Die Löhne der Kassenchefs
Bis zu drei Franken pro Versichertem: So viel verdienen die Chefs

Die meisten grossen Krankenversicherer legen in ihren Geschäftsberichten die Löhne ihrer Verwaltungsratspräsidenten und Konzernchefs offen. Nur der Walliser Pierre-Marcel Revaz verweigert sich dem Trend zur Transparenz. Sein Lohn bleibt geheim.

Roman Seiler
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Pierre-Marcel Revaz, Chef der Goupe Mutel: Wie viel er verdient, erklärt er zu seinem Geheimnis. Insider reden von einer siebenstelligen Summe.

Pierre-Marcel Revaz, Chef der Goupe Mutel: Wie viel er verdient, erklärt er zu seinem Geheimnis. Insider reden von einer siebenstelligen Summe.

Keystone

Die Groupe Mutuel ist mit 1,17 Millionen Grundversicherten mittlerweile die Nummer drei der Branche. Nur in Sachen Transparenz zählt der in Martigny (VS) domizilierte Krankenversicherer weiterhin nicht zur Spitze. Im Tätigkeitsbericht für das vergangene Jahr listen die Walliser nicht ein Mal auf, wer Mitglied der Geschäftsleitung ist. Auch in Sachen Lohntransparenz schaltet Vorstandspräsident Pierre-Marcel Revaz weiterhin auf stur: Die Saläre der Führungspersönlichkeiten bleiben geheim.

Dies geschehe erst, wenn klar sei, wie die vom Parlament verlangte Offenlegung durchgeführt werden müsse, sagt Mutuel-Sprecher Yves Seydoux. Und dementiert, wie seit Jahren Gerüchte, wonach Revaz mehr als eine Million Franken verdiene. Der Walliser gilt als der Kassenchef mit dem höchsten Lohn der Branche. Neben der Groupe Mutuel verzichtet auch die EGK mit 126000 Grundversicherten auf die Offenlegung der Saläre. Die Chefs der Basler Sympany und der in Landquart domizilierten ÖKK legen ihre Löhne jeweils auf Anfrage offen (siehe Box).

So viel verdienen die Krankenkassenchefs

Daniel Schmutz Helsana 663000
Georg Portmann CSS* 520000
Ruedi Bodenmann Sympany** 500000
Otto Bitterli Sanitas 479000
Christoph Bangerter KPT 450000
Peter Fischer Visana 422000
Walter Lutz, Direktor Markt der Swica 415000
Nikolai Dittli, Concordia 364000
Stefan Schena, ÖKK** 310000

*Schätzung Nordwestschweiz
**Auf Anfrage offengelegt

Helsana-Chef verdient am besten

Die anderen grossen Krankenversicherer, welche bis am vergangenen Dienstag ihre Geschäftsberichte publiziert haben, veröffentlichen zumindest die Summe der Vergütung des Verwaltungsrats und der Konzernleitung. Die detailliertesten Angaben liefert die Helsana. Konzernchef Daniel Schmutz erhielt im vergangenen Jahr 663000 Franken in bar. Dazu kamen Vorsorgebeiträge von 113000 und «sonstige Bezüge» von 37000 Franken. Das summiert sich auf 813000 Franken. Andere Grosskassen legen das Gehalt inklusive variable Lohnbestandteile offen. Meist gilt zudem: Beziehen Kassenchefs Honorare für Mandate im Gesundheitswesen, liefern sie diese an ihren Arbeitgeber ab.

Sympany-Chef: Jeder Versicherte zahlt 3 Franken

Dabei zeigt sich: Die Höhe der Gehälter der Konzernchefs sind in der Regel angemessen. Erstaunlich ist nur: Selbst der Chef der relativ kleinen Sympany verdient mittlerweile ein halbe Million Franken. Das sind stolze drei Franken pro Versicherten. Bei den meisten anderen Konzernchefs beläuft sich dieser Wert auf 43 bis 88 Rappen. Bodenmann arbeitete vor seinem Wechsel zu Sympany bei Swiss Life. Für den börsenkotierten Versicherungskonzern war auch Helsana-Schmutz einst tätig. Die Swica wird den Lohn ihres Chefs Reto Dahinden wohl im Geschäftsbericht 2013 erstmals publizieren. Weil Dahinden erst seit vergangenem März den Winterthurer Krankenversicherer leitet, hat er nicht den höchsten Lohn der Konzernleitung bezogen.

Lohn pro Versichertem

Daniel Schmutz Helsana 0.56
Georg Portmann CSS* 0.43
Ruedi Bodenmann Sympany** 3.03
Otto Bitterli Sanitas 0.88
Christoph Bangerter KPT 1.15
Peter Fischer Visana 0.72
Walter Lutz, Direktor Markt der Swica 0.66
Nikolai Dittli, Concordia 0.64
Stefan Schena, ÖKK** 2.00

Mit einem Sonderbonus verabschieden ihre Arbeitgeber zwei langjährige Kassenmanager. Konzernchef Peter Fischer verliess die Visana im letzten Sommer. Mit 422000 Franken übersteigt sein Salär dasjenige von 2011 um 28’000 Franken. Der langjährige Generaldirektor und heutige Delegierte des Verwaltungsrats(VR) der Swica, Hans-Ueli Regius, bezog 452000 Franken. Das ist mehr als doppelt soviel als im Vorjahr. Regius verzichtet auf das Präsidium und tritt im Juni zurück. Der bestbezahlte VR-Präsident bleibt Andreas Lauterburg. Er verdient für sein Mandat 232000 Franken.

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