«Wir suchen Verstärkung für unser motiviertes Verkaufsteam»: Mit diesem Aushang im Schaufenster sucht eine Bäckerei in der Berner Innenstadt neues Personal. Solche Job-Angebote an Ort und Stelle, die heute gang und gäbe sind, sind schon bald verboten. Jedenfalls dann, wenn für bestimmte Berufe eine Meldepflicht gilt. Firmen, die das neue Regime missachten, können ab nächstem Sommer mit bis zu 20'000 Franken gebüsst werden.

Doch die Berner Bäckerei hat Glück: Für den Beruf des Verkäufers gilt eine Schonfrist. Um der Wirtschaft die Umstellung zu erleichtern, will der Bundesrat das Regime nämlich gestaffelt verschärfen. Per 1. Juli 2018 fallen lediglich 27 Berufe unter die Meldepflicht. Sie weisen im Jahresmittel eine Arbeitslosenquote von mindestens 8 Prozent auf. Betroffen sind zirka 75'000 Stellen. Ein solcher «Problemberuf» ist beispielsweise der Service im Gastgewerbe: Trotz einer Arbeitslosenquote von 10,5 Prozent wurden im letzten Jahr 9000 Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutiert. Mit seinem «Inländervorrang light» will der Bundesrat hier darum Gegensteuer geben. Die Meldepflicht – auch bekannt als «Arbeitslosenvorrang» – für offene Stellen soll allen Arbeitssuchenden in der Schweiz einen Vorsprung gegenüber Arbeitskräften aus dem Ausland verschaffen. Auf diesem Weg will die Politik die Masseneinwanderungsinitiative der SVP umsetzen, welche das Stimmvolk 2014 an der Urne angenommen hat. Lediglich für drei Ausnahmen liess sich die Regierung erweichen: Auf eine Meldung verzichtet werden kann, wenn eine Stelle auf höchstens zwei Wochen befristet ist, Lernende weiterbeschäftigt oder nahe Verwandte angestellt werden.

88 Berufe betroffen

Der Schwellenwert von 8 Prozent wird per 2020 auf 5 Prozent gesenkt werden. Aus heutiger Sicht werden dannzumal etwa 220'000 Stellen und 88 Berufe betroffen sein. Darunter die Verkäufer: Ihre Arbeitslosenquote betrug im letzten Jahr 5,7 Prozent. Will die Bäckerei in drei Jahren also neues Personal einstellen, muss sie den Weg über das RAV einschlagen. Dieses hat dann drei Tage Zeit, um ihr geeignete Kandidaten vorzuschlagen. Erst nach Ablauf von fünf Arbeitstagen darf das Geschäft die Stelle eigenhändig ausschreiben.

«Heisst das, ein Malergeschäft macht sich strafbar, das auf seinem Fahrzeug schreibt: ‹wir suchen laufend Kollegen›?», fragt sich der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin. Bei so simplen Praxisbeispielen habe es der Bundesrat versäumt, Klarheit zu schaffen, kritisiert er.

Positiver beurteilt Bruno Sauter, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit im Kanton Zürich, die gestern vom Bundesrat verabschiedete Verordnung: «Die Meldepflicht ist eine grosse Chance für Unternehmen wie auch für Stellensuchende», sagt er und verweist auf einen Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft, wonach Unternehmen die Leistungen der RAV mehrheitlich positiv beurteilen.

«Mit gewissem Charme»

Im selben Bericht steht aber auch, dass viele Unternehmen unzufrieden sind mit den vom RAV vermittelten Kandidaten. Dieses sogenannte «mismatching» liege aber zumeist an den weichen Faktoren, etwa der Persönlichkeit und nicht an den harten Kriterien wie der beruflichen Qualifikation, beteuert Sauter. Gemäss letzten Untersuchungen wurden in der Schweiz 22 Prozent der Stellensuchenden übers RAV vermittelt. Sauter ist zuversichtlich, dass diese Quote dank der neuen Regel auf etwa 30 Prozent gesteigert werden kann. Für die Kontrolle zuständig sind die Kantone. Bruno Sauter geht davon aus, dass die Arbeitsmarktbehörde die Umsetzung in einer ersten Phase mit «einem gewissen Charme» begleiten wird. «Verärgerte Arbeitgeber sind nicht in unserem Interesse», meint er.