Birrwils Gemeindepräsidentin ist auch eine Sängerin

470 Mal stand sie als österreichische Kaiserin Sissi im Musical-Theater Neuschwanstein auf der Bühne. Mit internationalem Ruhm im Gepäck kehrte sie vor sechs Jahren in ihre Heimatgemeinde zurück. Unlängst feierte Barbara Buhofer, die berufstätige Mutter und Lokalpolitikerin, ihr 20-Jahr-Jubiläum als gefragte Sopranistin.

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Barbara Buhofer

Barbara Buhofer

Schweiz am Sonntag

Barbara Rüfenacht

«Im Moment bekomme ich wenig Schlaf, weil ich mir tagsüber Zeit für meine Tochter nehme und so erst nachts zum Lernen meiner Opernstücke komme,» erklärt Barbara Buhofer.

Die kurzen Nächte haben keine Spuren hinterlassen; die Künstlerin ist aufgeweckt und trägt auf der sonnigen Terrasse Gelb mit Grandezza. «Ich war zum Glück schon immer ein Nachtfalter», erklärt sie ihre gute Laune und Energie.

Zur Person

Barbara Buhofer ist in Birrwil aufgewachsen und lebt heute mit ihrem Partner, der gemeinsamen Tochter, ihrer Mutter und ihrem Bruder im Elternhaus. Mit 19 verlor sie ihren Vater und musste sich ihr Gesangsstudium an der Opernschule des Konservatoriums Wien selber verdienen. Spätere Migros-Studienpreise ermöglichten eine Weiterbildung am Internationalen Opernstudio Zürich. Mit Hauptrollen in Opern- und Operettengastspielen wurde sie rasch international bekannt, u.a. als Gilda, Frau Fluth, Rosalinde, Laura und Leila. Der grosse Durchbruch gelang ihr als Kaiserin Sissi im Musical-Theater Neuschwanstein. Es folgten Liederabende, Oratorien und Konzerte von Italien bis in die USA. Heute ist die Sopranistin Gemeindeammann in ihrer Heimatgemeinde und tritt vorwiegend in der Schweiz auf.

Der schimmernde Hallwilersee und der schön angelegte Garten fesseln das Auge. «Unser Haus ist wunderbar, aber es gibt viel Arbeit», meint die Sopranistin, die am Telefon spielend zwischen Mundart und Bayrisch wechselt.

Ihren Mann auf der Bühne kennengelernt

Kein Wunder, ihren Lebenspartner und Vater der sechsjährigen Wunschtochter Raffaella hat die Sängerin in Füssen kennengelernt. «Auf der Bühne gab ich die Kaiserin Sissi und er hiess ausgerechnet Ludwig», erinnert sie sich lachend.

Heute leben alle drei im obersten Geschoss des 1850 erbauten Elternhauses der Sängerin mit dem eindrücklichen Namen Villa Wilhof. Einen Stock tiefer wohnen die Mutter, die sich um ihre Enkelin und das Haus kümmert, wenn die Tochter auf der Bühne steht, und der Bruder, der sich mit Leib und Seele der Gartenanlage widmet. Die grüne Anordnung erinnert fast ein wenig an Versailles und dient Barbara Buhofer als Quelle der Ruhe und Inspiration. «Im Sommer muss ich nicht in die Ferien, hier habe ich alles, was das Herz und Auge begehrt.»

Elf Zimmer

«Die Villa mit den elf Zimmern kann allerdings nur gehalten werden, wenn alle Bewohner bei der Arbeit mithelfen», erklärt die Mutter der Solistin, während sie in der Küche eine Arbeitspause einlegt. Sie stand selber ihr halbes Leben lang auf der Operettenbühne in Beinwil am See und hat ihrer Tochter nicht nur Talent, sondern auch den Durchhaltewillen vererbt, den es braucht, wenn man sein Hobby zum Brotberuf macht.

«Als ich 1987 zum Gesangsstudium an die Opernschule des Konservatoriums von Wien ging, hatte ich kein dickes Portemonnaie», erinnert sich Barbara Buhofer. Das Geld für die ersehnte Ausbildung verdiente sie sich vorab als Chefsekretärin. «Mein Vater wollte, dass ich etwas Anständiges lerne.»

Chefsekretärin mit Ambitionen

Bereits in der Bezirksschule Reinach wurde der Schülerin eine grosse Begabung für Gesang attestiert, aber erst nach der Lehre begann sie ihre Stimme mit Unterricht zu kultivieren, den sie später in Wien als Privatschülerin bei Frau Ks. (Kammersängerin) Prof. Hilde Zadek fortsetzte. 1989 schloss die Aargauerin in Wien das Operndiplom bei Ks. Waldemar Kmentt, der bereits mit 21 Jahren eingeladen worden war, die Tenorpartie in Beethovens Neunter Symphonie zu singen, mit Auszeichnung ab. Sie hatte das Studium in zwei Jahren durchlaufen, andere investierten dafür fünf. «Es war alles eine Frage des Geldes.»

Diverse Migros-Studienpreise ermöglichten der Sopranistin im Anschluss die begehrte Weiterbildung am Internationalen Opernstudio Zürich. Darauf folgten Opern- und Operettengastspiele rund um die Welt, unter anderem in Deutschland, Italien, Polen, Österreich und Amerika. Im Herbst 2002 war die Birrwilerin, die sich mit ihrer schönen Stimme überall auf Anhieb in die Herzen der Zuhörer singt, mit dem bekannten Operettenensemble aus dem Kanton Aargau «Die Fledermäuse» in Brasilien unterwegs. Auf der Bühne ist sie ein Schmetterling, schlüpft schlafwandlerisch in verschiedene Rollen und legt tiefe Gefühle in ihre Arien.

Abseits des Rampenlichts ist die Operndiva eine Lokalpolitikerin zum Anfassen. Weil sie der ehemalige Gemeinderat nicht als Gemeindeammann wollte, stellte sie sich im Jahr 2008 einer Kampfwahl gegen einen Mann, die sie spielend gewann. «Heute habe ich ein tolles Team unter mir», berichtet sie mit leuchtenden Augen und räumt ein, dass Gemeindearbeit durchaus bodenständig sei und viel Einsatz verlange.

So angesehen sie als Politikerin ist, so wenig gilt sie als Sopranistin im eigenen Land. «Weder in Luzern, Bern oder St. Gallen bekam ich die Chance, vorzusingen, obwohl jeder ausgebildete Schweizer Sänger das Recht dazu hat.» Auch das traditionelle Weihnachtskonzert in der Nachbarsgemeinde Beinwil am See, das die Künstlerin als Benefizanlass seit Jahren institutionalisiert hat, soll dieses Jahr ausfallen. «Der zurzeit eingesetzte Kurator hat meine Anfrage schlicht abgelehnt.» Umso mehr freut sich die Sängerin über Einladungen aus dem Ausland. Im März dieses Jahres wurde sie gemeinsam mit dem anerkannten Luzerner Tenor Daniel Zihlmann, der bereits mit den Münchner Symphonikern und den St. Petersburger Symphonikern auftrat, für die «Schweizer Wochen» nach Wien gerufen.

Im Frühling 2011 schlüpft Frau Gemeindeammann Buhofer auf der Operettenbühne Bremgarten für 30 Abende in die weibliche Hauptrolle und Robe der Helena Zaremba in «Polenblut» von Nedbal. Tagsüber gehört ihre Zeit der Tochter und oft auch der Gemeinde Birrwil. Barbara Buhofer spielt eben jede Hauptrolle perfekt.

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