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Blatters Deutschland-Attacke könnte zum Eigentor werden

Nicht nur das vereinigte Fussball-Deutschland, auch der Präsident des Schweizer Fussballverbandes (SFV), Peter Gilliéron, hält den Schmiergeldvorwurf an die Deutschen für heisse Luft.

Wer sich mit Fifa-Chef Josef «Sepp» Blatter anlegt, muss auf alles gefasst sein. Nachdem es der Präsident des deutschen Ligaverbands (DFL) gewagt hatte, Blatter telefonisch zum Rücktritt aufzufordern, rächte sich der Walliser am Sonntag in einem Interview mit der Andeutung, die Deutschen hätten für den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2006 Schmiergelder bezahlt (az von gestern).

Das ist eine heftige Unterstellung, zumal Blatter bei der Wahl Deutschlands als WM-Austragungsort im Juli 2000 schon Fifa-Präsident war. «Vielleicht war ich da auch zu gutmütig und zu naiv», meinte Blatter im Zeitungsinterview, in dem er auch zu den seit letzter Woche amtlich dokumentierten Bestechungsvorfällen bei der Fifa Stellung bezog.

Machtposition könnte geschwächt werden

Je nach Entwicklung könnte seine Deutschland-Attacke zu einem Eigentor werden und seine Machtposition innerhalb des Verbands schwächen. Denn nicht nur das vereinigte Fussball-Deutschland, auch der Präsident des Schweizer Fussballverbandes (SFV), Peter Gilliéron, hält den Schmiergeldvorwurf an die Deutschen für heisse Luft. «Die Gerüchte bezüglich der Weltmeisterschaft 2006 halte ich für unglaubwürdig», sagt Gilliéron der az. «Ich kenne die beteiligten Personen und kann mir nicht vorstellen, dass es damals zu Unregelmässigkeiten kam.»

Ein ehemaliger Fifa-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, findet es ungeschickt von Blatter, das schon länger angeschlagene Verhältnis zu den Deutschen weiter zu zerrütten.

Trotzdem sei es unwahrscheinlich, dass der Druck aus Deutschland Blatter zum Rücktritt zwingen werde. «Gewählt wird er vom Fifa-Kongress und dort hat er nach wie vor einen grossen Rückhalt.»

Heute wird über weitere Reformschritte beraten

Heute will das Fifa-Exekutivkomitee, so hat es Blatter versprochen, einen weiteren Schritt zur Beseitigung des korruptionsanfälligen Klimas in den eigenen Reihen machen. In Zürich will das 24-köpfige Gremium über weitere Reformschritte beraten.

SFV-Präsident Gilliéron bezeichnet die Sitzung als «entscheidend». «Es braucht auch eine Handhabe, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Grundsätzlich ist alles, was Licht ins Dunkel bringt, positiv», sagt er.

Zur Debatte steht unter anderem, wie weit zurück die Verbandsjustiz Vorgänge in der Vergangenheit untersuchen soll. Der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth, der die Fifa in Fragen wie diesen berät, schlägt dem Komitee ein Zeitfenster von 15 Jahren vor – zurück bis zum Amtsantritt Sepp Blatters im Jahr 1998.

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