Maskenkäufe durch die Armee
Bis zu 9.90 Franken pro Stück: Wie es zum Deal mit den sündteuren Masken kam

Brigadier Markus Näf äussert sich zum Kauf von hochpreisigen Masken bei Jungunternehmern.

Henry Habegger
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Im Zeichen der Maske: Mit dem Schutzmaterial liess sich sehr leicht sehr viel Geld verdienen.

Im Zeichen der Maske: Mit dem Schutzmaterial liess sich sehr leicht sehr viel Geld verdienen.

Getty Images

Er wurde von einer Internet-Publikation als «Masken-Zar» bezeichnet, als Strippenzieher hinter sündteuren Maskenkäufen durch die Armee: Markus Näf, 53, Brigadier, Beschaffungskoordinator des Bundes für Coronaschutzmaterial. Anfang Woche protestierte bereits das Departement von Bundesrätin Viola Amherd gegen die Behauptung, dass Näf eine entscheidende Rolle bei den teuren Deals gespielt habe.

Jetzt wehrt sich Milizbrigadier Näf im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» persönlich gegen den Vorwurf: «Ich führte am Montag, 23. März 2020, das erste Gespräch mit dem Armeechef und dem Generalsekretär VBS. Offiziell eingesetzt war ich ab dem 26. März. Vor dem 23. März hatte ich nie etwas mit der Beschaffung der Masken oder der anderen Gütern zu tun, auch nicht indirekt oder im Hintergrund. Ich war in keines der Geschäfte irgendwie involviert.» Er kenne auch niemanden von der Firma Emix.

Armee hat Masken für über 22 Millionen Franken gekauft

Zwischen dem 2. und dem 24. März dieses Jahres hatte die Armee der Mini-Firma Emix, die einigen Zürcher Mitgliedern der Jungen SVP gehört, Masken für über 22 Millionen Franken abgekauft. Für die Schutzmasken des Typs FFP2 zahlte der Bund bis zu 9.90 Franken pro Stück – ein Mehrfaches des Normalpreises. Das war in einer Zeit, als Panik wegen der aufziehenden Coronakrise und schweizweit Mangel an Schutzmasken herrschte.

Laut Näf meldete sich die Emix über den ordentlichen Weg bei der Armeeapotheke und gab Anfang März ein Angebot ab. Das Besondere sei gewesen: «Die Firma bot an, dass die Ware erst nach erfolgter Lieferung und Prüfung bezahlt werden musste. Sie konnte zudem sehr kurzfristig liefern, innert drei bis fünf Tagen. Denn Emix hatte die Masken bereits in der Schweiz. Sie muss sie schon im Februar in China beschafft haben», sagt der Brigadier.

Im Februar sah man in der Schweiz noch kaum Masken, und Coronageneral Daniel Koch spielte deren Bedeutung herunter. Nur: Musste der Bund wirklich so teuer kaufen? Andere Firmen, beispielsweise 3M, hätten im März keine grossen Mengen liefern können, sagt Näf. Die Armee aber habe den Auftrag gehabt, schnell Masken zu beschaffen, um die Versorgung sicherzustellen.

9.90 Franken – ein verdächtiger Verkaufspreis

Auffällig ist, dass Emix am 17. März für 9.90 Franken Masken verkaufte – bei einer vom Bund definierten Obergrenze von 10 Franken. Hatte Emix Insiderwissen? Näf: «Die 10 Franken als Obergrenze für FFP2-Masken wurden vom Bundesamt für Gesundheit festgelegt, nicht von der Armee. Ich gehe nicht davon aus, dass Emix von dieser Obergrenze Kenntnis hatte.»

Fest steht, dass Emix innerhalb eines Monats einen mehrstelligen Millionenbetrag mit den Schutzmasken verdient haben muss. Woher hatten die Jung-Spekulanten das Wissen und das Geld, um die richtigen Masken zum richtigen Zeitpunkt zu beschaffen? Mit Sicherheit nahm die Firma eine grosse Menge von «Spielgeld» in die Hand, eigenes und das nicht genannter «Aktionäre».

So konnte die Firma den Kaufpreis der Masken und den Transport in die Schweiz selbst vorfinanzieren, was ihr beim Verkauf auch an andere Länder entscheidende Vorteile verschaffte. Welche Margen Emix hatte, wisse der Bund nicht, sagt Näf. «Erst später legten wir unter meiner Führung fest, dass alle Anbieter ihre Lieferketten offenlegen mussten, dabei ging es nicht nur um den Preis, sondern auch um die Qualitäts­sicherung.»

Ich wurde wohl auch ausgewählt, weil ich von aussen kam und leichter und unabhängiger neue Prozesse durchsetzen konnte.

Der Bund gilt jetzt als weit besser gewappnet für den weiteren Verlauf der Coronakrise, er hat gelernt und Lieferketten aufgebaut. Näf war als Koordinator eingesetzt worden, weil eine Lagebeurteilung ergab, dass die bisherigen Strukturen nicht auf die ausserordentliche Lage ausgerichtet waren. «Ich wurde wohl auch ausgewählt, weil ich von aussen kam und leichter und unabhängiger neue Prozesse durchsetzen konnte», sagt er heute.

Das ging nicht ohne strittige Personalentscheide – so wurde der langjährige und bewährte Armeeapotheker, der aus dem Homeoffice arbeiten musste, faktisch ausgebootet. Im Kampf für Versorgungs­sicherheit griff jetzt offensichtlich eine rasant-effiziente Struktur, die den übergeordneten ­Erfolg über persönliche Situationen von Betroffenen stellte. Auch wenn es langjährige Mitarbeiter waren. Näf, ein ehemaliger UBS-­Banker, verfüge über Erfahrungen im Projektmanagement. Und als Wirtschaftsanwalt auch über juristisches Wissen, so das VBS.