Covid-19

Big Genève is watching you! Corona-Hotspot-Kanton erwägt, künftig auch Familienanlässe zu überwachen

Der Kanton Genf ist mit stark ansteigenden Corona-Fallzahlen konfrontiert. Gesundheitsminister Mauro Poggia prüft nun, das Tracing-Verfahren massiv auszuweiten.

Der Kanton Genf ist mit stark ansteigenden Corona-Fallzahlen konfrontiert. Gesundheitsminister Mauro Poggia prüft nun, das Tracing-Verfahren massiv auszuweiten.

Im Westschweizer Kanton sind die Covid-Fallzahlen überdurchschnittlich hoch. Nun prüft die Regierung offenbar, die Tracing-Massnahmen deutlich auszuweiten. Das sorgt bei Politikern von links bis rechts für Ärger.

Ein Geburtstag im kleinen Familienkreis? Melden! Ein Abendessen unter Freunden? Melden! Ginge es nach dem Genfer Staatsrat Mauro Poggia könnte das Corona-Tracing-Verfahren im Westschweizer Kanton schon bald massiv ausgeweitet werden. In Visier nimmt der Exekutiv-Politiker private Anlässe in den eigenen vier Wänden.

Die Offensive kommt nicht ohne Grund: In keinem anderen Kanton wurden in den vergangenen zwei Wochen so viele Corona-Fälle pro 100000 Einwohner gezählt, wie in Genf. Der Westschweizer Kanton bringt es bei dieser Zählung auf 325 Infizierte. Dahinter folgen die Waadt (241) und gleichauf das Wallis und Neuenburg (233). Und drei Viertel der Infektionen in Genf werden auf Veranstaltungen im privaten Bereich zurückgeführt.

Es könnten hohe Bussen drohen

Gegenüber «RTS» sagte Gesundheitsminister Poggia kürzlich, er erwäge aufgrund des starken Anstiegs der Fallzahlen, die Schraube künftig anzuziehen. Ginge es nach Poggia, wäre es also möglich, dass Zusammenkünfte von Familienmitgliedern und Freunden schon bald dem Kanton gemeldet werden müssen - inklusive Teilnehmerliste. Wer diesem Aufruf nicht folgen würde, dem drohen hohe Bussen.

Ob die Kantonsregierung diesen Schritt wirklich wagt, wird wohl erst nach der ordentlichen Sitzung am Mittwoch bekannt. Gut möglich auch, dass Poggia mit dieser Drohung bloss an die Disziplin der Bevölkerung appellieren wollte.

Nazi-Vergleich der CVP-Politikerin

So oder so ist die Empörung gross, und zwar von links bis rechts, wie «Le Temps» schreibt. Die CVP bezeichnet die Idee in einem Communiqué als «inakzeptable Verletzung der Privat- und Familiensphäre». Die kantonale Parteipräsidentin Delphine Bachmann sagt, eine solche Massnahme würde von der Bevölkerung auf keinen Fall akzeptiert. Sie warnt vor einem Kipp-Effekt: Sollten die Massnahmen ausufern, könnte das Volk plötzlich das Vertrauen in die Strategie der Behörden verlieren und nachlässiger werden. Und dann greift Bachmann sogar zur Nazi-Keule: «Es wäre kontraproduktiv, zur Gestapo zu werden.»

Bertrand Reich, kantonaler FDP-Präsident, betont, dass das private Zuhause durch die Genfer Verfassung geschützt sei. Trotz des Virus gehe es nun um die Wahrung der Grundrechte und der persönlichen Freiheiten. Und auch von der linken Seite ertönt Kritik: SP-Grossrat Cyril Mizrahi sagt, die Überwachung von privaten Anlässen würde ein bedrohliches Klima schaffen und Denunziation fördern.

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