Verkehr
Blau am Steuer: Jeder zweite Unfalltote kommt aus der Romandie

Romands verursachen häufiger Unfälle in angetrunkenem Zustand als Deutschschweizer. Einsamer Spitzenreiter ist der Kanton Wallis, wo bei jedem fünften Unfall Alkohol im Spiel ist. Dies, obwohl in der Westschweiz mehr Präventionsgelder fliessen.

Roman Michel
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Im Wallis ist bei jedem fünften Unfall Alkohol im Spiel. (Symbolbild)

Im Wallis ist bei jedem fünften Unfall Alkohol im Spiel. (Symbolbild)

Keystone

78 Personen kamen in den Jahren 2011 und 2012 bei Verkehrsunfällen ums Leben, bei denen Alkohol die Hauptrolle spielte. Erfreulich: Die Zahl solcher Unfalltoten geht laufend zurück. Eine genaue Betrachtung des «Tagesanzeigers» zeigt: 39 Tote waren es in der Deutschschweiz, 37 in der Romandie und zwei im Tessin.

Damit ist die Westschweiz mit einem Anteil von fast fünfzig Prozent deutlich übervertreten. Dies, obwohl nur 23 Prozent der Schweizer Bevölkerung in der Romandie wohnt. Einsamer Spitzenreiter bei den Alkoholunfällen in der Schweiz ist gemäss einer Statistik der Unfalldatenbank Astra der Kanton Wallis.

Bei rund einem Fünftel der Unfälle mit Verletzungsfolge wurde der Verursacher auf 0.5 Promille oder mehr getestet. Hinter dem Wallis belegen die weiteren Westschweizer Kantone Genf, Neuenburg und Waadt die Plätze zwei bis vier. Die Deutschschweizer Kantone liegen unter der 10-Prozent-Grenze - mit Ausnahme von Obwalden (11 Prozent).

Falsche Einschätzung der Promille-Grenze

Doch wieso gibt es in der Romandie vermehrt solche Alkoholunfälle? Eine mögliche Erklärung ist der regelmässige Alkoholkonsum in der Westschweiz: Im Rahmen einer Umfrage des Bundesamts für Statistik gaben 11.5 Prozent der Romands an, dass sie täglich Alkohol konsumieren. In der Deutschschweiz dagegen sind es nur halb so viele.

Yvonne Achermann von der Beratungsstelle für Unfallverhütung sagte gegenüber dem «Tagesanzeiger» zudem: «Viele Romands glauben, die Grenze sei erst nach drei bis vier Gläsern Wein oder Bier erreicht.» Dabei führt bereits ein Glas Rotwein zu durchschnittlich 0.2-0.3 Promille Blutalkohol. Zum Vergleich: In der Deutschschweiz glaubt dies nur jeder Zehnte.

Das BfU hat das Problem erkannt und sein Budget entsprechend angepasst: 30 bis 35 Prozent der Gelder fliessen bei Kampagnen zu diesen Themen in die Westschweiz. «Wir müssen dort investieren, wo es am meisten nützt», sagt Peter Matthys vom BfU.