Bad Zurzach
Biodiesel neben Thermalwasser

Wie steht die Behörde des Kurortes Bad Zurzach zur geplanten Biodiesel-Anlage? Gemeindeammann Franz Nebel nimmt Stellung.

Michael Hunziker
Merken
Drucken
Teilen
Biodiesel

Biodiesel

Aargauer Zeitung

Nach einer langen Planungsphase, nach intensiven Abklärungen und nach anspruchsvollen Verhandlungen haben die Gemeinde sowie der Kanton die Baubewilligung für die Biodiesel-Anlage in Bad Zurzach erteilt. Der Umweltverträglichkeitsbericht sowie die definitive Beurteilung der Umweltschutzfachstelle im Departement Bau, Verkehr und Umwelt liegen bis 3.Februar auf der Bauverwaltung in Bad Zurzach öffentlich auf.

Mit der geplanten, rund 80Mio. Franken teuren Grossanlage auf dem Solvay-Areal will die Green Bio Fuel AG pro Jahr 130 Millionen Liter Biodiesel produzieren und vermarkten. Als Rohstoff zum Einsatz kommen soll die Pflanze Jatropha aus Moçambique. Laut den Initianten lassen sich mit dem Biodiesel jährlich um die 200 000 Tonnen CO einsparen. Damit könne die Schweiz 10 Prozent des Kyoto-Protokolls mit einem Projekt erfüllen.

Zwei Kilometer entfernt

Passt dieses Vorhaben überhaupt zu Bad Zurzach? «Eine Biodiesel-Anlage liegt sicher im Grenzbereich. Aber sie verträgt sich mit dem Kurort», stellt Gemeindeammann Franz Nebel fest. Nicht zuletzt deshalb, weil sich der Standort im Industriegebiet befinde – in rund zwei Kilometer Luftlinie Entfernung zum Kurbereich.
«Selbstverständlich setzen wir bei uns nach wie vor primär auf die Bereiche Wellness, Gesundheit und Tourismus», betont Nebel. Schliesslich verfüge Bad Zurzach mit dem Thermalwasser über einen eigenen, wertvollen Rohstoff. «Deshalb nehmen wir Bedenken, Anregungen und Kritik aus der Bevölkerung sehr ernst.»

Kurz: Dem Vorhaben «Biodiesel-Anlage» stehe die Behörde nicht negativ gegenüber, sagt Nebel. «Es gehört zu unseren Zielen, Unternehmungen anzusiedeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Bezüglich Arbeitsplätze und Bevölkerung müssen wir diversifiziert bleiben.» Mit der Realisierung könne gleichzeitig das Solvay-Areal belebt werden. Dies sei im Sinne des Gemeinderates, fährt Nebel fort und erinnert an das Jahr 2004, als die Solvay die Schliessung der Chlor- und Natronlaugeproduktion bekannt gab – und damit den Verlust von über 100 Arbeitsplätzen. Inzwischen, so sagt der Gemeindeammann, könnten auf dem Areal wieder ungefähr gleich viele Arbeitsplätze gezählt werden wie vor der Schliessung. Der Kontakt zu den Investoren der Biodiesel-Anlage ist gemäss Gemeindeammann über das Technologie- und Gründerzentrum Zurzibiet entstanden.

Einige Hürden übersprungen

«Die Herstellung von Biodiesel kann Sinn machen», meint Nebel. Mit der Produktion in Bad Zurzach gebe es keine Konkurrenz zu den Nahrungsmitteln, weil keine Rapspflanzen eingesetzt werden sollen. Deshalb sei gegen das Vorhaben grundsätzlich nichts einzuwenden. «In erster Linie hatte der Gemeinderat die Aufgabe, das Baugesuch vom neutralen Standpunkt aus sachlich zu prüfen», erklärt der Gemeindeammann. Beim ganzen Bewilligungsverfahren hätten einige Hürden übersprungen werden müssen. Nebel nennt als Beispiele die Kläranlage samt Umweltverträglichkeitsbericht oder die Nutzung der Abwärme und das fischereibiologische Gutachten. Eine weitere Herausforderung sei die Prüfung der Umweltverträglichkeit gewesen, also die Untersuchung der Auswirkungen auf Luft und Wasser sowie der Folgen für Natur und Landschaft. Es seien verschiedene Anpassungen vorgenommen worden, fasst Nebel zusammen. «Wir konnten in allen Bereichen Lösungen finden. Sämtliche Vorgaben werden eingehalten.» Übrigens: Der Bahnlärm, so erwähnt der Gemeindeammann, werde im Rheintal unabhängig von der Biodiesel-Anlage ein Thema sein. «Wir bleiben im Gespräch mit den SBB.»

In einer nächsten Phase gehe es für den Gemeinderat darum, die Bestimmungen durchzusetzen und darauf zu achten, dass alle Auflagen eingehalten würden. «Bedenken brauchen wir keine zu haben», ist Nebel überzeugt. Die Initianten rechnen mit einer Bauzeit von rund einem Jahr. Offen ist momentan, ob der Biodiesel direkt an die Autofahrer verkauft wird oder von einer Ölgesellschaft übernommen wird. «Und, wer weiss», fügt Nebel mit einem Schmunzeln an, «vielleicht kann die Region sogar von Biodiesel zum Spezialpreis profitieren.»