Adoption
Bis zu 30000 Kinder leben in der Schweiz mit zwei Mamis oder Papis

Regenbogenfamilien freuen sich: Sie werden vor dem Gesetz als Familie anerkannt. Das Parlament hat beschlossen, Paaren in eingetragener Partnerschaft die Adoption des Kindes der Partnerin oder des Partners zu erlauben.

Karen Schärer
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Maria von Känel kämpft seit Jahren für das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare

Maria von Känel kämpft seit Jahren für das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare

Keystone

In der Schweiz wird es Homosexuellen in eingetragener Partnerschaft erlaubt, Kinder ihrer Partnerin oder ihres Partners zu adoptieren. Dies hat der Ständerat gestern Abend mit 26 zu 16 Stimmen entschieden und damit den Entscheid des Nationalrats gestützt. Besonders freut diesen Entscheid Maria von Känel, die seit Jahren an vorderster Front für die Aufhebung des Adoptionsverbots kämpft. Dieses ist im Partnerschaftsgesetz explizit festgehalten, das 2007 in Kraft trat. Von Känel war gestern im Bundeshaus präsent und sagt, sie freue sich über das deutliche Mehr der Ja-Stimmen.

Maria von Känel lebt seit 2007 in eingetragener Partnerschaft mit Martina Scheibling. Jede der Frauen hat ein Kind bekommen. Seit 2009 kämpft Maria von Känel darum, dass sie die leibliche Tochter ihrer Partnerin adoptieren kann und damit ebenfalls als deren rechtmässige Mutter gilt.

Verstoss gegen Diskriminierungsverbot

Lange Zeit schien ihr Kampf aussichtslos: Das Bundesgericht lehnte ihre Beschwerde im Mai 2011 ab. Im Dezember 2011 reichte sie am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg eine Beschwerde gegen die Schweiz ein. «Strassburg» hat in mehreren Urteilen, die Beschwerden aus anderen Ländern betrafen, festgehalten, die fehlende Möglichkeit einer Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare verstosse gegen das Diskriminierungsverbot.

Noch muss sich Maria von Känel gedulden, bis sie den Antrag stellen kann, dass sie rechtlich als Mutter ihrer Tochter anerkannt wird. Der Bundesrat eröffnet demnächst eine Vernehmlassung zur Gesetzesänderung. Vor dem Inkrafttreten der Änderung muss dann noch die dreimonatige Referendumsfrist abgewartet werden. «Wir hoffen auf eine schnelle Umsetzung durch das Justizdepartement», sagt die Vize-Präsidentin des Vereins Regenbogenfamilien.

Ob Maria von Känel als erste lesbische Mutter in der Schweiz ihre Stieftochter adoptieren wird? Von Känel lacht und sagt: «Ich glaube, am Tag des Inkrafttretens des Gesetzes werden gleich mehrere Mütter und Väter in der Schweiz ein Gesuch um Stiefkindadoption einreichen.» Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz 6000 bis 30000 Kinder mit zwei Müttern oder zwei Vätern aufwachsen. Von diesen Kindern haben natürlich bei Weitem nicht alle rechtlich nur einen Elternteil - was die Voraussetzung für eine Stiefkindadoption ist. «Wir sind gespannt, wie viele Stiefkindadoptionen es geben wird. Wir sind einfach froh, hat man bald die Möglichkeit dazu», so von Känel.

«Werde Beschwerde gerne zurückziehen»

Das Gericht in Strassburg hat Maria von Känels Beschwerde noch nicht behandelt. «Sobald das Adoptionsverbot aufgehoben ist, werde ich meine Beschwerde noch so gern zurückziehen», sagt die Beschwerdeführerin.

Dass nun die Adoption für Paare in eingetragener Partnerschaft nicht generell ermöglicht wurde, wie dies die Rechtskommission des Ständerats vor einem Jahr noch vorgeschlagen hatte, sondern «nur» die Stiefkindadoption, ist für von Känel ein kleiner Wermutstropfen. «Studien zeigen, dass sich Kinder mit zwei Müttern oder zwei Vätern genauso gut entwickeln wie alle anderen Kinder. Es gibt keinen sachlichen Grund, die Adoption für Paare in eingetragener Partnerschaft nicht grundsätzlich zu öffnen.» Mit dem Verein Regenbogenfamilien will sich von Känel weiterhin im Sinne einer zukunftsgerichteten Öffentlichkeitsarbeit einsetzen um Vorurteile abzubauen.