Das Aktionariat von SBB Cargo soll für eine Minderheitsbeteiligung geöffnet werden. Haben Sie schon einen Partner gefunden?

Andreas Meyer: So viel vorweg: Die Cargo-Sparte hat 2018 nach einem Ver- lust im 2017 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Es gibt einige Partner, die Interesse angemeldet haben, um sich an SBB Cargo zu beteiligen. Darunter sind auch ausländische Firmen.

Die Rede war davon, dass auch die Migros und Fenaco interessiert sein können.

Alles ist vorstellbar, über die Interessenten geben wir während des Prozesses keine Auskunft.

Mit den üblichen Margen des Warentransports können Sie als Bundesunternehmen kaum mithalten, ohne die Anstellungsbedingungen zu lockern.

Wir schrauben nicht an den Anstellungsbedingungen. Die anderen Logistikunternehmen müssen die gleichen Bedingungen einhalten, das ist uns wichtig. Bei Cargo International hat sich die Hupac beteiligt. Dieses Geschäft entwickelt sich gut.

Die SBB Cargo schreibt wieder Gewinn. Doch jahrelang waren Millionenverluste üblich. Gibt es ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell für das Unternehmen?

Absolut, davon bin ich überzeugt. Im Ausbauschritt 2035 investiert der Bund deshalb massiv, damit die Cargo-Züge schneller unterwegs sein werden. Die Cargo-Sparte hat sich Schritt für Schritt hochgearbeitet. Sie ist gut unterwegs. Wir überprüfen auch die Bedienungspunkte …

… weil der kleinteilige Warenverkehr, bei dem einzelne Wagen hin- und hergeschickt werden, sich kaum mehr lohnt. Werden Sie sich ganz aus diesem Geschäft verabschieden?

Da gibt es andere Mobilitätsträger, die sicher geeigneter sind als wir. Wir bauen ja auch nicht Schienen in jedes Bergdorf.

Kommt das bei Ihren Kunden gut an?

Die Politik hat die Weichen gestellt. Bei Cargo herrscht voller Wettbewerb, seit diesem Jahr erhalten wir keine Subventionen mehr. 2017 waren es die letzten neun Millionen Franken, die nun fehlen. Unsere Kunden verstehen die Situation. Sie wollen einfach keine abrupten Wechsel. Sie sehen, dass unsere Kosten für einzelne Bedienungen überproportional sind und sie diese schliesslich bezahlen müssen. Deshalb entwickeln wir neue Lösungen, zum Beispiel die Bündelung von Lieferun- gen. In über zwei Drittel der Fälle finden wir gute Lösungen.

Bei SBB Cargo drängte der Bund auf eine externe Spitze. Warum beharrten Sie so lange selbst auf dem Präsidium?

Die Suche nach einem externen Verwaltungsratsmitglied läuft. Der neue Präsident oder die neue Präsidentin wird gemeinsam mit dem neuen Partner definiert. Natürlich habe ich die Sparte lieb gewonnen. Der Bundesrat hat entschieden, das Präsidium nach dem Transformationsprozess in dritte Hände zu legen. Wenn dies dem Erfolg der Firma dient, macht mir das gar nichts aus.

Der Name «SBB Cargo» bleibt. Ist das in Ihrem Sinne?

Natürlich, die SBB bleiben Mehrheitseignerin und werden die Firma auch in Zukunft eng begleiten. Und SBB-Vertreter werden im Verwaltungsrat bleiben.