Private Events
Bis zu 10'000 Franken für SRF-Stars: Politiker fordern Offenlegung der Nebeneinkünfte

Politiker aus allen Lagern fordern mehr Transparenz und die Offenlegung der Nebeneinkünfte von SRF-Stars. Medienpolitiker Martin Candinas sieht das anders. Dies sei nicht Angelegenheit der Politik, sondern eine unternehmerische Frage.

Sacha Ercolani
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Sind beliebte Aushängeschilder des Schweizer Fernsehens: Arthur Honegger, Patrizia Laeri, Florian Inhauser, Rainer Maria Salzgeber und Annina Frey.

Sind beliebte Aushängeschilder des Schweizer Fernsehens: Arthur Honegger, Patrizia Laeri, Florian Inhauser, Rainer Maria Salzgeber und Annina Frey.

Fotos: SRF, Key

Ronnie Scholom vermittelt mit seiner Firma Show Connection Moderatoren und Moderatorinnen des Schweizer Fernsehens. «Wir haben die Besten. Bekannt aus vielen TV-Shows oder den wichtigsten Informations-Sendungen des Schweizer Fernsehens», wirbt er auf seiner Website. Auch andere Agenturen wie Premium Speakers oder Speakers vermitteln SRF-Stars für private Firmenevents, Podien oder Galas. Das Geschäft mit den bekannten Gesichtern boomt und ist lukrativ: Bis zu 10'000 Franken müssen Kunden für ein Engagement eines Fernsehstars hinblättern.

SRF-Moderatoren wie Arthur Honegger, Patrizia Laeri, Florian Inhauser, Rainer Maria Salzgeber oder Annina Frey verdienen mit Nebenjobs viel Geld. Ihrem Hauptarbeitgeber müssen sie davon nichts abliefern. Anders als etwa Uni-Professoren oder Spitalärzte, für die es zum Teil Abgeltungsregeln gibt. Salzgeber hat für die Abwicklung seiner Nebengeschäfte schon vor Jahren die Firma Mehrsalz AG gegründet, was sich steuerlich günstig auf die Zusatzeinkommen auswirkt. Und Börse-Moderatorin Patrizia Laeri ist Inhaberin der Laeri GmbH. SRF-Sprecherin Andrea Wenger sagt, dass die beiden ihre Nebenbeschäftigungen «rein aus administrativen Gründen» über ihre Firmen abwickeln würden.

An solchen für Gebührenzahler undurchsichtigen Abwicklungen störte sich schon der ehemalige Medienminister Moritz Leuenberger (SP). Er forderte noch während seiner Amtszeit im Frühling 2010, dass ein grosser Teil der Nebeneinkünfte an die SRG zurückfliesst. Denn schliesslich handle es sich beim Marktwert der Moderatoren um gebührenfinanzierten Mehrwert. Bei SRG-Direktor Roger de Weck stiess Leuenberger aber auf taube Ohren. Dass die Moderatoren dabei von ihrer TV-Präsenz profitieren, war für de Weck ebenfalls kein Grund für Rückforderungsansprüche. Die SRG habe Erfolg dank charismatischen Moderatoren, sagte er damals. «Das ist ein Geben und Nehmen.»

Das Nehmen ist jedoch nicht für alle SRF-Mitarbeiter gleich lukrativ, denn je grösser die TV-Präsenz, desto höher auch der Marktwert bei Privat-Events, sagte der ehemalige «Arena»-Moderator Patrick Rohr einst in dieser Zeitung: «Sven Epiney gehört zur Topliga der Moderatoren und kann dank seiner TV-Präsenz bis zu 10'000 Franken für eine Moderation verlangen – das ist natürlich ein super Nebenverdienst.» Er selber habe jedoch nie solche Events moderiert. «Ich konnte das mit meiner journalistischen Tätigkeit einfach nicht vereinbaren.» Jetzt im Zuge der No-Billag-Debatte flammt die Forderung von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger neu auf – Politiker aus allen Lagern verlangen mehr Transparenz. SP-Nationalrat Cédric Wermuth und Grüne-Nationalrat Bastien Girod würden gar eine Offenlegung und Obergrenze der Nebeneinkommen begrüssen.

SRG-Sprecher Estermann verteidigt TV-Stars

Nationalrat Claudio Zanetti (SVP) fordert, «dass ein grosser Teil der Nebeneinkünfte zwingend an die SRG und damit an die Gebührenzahler zurückfliesst». Dies müsse im Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) verankert werden. Denn die Moderatoren würden ihre Popularität und damit ihren Marktwert allein ihrer Anstellung bei der gebührenfinanzierten Plattform verdanken. Medienpolitiker Martin Candinas (CVP) sieht das anders. Dies sei nicht Angelegenheit der Politik, sondern eine unternehmerische Frage.

«Die Unternehmung, in diesem Fall die SRG, muss selber einschätzen, wie weit das gehen darf und was es verträgt.» SRG-Sprecher Edi Estermann verteidigt die TV-Stars: «Moderatorinnen und Moderatoren verdienen bei der SRG branchenübliche Journalistenlöhne, weil sie Redaktoren-Arbeitsverträge haben. Die meisten von ihnen arbeiten in Teilpensen, haben keine 100%-Arbeitsverträge – und deshalb ist es legitim, dass sie in ihrer Freizeit Nebenbeschäftigungen nachgehen können.»

Es gelten in den Unternehmenseinheiten strenge Richtlinien, welche Art von Nebenbeschäftigungen erlaubt seien, und diese müssen vorgängig von den Vorgesetzten bewilligt werden. Wie schon de Weck will auch der neue SRG-Chef Gilles Marchand nicht an den Zusatzeinkünften rütteln: «Eine Praxisänderung bezüglich einer Abgabe aus diesen Nebeneinkünften gegenüber der SRG ist nicht vorgesehen», sagt Edi Estermann.

Auch für Politiker und Finanzunternehmer Thomas Matter (SVP) bilden die Nebeneinkommen kein staatspolitisches Problem. Zumal viel Arbeit hinter solchen Glamourauftritten stecke, sagt Matter. «Unverantwortlich finde ich die Gehälter der SRF-Spitze, die teilweise den Lohn eines Bundesrats übertreffen. Das durch Zwangsgebühren finanzierte Durchschnittseinkommen der SRG-Journalisten liegt über dem Durchschnitt des Schweizer Finanzplatzes.»

No Billag: Diese Promis kämpfen gegen Initiative

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