Schweizer Gotteskrieger
Bis zu 60'000 Franken Entschädigung für Aargauer Gotteskrieger

In der Türkei tötete er drei Menschen. Zuvor sass Cendrim R. über zwei Jahre in der Schweiz in Haft. Zu Unrecht, befindet das Bundesgericht und spricht dem Aargauer Gotteskrieger eine Genugtuung von bis zu 60'000 Franken zu.

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Sass zu Unrecht in Sicherheitshaft: Cendrim R.

Sass zu Unrecht in Sicherheitshaft: Cendrim R.

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Derzeit sitzt der in der Schweiz geborene Cendrim R. in der Türkei in Untersuchungshaft. Er soll am Mord von zwei Polizisten und einem Lastwagenfahrer beteiligt sein.

Auch in der Schweiz war R. kein unbeschriebenes Blatt. Nach seiner Schulzeit in Brugg wurde er zum Kriminellen. Wegen bewaffnetem Raubversuch und Körperverletzung landete er 2011 für zwei Jahre in der Strafanstalt Lenzburg.

Als Gotteskrieger im Syrien-Krieg

Cendrim R. wurde 2013 ausgeschafft und landete danach als Freiwilliger im syrischen Bürgerkrieg. Auf dem Rückweg in den Kosovo soll er sich in der Türkei einer islamistischen Gruppe angeschlossen haben, die für den Tod von zwei Polizisten und einem Lastwagenfahrer verantwortlich sein soll.

Ein psychiatrisches Gutachten führte dazu, dass der Kosovo-Albaner eine zehnmonatige Sicherheitshaft absitzen musste. Diese wurde vom Bundesgericht nun als widerrechtlich eingestuft, wie die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens (SRF) weiss.

Vorleben mitentscheidend

Sein Pflichtverteidiger fordert nun vom Kanton Aargau eine Entschädigung von 300 Tagessätzen zu je 200 Franken, was einer Gesamtsumme von 60 000 Franken entspricht. «Nach Schweizer Gesetz hat er einen Rechtsanspruch auf Haftentschädigung», sagte Pflichtverteidiger Franz Hollinger gegenüber dem SRF.

Das Bundesgericht werde bei seiner Beurteilung über eine Entschädigung aber auch das Vorleben von Cendrim R. miteinbeziehen. Die Entschädigung könnte daher durchaus tiefer ausfallen.

«Wir haben das höchste Gericht darauf hingewiesen, dass Cendrim R. an einem Anschlag in der Türkei beteiligt war», sagt Hans Peter Fricker, Generalsekretär vom Aargauer Volkswirtschaftsdepartement. Den Anspruch auf Genugtuung bezeichnet er als «unbefriedigend», aber verfahrensrechtlich korrekt. (cze)