Bill Clinton
Bill Clinton: «Die Schweiz war unser Vorbild»

Ex-US-Präsident Bill Clinton sagt im Interview, dass der Ruf der Schweiz trotz aktuellen Turbulenzen noch immer exzellent sei.

Merken
Drucken
Teilen
«Schweiz war unser Vorbild»

«Schweiz war unser Vorbild»

Christian Dorer, Patrik Müller

Bill Clinton war von 1993 bis 2001 der mächtigste Mann der Welt. Als erster und bisher einziger amtierender US-Präsident besuchte er im Jahr 2000 das WEF. Seither ist er Stammgast in Davos. Diese Woche besteht seine Mission darin, die WEF-Teilnehmer zu Spenden für Haiti zu bewegen. Nach einem Referat gab «Mister President» – so lautet die korrekte Ansprache auf Lebzeiten – dieser Zeitung ein Interview.

Mister President, waren Sie erfolgreich mit Ihrem Appell, für Haiti zu spenden?
Bill Clinton: Der Wille zu helfen, ist gross – und auch dringend notwendig: Wir müssen jetzt Schulen aufbauen, sanitarische Einrichtungen und die ganze Logistik. Der Anfang ist gut, aber es muss noch viel mehr getan werden, und das sehr schnell. Ich war selber vor Ort, das Elend ist schrecklich. Ich möchte, dass sich die Menschen in Haiti keine Sorgen darüber machen müssen, was sie heute essen und trinken.

Warum kommen Sie seit zehn Jahren ans WEF nach Davos?
Clinton: Es ist eine wunderbare Gelegenheit, spannende Gespräche zu führen.

Wie hat sich der Ruf der Schweiz in dieser Zeit verändert?
Clinton: Well, das Image der Schweiz ist unverändert gut, auch wegen der Guten Dienste, die die Schweiz in der Welt leistet. Früher hat man sich vielleicht stärker für die Rolle der Schweiz in der Welt interessiert, während es heute mehr von Interesse ist, wie sich die Schweiz selber organisiert.

Wie meinen Sie das?
Clinton: Die Schweiz hat viele Institutionen, die als Vorbild dienen können. Zum Beispiel das Gesundheitssystem: Als Hillary und ich 1994 das US-Gesundheitssystem reformieren wollten, haben wir das Schweizer System genau angeschaut, es war in vielem unser Vorbild. Denn es basiert auf einer guten Balance zwischen staatlichen und privatwirtschaftlichen Elementen. Man kann ein Gesundheitssystem nicht komplett dem freien Markt überlassen, das funktioniert nicht.

Sie sagen, das Image der Schweiz sei noch immer gut. Bankenkrise, Steuerstreit, UBS – hat das alles nicht geschadet?
Clinton: Nein, schauen Sie: Die USA etwa haben selber Probleme mit ihren Banken, da steht die Schweiz nicht allein da. Die Finanzkrise betrifft alle – andere Länder viel stärker als die Schweiz, wenn man etwa an Island denkt.

Das Verhältnis der Schweiz zu den USA ist also gar nicht getrübt?
Clinton: Ganz entscheidend ist in unserer Beziehung zur Schweiz, dass der Transfer von Terrorgeldern über die Finanzplätze unterbunden wird. Und da hilft die Schweiz mit.