale FDP habe zu lange gebraucht, um die Themen Klima und Umwelt auf die eigene Agenda zu setzen, hiess es.

FDP setzt auf Technologie und Innovation

Es war FDP-Präsidentin Petra Gössi selbst, die eine Kurswende einleitete. Im Sommer des vergangenen Jahres verabschiedeten die Parteidelegierten ein richtungsweisendes Positionspapier. Damit verpasste sich die FDP eine neue Klimapolitik. Dieses Jahr dann unterstützte die Bundeshausfraktion grossmehrheitlich das zuvor noch verschmähte CO2-Gesetz.

Ebenso trägt die FDP die Ziele des Pariser Klimaabkommens mit. «Einer der Hebel, um sie zu erreichen, ist für uns Technologie und Innovation», so formulierte es ihr Fraktionschef Beat Walti einmal. Blaue Ökologie mag da als Label wie angegossen passen.

Verwandte Themen:

Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

Meistgesehen

Artboard 1